bedeckt München 20°
vgwortpixel

TV-Gerätehersteller:Loewe stellt nach 96 Jahren den Betrieb ein

Fernsehhersteller Loewe ist pleite und stellt Betrieb ein

Der Fernsehhersteller Loewe ist pleite und stellt Betrieb ein.

(Foto: dpa)
  • Zum 1. Juli stellt der deutsche Fernsehhersteller Loewe seinen Geschäftsbetrieb ein.
  • Die Gläubiger verwehrten dem Unternehmen ein überlebenswichtiges Darlehen.
  • Betroffen sind etwa 400 Beschäftigte. Die IG Metall warf dem Finanzinvestor Riverrock vor, das Unternehmen erst "ausbluten" lassen zu wollen, um danach günstig Geld zu verdienen.

Für den Dienstagvormittag hatte die IG Metall die Beschäftigten der Firma Loewe noch einmal zum Protest vor die Werkstore im oberfränkischen Kronach gerufen. Es wurde ein letztes Aufbäumen. Am Nachmittag verkündete das Unternehmen sein eigenes Aus. Zum 1. Juli, schon am kommenden Montag also, stellt Loewe seinen Geschäftsbetrieb ein. 96 Jahre nach der Firmengründung.

Betroffen sind mehr als 400 Beschäftigte. Pumpt nicht bis zum Wochenende ein Investor frisches Geld in die Firma, sind sie ihre Jobs los. Dabei hatte ihnen das Management bis zuletzt Hoffnungen gemacht. Nun aber geht Loewe das Geld aus. Die Gläubiger zogen den Stecker, in dem sie dem Unternehmen ein neues, überlebenswichtiges Darlehen verweigerten. "Leider konnten wir, anders als bei unseren Kunden und Lieferanten, den für eine Aufrechterhaltung des operativen Geschäftes erforderlichen Rückhalt in Form der Gewährung eines Massedarlehens bei unseren Sicherungsgläubigern nicht finden", sagte Loewe-Geschäftsführer Ralf Vogt. Weshalb man den Geschäftsbetrieb "vorläufig bei geringster Kostenlast ruhend stellen" müsse.

Technologie So sollen die Fernseher der Zukunft aussehen
Ifa 2018

So sollen die Fernseher der Zukunft aussehen

Noch schärfer, noch größer, noch teurer: Auf der Ifa zeigen die Hersteller ihre neuen TV-Geräte. Käufer sollten sich nicht von vielen Zoll und noch mehr Pixeln blenden lassen.   Von Helmut Martin-Jung

In der Kritik steht vor allem der Finanzinvestor Riverrock, der dem Vernehmen nach mit Darlehen im mittleren zweistelligen Millionen-Bereich seit einigen Jahren der wichtigste Geldgeber von Loewe ist. Nun deutet für den bayerischen IG-Metall-Chef Johann Horn "einiges darauf hin, dass Riverrock abwartet, bis Loewe endgültig ausgeblutet ist, um erst danach mit den Trümmern des Unternehmens Geld zu verdienen". Die Betriebsstilllegung ermögliche dem Investor "für einen Neustart die Teile der Firma herauszupicken, die er möchte und den Mitarbeitern Verträge mit geringerer Entlohnung und schlechteren Arbeitsbedingungen vorzulegen", mutmaßt die Gewerkschaft.

Horn verwies auf den Küchenhersteller Alno in Baden-Württemberg, wo Riverrock erst nach der Insolvenz 2017 am Standort investiert habe und mit deutlich weniger Mitarbeitern zu deutlich schlechteren Konditionen weiter Küchen produzierte. Horn: "Ich hoffe nicht, dass Alno eine Blaupause für das ist, was Riverrock jetzt mit Loewe vorhat."

Schon einmal aus der Insolvenz gerettet

Wie auch immer - eine Überraschung ist die Entwicklung bei Loewe nicht. 2013 war der TV-Gerätehersteller schon einmal insolvent und wurde erst im letzten Moment vom Münchner Finanzinvestor Stargate Capital übernommen. Der brauchte alsbald Partner, um das dahin schlingernde Unternehmen einigermaßen in der Balance zu halten und vor dem Untergang zu retten. Wirklich nach oben ging es nicht. Vergeblich sucht das Traditionsunternehmen mit seinen vergleichsweise teuren, aber auch technisch anspruchsvollen Geräten ein Nischenplätzchen in einer Unterhaltungselektronik-Welt, in der die Fernseher immer billiger und zugleich besser werden. Die Kernfrage war dabei immer schwieriger zu beantworten: Warum sollte der Verbraucher für Made in Germany by Loewe das Drei-, Vier- oder Fünffache für ein Gerät bezahlen als bei Panasonic, Samsung oder LG?

Bis zuletzt hatten die Verantwortlichen die längst verheerende Lage beschönigt. Als Loewe Anfang Mai nichts anderes übrig blieb als der Gang zum Insolvenzgericht, informierte das Unternehmen darüber in einer Presseinformation, die das böse Wort "Insolvenz" kein einziges Mal enthielt. Stattdessen klangen die Statements von Geschäftsführer Ralf Vogt zu Beginn des Insolvenzverfahrens in Eigenregie derart optimistisch und überschwänglich, als würde gerade eine neue Marktoffensive eingeleitet und nicht der Versuch gestartet, ein marodes Unternehmen zu sanieren.

Smartphone Das einzige deutsche Smartphone kommt aus der Provinz

Gigaset-Fabrik

Das einzige deutsche Smartphone kommt aus der Provinz

Im nordrhein-westfälischen Bocholt baut ausgerechnet die alte Schnurlostelefon-Sparte von Siemens das Handy. Es kostet nur 179 Euro - Robotern sei Dank.   Von Benedikt Müller