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Lockere Geldpolitik:Japans Wirtschaft wächst überraschend

Japans Wirtschaft stärker gewachsen als erwartet

Japans Wirtschaft wächst stärker als erwartet: Passanten in einer Einkaufsstraße in Tokio

(Foto: dpa)

Die japanische Notenbank pumpt massiv Geld in den Markt - das scheint sich jetzt auszuzahlen: Die Wirtschaft, die seit zwei Jahrzehnten schwächelt, kann in den ersten drei Monaten des Jahres überraschend ein deutliches Plus verbuchen. Doch Kritiker werfen der Regierung vor, dass sie nur ein Scheinwachstum produziert.

Die lockere Geldpolitik zeigt offenbar Wirkung: Die japanische Wirtschaft ist im ersten Quartal überraschend stark gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt stieg von Januar bis März um 0,9 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, wie die Regierung in Tokio mitteilte. Hochgerechnet auf das gesamte Jahr ergäbe sich damit ein Plus von etwa 3,5 Prozent.

Vom Wirtschaftsdienst Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich mit einem Anstieg von 0,7 Prozent gerechnet. Damit wuchs die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt schneller als USA, die lediglich ein Plus von 0,6 Prozent schaffte.

Nach Ansicht einiger Ökonomen scheint sich die Wirtschaftspolitik von Ministerpräsident Shinzo Abe positiv auszuwirken. "In den kommenden Quartalen dürfte Japan den Wachstumskurs fortsetzen", sagte Commerzbank-Experte Marco Wagner. Frühindikatoren wie die Geschäftserwartungen und das Verbrauchervertrauen seien seit Dezember stark gestiegen.

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Der seit Dezember amtierende Premier will sein Land, das seit mehr als einem Jahrzehnt unter Wachstumsschwäche und Deflation leidet, mit massiven Konjunkturprogrammen und einer aggressiven Lockerung der Geldpolitik wieder gesunden. "Wir haben einen guten Start erwischt", sagte Wirtschaftsminister Akira Amari.

Etwa die Hälfte des Wachstums geht auf die Exporte zurück, die allerdings nur etwa 16 Prozent der japanischen Wirtschaft ausmachen. Sie legten auch aufgrund des billigen Yen kräftig zu, der japanische Waren im Ausland günstiger macht. Er hat im Vergleich zum Euro seit Herbst etwa 30 Prozent an Wert verloren, weil die Notenbank binnen zwei Jahren umgerechnet mehr als eine Billion Euro in die Wirtschaft pumpen will.

Auch der private Konsum, der etwa 60 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausmacht, wuchs mit 0,9 Prozent relativ stark. Ein Grund dafür ist der Boom am Aktienmarkt, der das Vermögen der Japaner mehrt. Dort sind die Kurse seit November im Schnitt um 70 Prozent gestiegen, was die Konsumlaune gehoben hat.

Schwachstelle bleiben die Investitionen. Sie fielen überraschend um 0,7 Prozent, während Experten ein Plus von 0,7 Prozent erwartet hatten.

Außerdem gibt es langfristig erhebliche Risiken: Japan ist so stark verschuldet wie kein anderes Industrieland. Diese Schulden müssen von einer schrumpfenden und alternden Bevölkerung zurückbezahlt werden. Der private Konsum kann zudem zum Beispiel durch steigende Energiepreise gedämpft werden, weil der schwache Yen die Importe verteuert. Außerdem schwächelten zuletzt mit den USA und China die beiden wichtigsten Exportmärkte.

Kritiker werfen der Regierung vor mit ihrer Politik lediglich ein Scheinwachstum herbeizuführen, dass allein auf dem schwachen Yen beruht und nicht nachhaltig ist.

Japan leidet schon seit fast zwei Jahrzehnten unter einer Wirtschaftsflaute und einer hartnäckigen Deflation, also sinkenden Preisen. Die Notenbank pumpt deshalb Geld in die Wirtschaft - vor allem über den Ankauf von Staatsanleihen, börsengehandelten Indexfonds und Immobilienfonds. Weil der Yen dadurch massiv abgewertet wurde, verschafft das den Exporteuren Vorteile auf den Weltmärkten. Die Autohersteller Toyota und Honda feierten auch deshalb Rekordabsätze. Der Internationale Währungsfonds (IWF) sagt Japan in diesem Jahr ein Wachstum von 1,6 Prozent voraus. 2014 sollen es 1,4 Prozent sein.