Klima:Weltgrößter Emissionshandel in China gestartet

Klima: Kohlekraftwerk in der Stadt Hejin: Nach 2030 sollen Chinas Kohlendioxidemission sinken.

Kohlekraftwerk in der Stadt Hejin: Nach 2030 sollen Chinas Kohlendioxidemission sinken.

(Foto: Sam McNeil/AP)

In Shanghai werden seit Freitag Zertifikate von mehr als 2000 chinesischen Kraftwerken gehandelt. Bis 2060 strebt die Volksrepublik die Kohlendioxid-Neutralität an.

Von Christoph Giesen, Peking

Nach Jahren des Wartens hat im Kampf gegen den Klimawandel in China der CO2-Emissionshandel begonnen. Das Programm soll der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft dabei helfen, den Ausstoß von Schadstoffen zu reduzieren und die von Staats- und Parteichef Xi Jinping im vergangenen Jahr in einer Rede vor den Vereinten Nationen vorgegebenen Klimaziele zu erreichen. Das heißt: Für das Jahr 2030 wird der Höhepunkt der chinesischen Kohlendioxidemission angestrebt und spätestens 2060, so die ehrgeizige Vorgabe von Xi, darf in der Volksrepublik nicht mehr CO2 produziert werden als durch die natürliche Fotosynthese von Pflanzen abgebaut wird. Derzeit stößt China laut einer Studie der amerikanischen Denkfabrik Rhodium Group jährlich jedoch mehr Treibhausgase aus als alle entwickelten Länder zusammen.

Bereits 2013 hatten mehrere chinesische Städte und Provinzen in Pilotprojekten den Emissionshandel aufgenommen. Ende 2015 dann versprach Präsident Xi bei der Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens die Einrichtung einer Energiebörse.

Beim Handelsstart am Freitag in Shanghai kostete eine Tonne des Treibhausgases 48 Yuan (etwa 6,30 Euro) und verteuerte sich auf 51,23 Yuan. Am ersten Tag wurden so Zertifikate im Wert von 210 Millionen Yuan gehandelt. Im Vergleich zum europäischen Emissionshandel sind die chinesischen Einstiegspreise noch sehr moderat. Eine Tonne Kohlendioxid kostet in Europa im Schnitt fast 50 Euro.

In der ersten Phase des weltgrößten Emissionshandels sind mehr als 2000 chinesische Kraftwerke in das Programm eingebunden. Sie sind verantwortlich für vier Milliarden Tonnen Kohlendioxidausstoß pro Jahr. Das sind etwa 40 Prozent der gesamten Emissionen der Volksrepublik. Die Emissionsdaten aus dem Energiesektor sind im Vergleich zu anderen Industrien, die komplexere Produktionsprozesse haben, relativ einfach zu erfassen und zu verifizieren.

Mittelfristig will die Führung in Peking den Handel auf weitere emissionsintensive Industrien ausweiten, darunter den Ölsektor, die Chemie, die Papierherstellung, die Stahlproduktion oder die Luftfahrtbranche. Ein genauer Zeitplan ist noch nicht bekannt. Unklar ist ebenfalls, wann und ob Finanzinstitute oder Einzelanleger Zertifikate kaufen dürfen, institutionelle Investoren werden einbezogen, sobald der Handelsmechanismus ausgereift ist.

Das Prinzip funktioniert ähnlich wie in Europa: Mit CO2-Zertifikaten erwerben Unternehmen das Recht, Treibhausgase auszustoßen. So soll ein Anreiz geschaffen werden, Geld in klimafreundliche Modernisierungen der Anlagen zu stecken. Wie in der EU verteilt die chinesische Regierung eine gewisse Menge an Zertifikaten kostenlos an die Unternehmen. Wer weniger CO2 benötigt als zugeteilt, kann die überschüssigen Emissionsrechte veräußern, wer mehr emittiert, muss hingegen nachkaufen.

Allerdings gibt es auch Abstufungen: Während Energiekonzerne für ihre Kohlekraftwerke bei der Überschreitung der festgelegten Grenzwerte Zertifikate kaufen müssen, können die Betreiber von Gaskraftwerken Emissionsrechte verkaufen, müssen aber selbst keine Zertifikate erwerben, wenn sie mehr Kohlendioxid emittieren als ursprünglich zugeteilt. Damit soll die Gaskraft als Brückentechnologie in der Volksrepublik gefördert werden.

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