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Kaum Preissteigerung:Inflation so niedrig wie seit 2010 nicht mehr

Energie ist im Juli billiger geworden, die Preise für Lebensmittel sind kaum gestiegen. Die Inflationsrate in Deutschland beträgt derzeit 0,8 Prozent. Sie ist damit so niedrig wie seit vier Jahren nicht mehr - und weit entfernt von den Vorstellungen der EZB.

  • Waren und Dienstleistungen haben im Juli im Schnitt nur 0,8 Prozent mehr gekostet als ein Jahr zuvor, die Inflationsrate liegt damit so niedrig wie seit Anfang 2010 nicht mehr.
  • Besonders Energiekosten sind gesunken, Nahrungsmittel wurden kaum teurer.

Preise steigen kaum

Die Inflation in Deutschland ist im Juli auf 0,8 Prozent gesunken. Damit befindet sie sich auf einem so niedrigen Stand wie seit Februar 2010 nicht mehr, wie vorläufige Berechnungen des Statistischen Bundesamtes zeigen. Vor vier Jahren lag die Inflationsrate bei 0,5 Prozent. Im Juni 2014 betrug sie noch ein Prozent. Besonders dämpfend wirkten sich im Juli Energiekosten aus, sie sanken um 1,5 Prozent. Nahrungsmittel wurden nur um 0,1 Prozent teuer. Preise für Dienstleistungen hingegen stiegen um 1,5 Prozent, darunter Wohnungsmieten um 1,4 Prozent.

EZB peilt Inflation von zwei Prozent an

Die Preissteigerungen fallen damit insgesamt weit niedriger aus, als der Europäischen Zentralbank (EZB) lieb sein kann. Sie peilt eine Inflationsrate von knapp zwei Prozent an, um einen genügend großen Abstand zu fallenden Preisen zu haben. Sinken diese massiv, spricht man von einer Deflation. Eine solche Entwicklung gilt als Gift für die Konjunktur, da Verbraucher auf weiter sinkende Preise spekulieren und mit neuen Anschaffungen warten. Unternehmen denken ähnlich und halten sich mit Investitionen zurück. Das Wirtschaftswachstum könnte so immer weiter schrumpfen, befürchten Experten.

Forderung nach höheren Löhnen

In Zeiten hoher Inflation können hohe Löhne die Preise noch weiter treiben - i n Zeiten niedriger Inflation hingegen müssten Arbeitnehmer mehr Geld erhalten, fordern Bundesbank und EZB. Bundesbank-Chef Jens Weidmann nannte in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung einen Richtwert von drei Prozent. Dieser Wert ergebe sich "überschlagsmäßig aus mittelfristig knapp zwei Prozent Preisanstieg und ein Prozent trendmäßigem Produktivitätswachstum".