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Kongo:Palmölfirma im Visier

Menschenrechtler üben scharfe Kritik am Betrieb einer Palmölfirma. Die ist zudem in einen Landkonflikt verwickelt. Eine Schlichtung soll helfen.

Scharfe Kritik der Organisation Human Rights Watch (HRW) hat die Entwicklungsbanken aufgeschreckt. Die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) sowie die Finanzinstitutionen Belgiens, Großbritanniens und der Niederlande haben mitgeteilt, dass sie die Palmölfirma "Plantations et Huileries du Congo" (PHC) anhalten wollen, auf Beschäftigte und die Bevölkerung zuzugehen. Die Banken haben in den vergangenen sechs Jahren insgesamt 100 Millionen Dollar in das defizitäre Unternehmen in der Demokratischen Republik Kongo investiert.

HRW wirft dem Agrarbetrieb vor, Tagelöhner über lange Zeit nicht fest anzustellen, sie beim Spritzen von Pestizid unaufgeklärt gesundheitlichen Gefahren auszusetzen und Bäche zu verschmutzen, aus denen die Bevölkerung Trinkwasser schöpft. Die Banken erklärten nun, PHC solle die unabhängige Mitarbeitervertretung stärken, transparente Arbeitsverträge und Lohnzettel aushändigen sowie mehr Arbeiter fest anstellen. Zudem sollten Arbeiter in Lokalsprache über den Umgang mit Pestizid aufgeklärt werden, Waschgelegenheiten erhalten, regelmäßig untersucht und über ihren Gesundheitszustand informiert werden. Außerdem solle PHC Vorschläge unterbreiten, wie das Abwasserproblem gelöst werden könne. HRW fordert indessen, das Unternehmen solle die konkreten Pläne zum Einhalten der Umwelt- und Sozialstandards offen legen, inklusive Zeitplan. Außerdem sollten die Löhne erhöht werden.

Die Palmölfirma ist zudem in einen Landkonflikt mit Teilen der Bevölkerung verwickelt. Seit einem Jahr läuft deshalb eine Schlichtung, die das Netzwerk kongolesischer Nichtregierungsorganisationen Riao bei der DEG beantragt hat. Immer wieder geraten Arbeiter und Dorfbewohner mit der Polizei und dem Management aneinander. Ein Wachmann von PHC und ein Aktivist von Riao wurden umgebracht, elf Aktivisten verhaftet. Riao wirft dem Unternehmen Einschüchterungsversuche vor. Auch würde die britische Entwicklungsbank die Schlichtung behindern, indem sie der Bevölkerung alternative Projekte anbiete. Ein Sprecher der Bank nannte dies: "völligen Blödsinn".

Das Schlichtungsteam will zunächst eine Mediation anstrengen. Es müsse geklärt werden, welche Probleme gelöst werden könnten und wer an den Verhandlungen teilnehme, sagt Schlichtungsleiter Michael Windfuhr.

© SZ vom 26.11.2019
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