Kfz-Versicherung:Allianz legt Online-Anbieter zusammen

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Preiskampf in der Kfz-Versicherung - Allianz

Allianz-Schriftzug an einem Gebäude des Versicherungskonzerns. Der Wettbewerb in der Branche ist hart.

(Foto: Andreas Gebert/picture alliance/dpa)

Der Versicherer will mit seiner Tochter Allianz Direct kräftig wachsen. Dafür verändert Konzernchef Oliver Bäte jetzt die Struktur - und die Unternehmensspitze.

Von Herbert Fromme, Köln

Beim Werbebudget seines europäischen Online-Versicherers Allianz Direct ist der Münchner Versicherungskonzern nicht knauserig; er hat den jamaikanischen Sprinter Usain Bolt als Markenbotschafter angeheuert. Ein Jahr nach dem Marktauftritt nimmt auch Konzernchef Oliver Bäte Geschwindigkeit auf und baut das Unternehmen um.

Die Allianz muss handeln. Internet-Vergleichsportale wie Check24 wachsen. Dazu kommen erfolgreiche Online-Versicherer wie Generalis Cosmos Direkt und Newcomer wie der US-Anbieter Lemonade. Besonders stört die Münchner, dass sie 2011 die Marktführerschaft in der Kfz-Versicherung an die HUK-Coburg verloren haben, die schon seit 20 Jahren den Direktanbieter HUK-24 hat - während die Allianz wegen des Widerstands der Vertreter online nicht voran kam.

2018 hatte Bäte die Devise ausgegeben, einen globalen Direktversicherer zu schaffen. Die Kfz-Versicherung ist in den meisten Ländern weitgehend gleich. Da kann ein Konzern mit einer einzigen Software, einem Computerzentrum und einer Entwicklungsabteilung viel Geld sparen, so der Plan. Als Chef holte Bäte Bart Schlatmann, 51. Er war 22 Jahre bei der Bank ING und dort maßgeblich am Online-Aufbau beteiligt.

Seit 2019 ist die Allianz Direct auf dem Markt. Dafür kaufte die Konzernholding Allianz SE der Allianz Deutschland die Tochter Allsecur ab und benannte sie um. Aber der Plan, zumindest europaweit mit nur einer einzigen Gesellschaft anzutreten, stockte. Die Landesgesellschaften blieben separat. Die Allianz nannte "Bedenken der Aufsicht", es gab aber auch wohl Widerstand in den Landesgesellschaften. Schlatmann führte bisher einen "virtuellen Konzern".

Jetzt schafft die Gruppe Fakten. Die deutsche Allianz Direct wird im ersten Schritt der Online-Versicherer für drei weitere Länder: die Allianz Direct in den Niederlanden, Spanien und Italien. Damit einher geht auch ein Personalwechsel. Harald Boysen, 50, und Christian Warmuth, 49, zurzeit Vorstandsmitglieder der Allianz Direct Versicherungs-AG, geben diese Posten auf, bleiben aber im Unternehmen. Neuer Chef wird Schlatmann. Weiteres Mitglied des Zweiervorstands ist Philipp Hoffman, 36.

2019 kam die Allianz Direct, früher Allsecur, in Deutschland auf noch bescheidene 264 Millionen Euro Umsatz. Das deutet auf 600 000 bis 700 000 versicherte Fahrzeuge hin. Gerade hat sie hierzulande auch den Verkauf von Hausrat- und Privathaftpflichtpolicen aufgenommen, die anderen Länder sollen folgen. Die Vertreter haben schon lange nichts mehr dagegen.

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