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Lebensmittel:50 Cent für das Tierwohl

Greenpeace verlangt eine Abgabe auf jedes Kilogramm Fleisch - und höhere Steuern. Auch Milch soll teurer werden, verlangt die Organisation. Das soll dem Klima helfen. Pflanzliche Lebensmittel sollen dagegen billiger werden.

Kurz vor Beginn der Grünen Woche verlangt die Umweltorganisation Greenpeace höhere Preise auf Fleisch, um so dessen Konsum zu drosseln. So solle eine "Tierwohlabgabe" von bis zu 50 Cent je Kilo eingeführt werden, die sowohl auf heimisches als auch auf importiertes Fleisch erhoben werden soll - sofern es nicht aus Ökolandbau stammt. Die Milch soll ein Aufpreis von 1,5 Cent je Liter verteuern. Die Mehrwertsteuer - bislang gilt bei Fleisch und Milchprodukten der reduzierte Satz von sieben Prozent - solle auf den regulären Satz von 19 Prozent angehoben werden. "Steuern und Abgaben sollten klare Anreize bieten, den übermäßigen Konsum klima- und umweltschädlicher Lebensmittel zu beenden", sagte Greenpeace-Landwirtschaftsexperte Martin Hofstetter.

Fleisch, aber auch viele Milchprodukte, gelten als besonders klimaschädlich. Häufig werden die Tiere auch mit importiertem Soja gefüttert, für das andernorts Wälder gerodet wurden. Die anfallende Gülle wiederum belastet hierzulande das Grundwasser. Die ökologischen Folgen der Tierproduktion spiegelten sich aber in den Preisen nicht wieder, heißt es in einer Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft, die Greenpeace in Auftrag gegeben hatte. "Das Preisschild verschweigt die negativen externen Effekte, die vor allem bei der Produktion in der Umwelt entstehen."

Der Fleischkonsum in Deutschland ist in den letzten Jahren leicht zurückgegangen. Rein statistisch verzehrt jeder Bundesbürger aber immer noch gut 60 Kilogramm Fleisch im Jahr. Greenpeace rechnet mit Einnahmen von rund vier Milliarden Euro allein aus der Tierwohlabgabe. Daraus lasse sich der Abbau des Tierbestands ebenso unterstützen wie der Umstieg von Höfen auf artgerechte Haltungsformen. Analog zur höheren Mehrwertsteuer auf Fleisch könnten Steuern auf pflanzliche Lebensmittel sinken, schlägt die Umweltorganisation vor.

Der Deutsche Bauernverband bezeichnete die Vorschläge als "Effekthascherei". "Diese Abgaben- und Steuerdiskussion setzt am falschen Ende an", sagte Generalsekretär Bernhard Krüsken. "Das Geld muss nicht zum Fiskus, sondern dahin, wo Tierwohl entsteht: zum Landwirt." Erst am Wochenende hatte auch Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) gefordert, die Deutschen sollten bewusst besseres Fleisch kaufen. Das aber koste eben auch mehr.