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Lebensmittel:Erst Wurst, nun Milch

Warenrückruf für ´Frische Fettarme Milch 1,5 Prozent Fett"

Milch ist gesund. Das gilt aber nicht, wenn sie mit Keimen belastet ist. Zwei Hersteller haben belastete Produkte nun zurückgerufen.

(Foto: Sebastian Gollnow/dpa)

Eine weitere Rückrufaktion verunsichert Verbraucher. Zwei Unternehmen melden Keime in Frischmilch. Mit dem Wursthersteller Wilke ist dieser Fall jedoch nicht vergleichbar.

Nach dem Skandal um keimbelastete Wurst hat am Freitag ein weiterer Fall Aufsehen erregt. Diesmal aber geht es um Milch. Wegen möglicher Durchfallerkrankungen nehmen das Deutsche Milchkontor (DMK) und der Hersteller Fude + Serrahn eines ihrer Produkte vom Markt. Der Rückruf betrifft den Artikel "Frische Fettarme Milch 1,5 % Fett" im Ein-Liter-Pack. Bei Routinekontrollen sei "bei einzelnen Artikeln" eine Belastung mit dem Bakterium "Aeromonas hydrophila/caviae" festgestellt worden, teilten beide Unternehmen mit. Dies könne "zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen wie Durchfall führen", hieß es. Ursache soll eine defekte Dichtung in einer Produktionsanlage einer Molkerei in Everswinkel (Kreis Warendorf) sein. Die belieferten Handelsunternehmen, darunter Metro, Aldi, Edeka, Rewe und Lidl hätten die Ware aus den Regalen entfernt. Eine Warnung wurde auch auf der Internetseite lebensmittelwarnung.de veröffentlicht.

Im Vergleich mit dem Wursthersteller Wilke, dessen Listerien belastete Produkte zu spät zurückgerufen wurden, haben die Milchhersteller rasch reagiert. Im besten Fall gelangt die keimbelastete Ware erst gar nicht zum Verbraucher. Lebensmittelhersteller versuchen so auch einen Imageschaden abzuwenden. DMK ist einer der größten Molkereibetriebe in Europa mit etwa 7700 Mitarbeitern und einem Umsatz von 5,6 Milliarden Euro.

Im Normalfall rufen Unternehmen beanstandete Waren selbst zurück, sobald sie Fehler bei internen Kontrollen entdecken. Nicht funktioniert hat das allerdings im Fall des Wurstherstellers Wilke. Eine Warnung wurde von Hersteller und Behörden erst Wochen nach dem Fund von Listerien veröffentlicht.

In den Wurstwaren der Firma Wilke waren wiederholt Listerien nachgewiesen worden

Unklar bleibt im Fall Wilke, wie viele Kunden durch den Genuss keimbelasteter Wurst erkrankt oder gar gestorben sind. Der Hersteller hat neben dem Handel auch Krankenhäuser und Kantinen beliefert. War bislang von zwei Toten und knapp 40 Erkrankten die Rede, so steht seit Freitag der Verdacht im Raum, dass ein dritter Todesfall mit dem Listeriose-Ausbruch in Verbindung gebracht werden könnte. "Seit gestern wissen wir von drei Todesfällen", sagte Hessens Verbraucherschutzministerin Priska Hinz (Grüne). Die Ministerin beruft sich dabei auf Informationen des Robert-Koch-Instituts (RKI). Wilke hat seinen Sitz in Hessen, für die Aufsicht sind die Landesbörden zuständig.

Doch die Lage bleibt unübersichtlich. Ob der dritte Fall eindeutig in Verbindung mit Wilke Wurst steht, sei schwer nachzuweisen, sagte eine RKI-Sprecherin. Bei den meisten Proben sei unklar, welcher Hersteller für die Keime verantwortlich sei. Feststellen lasse sich aber, ob Keime möglicherweise aus derselben Quelle stammen. Für die Identifikation dieser Quelle verwies das RKI auf das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), für das Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) zuständig ist. Aber auch dort gab es keine klare Bestätigung, dass ein dritter Todesfall in Nordrhein-Westfalen auf das Konto von Wilke geht. Klöckner erklärte, die Länder müssten bereit sein, "über stärkere Konzentration und Bündelung von Verantwortlichkeiten zu sprechen, um die Lebensmittelkontrolle zu optimieren". Sie verlange "schnelle Aufklärung, damit solche Fälle, die die Gesundheit unserer Bürger gefährden, sich nicht wiederholen". Der Landkreis Waldeck-Frankenberg, der für die Überwachung und die Schließung der Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH verantwortlich war, sprach bislang von zwei Opfern. In den Wurstwaren waren wiederholt Listerien nachgewiesen worden. Die Staatsanwaltschaft Kassel ermittelt wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung gegen den Ex-Geschäftsführer. Die Firma mit 200 Mitarbeitern ist in vorläufiger Insolvenz.