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Karriere:Darf man im Lebenslauf schummeln?

DEUTSCHLAND BONN 10 02 2015 Feature Bewerbung MR N

Was in Bewerbungsmappen steht, muss stimmen - sollte aber schön formuliert sein.

(Foto: imago/wolterfoto)

Drei Fremdsprachen fließend, ausgezeichnete IT-Kenntnisse: Ein Drittel der Bewerber bessern den Lebenslauf auf. Doch nicht alles ist rechtlich unbedenklich. Worauf man achten sollte.

Von Marie Steffens

Mit einem Klick wird das Verteilen von Flyern zu Öffentlichkeitsarbeit und das Anlegen einer Excel-Tabelle zu sehr guten Kenntnissen in Microsoft-Office: So verschönern viele ihren Lebenslauf, stellen Tatsachen etwas positiver dar, als sie in der Realität sind. So auch die Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock. Vor Kurzem wurde bekannt, dass sie in ihrem Lebenslauf ungenaue Angaben gemacht hatte. "Viele wollen sich einfach so gut wie möglich darstellen, so auch Frau Baerbock", sagt Tim Hoesmann, Rechtsanwalt. Laut einer Studie verbessern ein Drittel der Bewerber ihren Lebenslauf. Fachliche Kompetenzen und Qualifikationen werden optimiert, bei Fremdsprachenkenntnissen und Hobbys übertrieben. Doch mit Verschönerungen im Lebenslauf sollte man aufpassen, denn nicht alle sind rechtlich unbedenklich. Was man beachten sollte.

1. Nah an der Wahrheit bleiben

Im Allgemeinen könne man laut Emine Yilmaz, Vizepräsident der Personalvermittlung Robert Half, zwischen zwei Arten von Lügen im Lebenslauf unterscheiden: harmlosen und strafbaren Lügen. Zu harmlosen Lügen gehört das Angeben von Fähigkeiten wie IT-Kenntnissen oder interkulturellen Kompetenzen, die gar nicht in diesem Umfang vorhanden sind. Auch das Verbessern von Sprachkenntnissen und Erwähnen von nicht existenten Hobbys wie Lesen oder Ins-Theater-Gehen, zählen dazu. Sie seien laut dem Rechtsanwalt Tim Hoesmann rechtlich nicht relevant, da sie schwierig zu widerlegen sind. "Kein Staatsanwalt hat Interesse daran, sie zu überprüfen", sagt er. Trotzdem sollte man bei ihnen nah an der Wahrheit bleiben. "Denn wenn man beispielsweise Extremsportarten als Hobby angibt und beim Vorstellungsgespräch auffällt, dass man nichts darüber weiß, macht das keinen guten Eindruck." Bewerber sollten Hobbys daher erst angeben, wenn sie diese mindestens einmal gemacht haben, empfiehlt Emine Yilmaz. Gleiches gelte auch für Sprachkenntnisse. Man könne seine Fähigkeiten zwar etwas verschönern, sollte aber nicht übertreiben. "Denn wenn man sich auf eine Stelle bewirbt, bei der man eine bestimmte Sprache beherrschen muss, ist es ungünstig, wenn man diese nicht kann."

2. Nur tatsächliche Qualifikationen angeben

"Die Lügen werden sowieso immer aufgedeckt", glaubt der Karrierecoach Christian Püttjer. Das gelte vor allem für angebliche Arbeitsstationen und erworbene Ausbildungen. "Arbeitgeber machen vorher Plausibilitätschecks, bei Führungskräften sogar eine kleine Recherche." Selbst wenn die Lüge erst nach mehreren Jahren im Job auffällt, ist sie immer noch ein Kündigungsgrund. Denn arbeitsrechtlich sei man unter falschen Angaben eingestellt worden. Daher sollte man laut dem Karrierecoach nur Erfahrungen in seinem Lebenslauf angeben, die man auch vertreten kann.

3. Keine geschützten Bezeichnungen verwenden

Der Rechtsanwalt Tim Hoesmann warnt jedoch davor, dabei geschützte Begriffe wie Privatdozent, Physiotherapeut oder Rechtsanwalt unberechtigt zu nutzen. Mit einer falschen Bezeichnung könne man sich strafbar machen. Es sei ein Titelmissbrauch, für den man eine hohe Geldstrafe kassieren könne. Auch das Fälschen von Dokumenten sei illegal. Das Einreichen von falschen Zeugnisse sei Urkundenfälschung und Betrug. Generell gilt: Sobald die berufliche Laufbahn unwahr wiedergegeben wird, ist die Lüge rechtlich relevant. Ansonsten bietet die Meinungsfreiheit aber einen großen Spielraum über die Auslegung der Tätigkeiten.

4. Die schönere Formulierung wählen

Man könne beispielsweise die beruflichen Stationen durch gute Formulierungen interessanter wirken lassen: Aus einem Seminar, das an der Universität gehalten wird, könnte ein Lehrauftrag werden. "Das ist rechtlich nicht falsch, da der Begriff Lehrauftrag nicht geschützt ist", sagt Hoesmann. Trotzdem müsse man mit der Formulierung aufpassen, denn sie könne ein falsches Bild vermitteln. Das könnte vor allem für Personen, die in der Öffentlichkeit stehen, Folgen haben. So wie für Annalena Baerbock. "Es ist juristisch nicht falsch, dass sie Völkerrechtlerin ist. Sie hat Public International Law studiert und Veranstaltungen in Völkerrecht besucht. In der Öffentlichkeit entsteht jedoch das Bild einer Lüge", sagt Hoesmann. Mit Formulierungen müsse man daher aufpassen. Auch bei englischen Bezeichnungen und Fachbegriffen sollte man laut Personalexpertin Yilmaz darauf achten, dass sie für Personaler verständlich sind. Am besten sei es, die Bezeichnungen zu verwenden, die in der Stellenanzeige genutzt werden. Dann wisse man, dass sie auch verstanden werden.

5. Lebenslauf als Visitenkarte

Ein wichtiger Tipp ist laut den Experten auch, den Lebenslauf genau an die ausgeschriebene Stelle anzupassen. Wichtige berufliche Stationen könnten dann betont werden, indem man sie detaillierter beschreibt oder mit optischen Elementen wie fetter Schrift sichtbarer macht. Eine eigene Note in den Lebenslauf zu bringen, sei zudem empfehlenswert, beispielsweise durch ein lebendigeres Foto oder besonderes Layout. "Zu viel Spielereien sind aber nicht unbedingt wünschenswert, es sei denn, man bewirbt sich auf einen kreativen Beruf", findet Yilmaz. Mit einem klaren Aufbau, korrekter Sprache und Grammatik könne man am meisten punkten. Am wichtigsten sei jedoch, dass der Lebenslauf die eigene Person abbildet. Damit das gewährleistet ist, sollte man auf Lügen am besten ganz verzichten.

© SZ
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