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Kaufhof:Täglich am Telefon

Die Banken beraten über das weitere Vorgehen bei Kaufhof - noch sind sie sich uneinig. Es geht vor allem um die Klauseln im Kreditvertrag.

Von Michael Kläsgen

Die Krise bei Kaufhof schwelt weiter. Der Krisengipfel zwischen den Immobilienfinanzierern und der Kaufhof-Konzernmutter Hudson's Bay Company (HBC) endete Anfang August zunächst er-gebnislos. Nun berät das Konsortium, das den Kauf der Kaufhof-Immobilien vor knapp zwei Jahren mit 1,34 Milliarden Euro finanzierte, fast täglich in Telefonkonferenzen separat ohne HBC über das weitere Vorgehen. Das Konsortium unter der Führung der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), zu dem die Landesbanken Helaba und HSH sowie die Ergo-Versicherung gehören, soll sich nach SZ-Informationen nicht einig sein, wie hart einzelne Klauseln im Kreditvertrag ausgelegt werden sollen.

HBC beteuerte wiederholt, keine Probleme mit den Banken zu haben

Eine der entscheidenden Klauseln, zu denen sich HBC verpflichtet hat, sieht vor, dass Kaufhof, die Mieterin der gekauften Immobilien, Gewinne macht. Tatsächlich häufte der Kölner Warenhauskonzern aber in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres Verluste von etwa 50 Millionen Euro an. HBC beteuerte wiederholt, keine Probleme mit den Banken zu haben. Der nordamerikanische Einzelhandelskonzern erklärte die Verluste mit Umbauarbeiten in einzelnen Kaufhof-Filialen und außergewöhnlichen Ereignissen wie dem Terroranschlag in Berlin im vergangenen Dezember.

Die Folge seien sinkende Umsätze und Gewinne. HBC betonte zudem, viel Geld in Deutschland und in Kaufhof zu investieren, so wie dies bei der Übernahme von Galeria Kaufhof vor knapp zwei Jahren versprochen wurde. Dazu werde ein Teil der erhöhten Mietereinnahmen verwendet. HBC hatte die Mieterin Kaufhof bei der Übernahme zu höheren Mietzahlungen verpflichtet. Dadurch hatte HBC den Wert der Immobilien gesteigert und einen höheren Kredit erhalten.

Dem Vernehmen nach soll es vor allem die Ergo-Versicherung sein, die den Darstellungen von HBC misstraut. Der Krisengipfel habe keine Lösung gebracht; wichtige Zusagen im Kreditvertrag seien gebrochen worden, heißt es. Der Bestand der Immobilienfinanzierung und des gesamten Kreditvertrags könnten damit infrage stehen. Die Landesbanken sollen versuchen, gesichtswahrend mit dem Problem umzugehen. Wie es heißt, sollen sie ins Spiel bringen, die Zinsen deutlich zu erhöhen, die Mietkonten zu pfänden und damit HBC den Zugriff auf die Mieterlöse von etwa 144 Millionen Euro pro Jahr zu verweigern. Weder die LBBW noch die Ergo-Versicherung wollten das Thema kommentieren.

Landesbanken und Ergo-Versicherung besprechen sich laufend

Theoretisch könnten die Verträge offenbar aus Sicht der Landesbanken unter den neuen Bedingungen noch einmal quasi unter Vorbehalt um ein Jahr verlängert werden. Dazu wäre aber die Einigkeit unter den Konsorten erforderlich, die gegenwärtig noch nicht vorhanden sein soll. Landesbanken und Ergo-Versicherung besprechen sich laufend. Die Verhandlungen werden in dieser Woche fortgesetzt. Sie dauern eventuell noch länger.

Die wesentliche Ursache für das Misstrauen des Konsortiums gegenüber der Hudson's Bay Company war die Entscheidung des Kreditversicherers Euler Hermes von Mitte Juli, die Kreditgarantien für Lieferanten des Kaufhof um 80 Prozent zu kürzen.

© SZ vom 17.08.2017
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