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Lebensmittel:Alles Käse: Hochland erhält Negativpreis

Die Käserei Hochland wirbt mit "Freilaufkühen". Konsumenten und Verbraucherschützer finden das irreführend.

Von Silvia Liebrich 

Bekommt man einen Preis oder eine Auszeichnung verliehen, ist das eine feine Sache. Meistens jedenfalls. Weniger erfreulich sind sogenannte Negativpreise wie die Goldene Himbeere. Die gibt es in der Filmindustrie für besonders schlechte schauspielerische Leistungen. Zu den Preisträgern zählen bekannte Größen wie die Hollywood-Stars Kevin Costner und Sharon Stone. Es kann also auch die Besten treffen. Die meisten tragen es mit Fassung, einige legen sogar echte Nehmerqualitäten an den Tag, wie Sandra Bullock, die ihre Auszeichnung sogar abholte. Nicht ganz so gelassen reagierte nun der Allgäuer Käseproduzenten Hochland, dem an diesem Dienstag der "Goldener Windbeutel 2020" verliehen wurde, quasi das Pendant zur Goldenen Himbeere in der Lebensmittelindustrie. Mit dem Preis kürt die Verbraucherorganisation Foodwatch alljährlich die "dreisteste Werbelüge". Die zweifelhafte Ehrung galt der Marke "Grünländerkäse". Hochland verspreche auf der Verpackung unter anderem "Milch von Freilaufkühen" und bewerbe das Produkt als "Käse mit der grünen Seele". Tatsächlich stünden die "Freilaufkühe" aber im Stall, moniert Foodwatch. Hochland gaukle seiner Kundschaft damit ein Weideidyll vor, das so gar nicht existiere. Am Firmensitz von Hochland im bayerischen Heimenkirch blitzten die Verbraucherschützer mit ihrem Preis erwartungsgemäß ab. Eine Firmensprecherin sagte auf Anfrage: "Wir halten die Kritik für nicht angemessen. Für unsere Marke verwenden wir ausschließlich Milch von Kühen, die sich jederzeit 365 Tage im Jahr frei im Stall bewegen können und nicht angebunden sind." Viele Konsumenten dürften diese Erklärung wohl nicht überzeugend finden. Insgesamt waren für den Windbeutel fünf Produkte nominiert, 65 000 Verbraucher stimmten Online ab, immerhin 43,5 Prozent entschieden sich für den "Grünländer".

© SZ vom 09.09.2020

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