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Luftfahrt:Lufthansa bereitet Kapitalerhöhung vor

Aktionäre sollen den Schritt auf der nächsten Hauptversammlung genehmigen - der Weg zum schnellen Ausstieg des Staates als Aktionär wäre damit geebnet.

Von Jens Flottau, Frankfurt

Die Aktionäre der Lufthansa sollen bei der nächsten Hauptversammlung am 4. Mai eine Kapitalerhöhung von bis zu 5,5 Milliarden Euro vorab genehmigen. Der Beschluss würde die Lufthansa in die Lage versetzen, die stillen Einlagen des Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) vollständig zurückzuzahlen und damit auch die Voraussetzung für den Rückzug des Staates als größter Einzelaktionär schaffen. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben aber derzeit noch nicht entschieden, die Kapitalerhöhung tatsächlich durchzuführen.

Lufthansa hatte Mitte 2020 wegen der Corona-Krise Zusagen für Staatshilfen in Höhe von insgesamt neun Milliarden Euro erhalten. An dem Paket haben sich Deutschland, Belgien, Österreich und die Schweiz beteiligt, also Länder, in denen der Konzern große Fluggesellschaften betreibt. 6,8 Milliarden entfallen dabei auf Deutschland, 2,2 Milliarden auf die drei anderen Länder. Von den deutschen Hilfen hat Lufthansa bislang 2,3 Milliarden Euro gezogen, aber bereits eine Milliarde wieder zurückgezahlt. Zusätzlich hat sie 1,2 Milliarden von den Unterstützungsmaßnahmen der Schweiz, Österreichs und Belgiens in Anspruch genommen. Der WSF ist derzeit mit einem Anteil von 20 Prozent größter Einzelaktionär der Lufthansa.

Zwei stille Beteiligungen von insgesamt 5,5 Milliarden Euro machen einen Großteil des deutschen Konstruktes aus. 4,5 Milliarden dieses Geldes hat die Lufthansa aber noch gar nicht in Anspruch genommen, und es ist auch nicht klar, ob sie es überhaupt braucht. Denn das Unternehmen hat trotz eines Rekordverlustes von 6,7 Milliarden Euro im Jahr 2020 schon relativ bald wieder Zugang zum Kapitalmarkt gefunden und sich insgesamt Anleihen und Flugzeugfinanzierungen in Höhe von 4,3 Milliarden Euro gesichert. Vor allem die stark steigenden Zinsen der beiden stillen Einlagen - sie würden 2027 bei 9,5 Prozent liegen - schaffen einen starken Anreiz, die Staatshilfen früh abzulösen.

Sollte die Hauptversammlung dem Antrag zustimmen, hätte der Vorstand eine attraktive Option mehr, die Staatsbeteiligung schnell wieder loszuwerden, ohne sich dabei zusätzlich verschulden zu müssen. Die Anteile der derzeitigen Investoren würden aber verwässert werden - der Kurs der Lufthansa-Aktie gab daher am Donnerstag nach Bekanntwerden der Pläne auch um bis zu sieben Prozent nach.

Bernstein-Research-Analyst Daniel Röska rechnet allerdings nicht damit, dass die Fluggesellschaft die Kapitalerhöhung schnell durchführen wird. Das Unternehmen habe deutlich gemacht, dass es im Falle eines Falles nur eine Erhöhung durchführen wolle. Dies könne es aber erst dann tun, wenn klar sei, wieviel Geld es brauche. Wie schnell sich der Luftverkehr aus seiner Krise erhole, sei aber weiterhin unklar. Röska hält es für denkbar, dass Lufthansa den Schritt erst im Mai 2022 durchziehen wird. Trotz der erneuten Lockdowns in vielen Ländern Europas hat der Konzern nach eigenen Angaben genügend liquide Mittel, auch einen erneut schwachen Sommer und die nächste Wintersaison zu überstehen.

Kapitalerhöhungen sind auch bei der Konkurrenz ein beliebtes Mittel. Die British-Airways-Muttergesellschaft International Airlines Group (IAG) hat sich schon Ende 2020 auf diesem Weg zusätzliches Geld besorgt. Auch Air France-KLM bereitet einen solchen Schritt vor. Anders als bei Lufthansa und IAG sollen sich aber mit Frankreich und den Niederlanden vor allem staatliche Investoren an der Finanzierungsrunde beteiligen. Die Verhandlungen mit der Europäischen Kommission über die wettbewerbsrechtliche Genehmigung dazu laufen seit Monaten.

© SZ
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