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Kreuzfahrten:Dreckige Schönheit

Ein Kreuzfahrtschiff unter einer Brücke in Marseille.

(Foto: Boris Horvat/AFP)

Erstmals muss sich eine Kreuzfahrt-Reederei wegen vorsätzlicher Umweltbelastung vor Gericht verantworten.

Ach, Marseille! Wunderhübsch ist diese Stadt, der Hafen ihr strahlender Mittelpunkt. Vor ein paar Monaten wurde es in der Küstenstadt allerdings plötzlich ungemütlich - und schuld daran war die Azura. Das Kreuzfahrtschiff hatte Treibstoff mit zu hohem Schwefelanteil an Bord und verpestete deshalb die Luft im Hafen in noch schlimmerem Maße, als es Schiffe ohnehin immer tun. Ein peinlicher Irrtum? Die französische Staatsanwaltschaft glaubt nicht, dass das ein Versehen war. Sie wirft dem Schiffskapitän und der US-amerikanischen Reederei Carnival, zu deren Flotte die Azura gehört, vor, sie hätten mit dem Manöver bewusst Geld sparen wollen und damit die Gesundheit der Menschen in Marseille gefährdet. 100 000 Euro Strafe sollen die Amerikaner deshalb bezahlen, fordert die Justiz - eine juristische Premiere. Noch nie zuvor hatten sich Kreuzfahrtreedereien wegen zu hohen Schadstoffausstoßes vor Gericht verantworten müssen. Fracht- und Passagierschiffe fahren in Hafennähe üblicherweise mit schadstoffärmeren Treibstoffen als auf hoher See. Dort fahren die meisten Kreuzfahrtschiffe mit Marinediesel, viele Frachter sogar mit Schweröl, oft ohne Abgasfilter. Pannen bei der Treibstoffwahl im Hafen passieren aber immer wieder: Vor einigen Jahren etwa wurden in Hamburg binnen Sekunden die Gerichte auf den Tellern in den Hafenrestaurants schwarz, weil ein Frachter aus Asien irrtümlich Schweröl nutzte.