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Leo Kirch ist tot:Der letzte Patriarch

Leo Kirch war Deutschlands mächtigster Medienunternehmer, ohne den das Fernsehen hierzulande kaum denkbar wäre. Ein geheimnisvoller, scheuer Mann. Ein Unternehmerleben geprägt von beispiellosem Erfolg und jähem Absturz. Neun Jahre nach dem Zusammenbruch seines Konzerns ist der Patriarch nun gestorben. Bis zuletzt kämpfte er um seine Unternehmerehre.

Kein Unternehmer hat die deutsche Medienlandschaft so geprägt wie er. Leo Kirch war der wohl mächtigste Mann der Branche, der Einzige, der den so oft gebrauchten Titel "Medienmogul" zu Recht trug. Ohne den geheimnisvollen Patriarchen aus München wäre das deutsche Fernsehen in seiner heutigen Form undenkbar. Pro Sieben Sat 1, der Bezahlfernsehanbieter Sky, zahllose Produktionsfirmen - sie alle gehen auf Kirchs Gründergeist zurück.

Leo Kirch ist tot

Medienunternehmer Leo Kirch, hier 2009 nach der Trauerfeier für den Musikmanager Egmont "Monti" Lüftner, ist gestorben.

(Foto: dpa)

Bis heute kommt wohl kein europäischer Sender ohne Filme und Serien aus, die in Kirchs einstigen Archiven liegen. Bis heute arbeiten in den Führungsetagen vieler deutscher Medienfirmen Manager, die in Kirchs Konzern großgeworden sind. Eine "Generation Kirch", bei der die Fäden der Medienbranche zusammenlaufen.

Der fränkische Winzersohn, geboren 1926, hatte ein beispielloses Unternehmerleben. Geprägt von einem rasanten Aufstieg, einem ebenso dramatischen Absturz - und in den späten Jahren von vergeblichen Comebackversuchen und dem kompromisslosen Kampf um seine Unternehmerehre. Seine Mission hat Leo Kirch nie aufgegeben.

In die Medien zog es den BWL- und Mathematik-Studenten von Anfang an. Mitte der fünfziger Jahre gründete er seine erste Filmfirma Sirius. Es folgten zahllose weitere. Betafilm, Taurusfilm, schließlich die Kirch Holding - aus wenigen hundert Filmlizenzen, die der Gründer Anfangs vermarktete, wurde über die Jahre die größte Rechtebibliothek Europas mit weit mehr als 10.000 Titeln und rund 40.000 Stunden Serien.

Als Kirch am 1. Januar 1984 gemeinsam mit großen deutschen Printverlagen den Privatsender Sat 1 startete, stahl er nicht nur dem Rivalen RTL die Show, der erst einen Tag später auf Sendung ging. Der Unternehmer stand im Mittelpunkt des "medienpolitischen Urknalls", dem von der Politik forcierten Aufbau eines privaten Fernsehangebots - als Gegengewicht zu den öffentlich-rechtlichen Anstalten.

In kurzer Folge wuchs das TV-Imperium: Pro Sieben, Kabel 1, der Spielsender Neun Live, der Nachrichtensender N 24, das DSF - fast alle diese Sender bestehen bis heute. Um sie herum schmiedete der Patriarch ein Unternehmensgeflecht, das alles verband: Produktion, Ausstrahlung, Vermarktung - das klassische Modell eines integrierten Medienkonzerns. Und bis heute das Gegengewicht zu Bertelsmanns RTL im deutschen Fernsehmarkt.

Kirch war stets ein einflussreicher Strippenzieher, der den öffentlichen Auftritt mied. Er pflegte enge Beziehungen in Wirtschft und Politik, zählte zu den Vertrauten von Franz Josef Strauß und Helmut Kohl - bei dessen zweiter Hochzeit 2008 er Treuzeuge war. Interviews gab er fast nie.

Medienunternehmer ist tot

Kirch, der Herr des Fernsehens