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Karstadt:Sanierung und kein Ende

Karstadt-Filiale in Recklinghausen

Der Sparplan trifft auch mehrere Filialen - wie die in Recklinghausen. Sie wird 2016 geschlossen.

(Foto: Marcel Kusch/dpa)

Um Kosten zu senken, streicht Karstadt sein Angebot im Internet zusammen und überprüft Logistik-Standorte.

Von Kirsten Bialdiga, Düsseldorf

Nach dem verlorenen Bieterkampf um den Kaufhof war es in Deutschland ruhig geworden um Karstadt-Eigentümer René Benko. Vergangene Woche aber, da stattete der österreichische Immobilieninvestor zusammen mit Konzernchef Stephan Fanderl der Karstadt-Filiale in Münster einen Besuch ab. Wohl nicht zufällig - das dortige Karstadt-Haus ist eine Vorzeigefiliale der kriselnden Kaufhauskette.

Die ideale Umgebung also für Erfolgsmeldungen: "Die Sanierung läuft sehr schnell und mit ambitionierten Zielen ab. Wir sind dabei sehr gut im Zeitplan", sagte Fanderl in Münster denn auch dem Unternehmen zufolge. Wichtige Teilprojekte wie die Einführung eines neuen Kundenleitsystems oder neue Kassenprozesse seien in den Pilotfilialen nahezu abgeschlossen und könnten nun konzernweit eingeführt werden.

Hinter den Kulissen aber wendet sich Fanderl längst neuen Themen zu. Die gesamte Logistikkette werde zurzeit überprüft, heißt es in einer internen Karstadt-Mitteilung, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Dabei würden alle Logistik-Standorte bewertet, von denen aus die Karstadt-Filialen beliefert werden, zum Beispiel in Unna und in Essen-Vogelheim. Es sei nicht auszuschließen, dass Standorte abgegeben werden müssten oder dass es zu Umzügen komme, um die Kosten zu senken.

An den Logistik-Standorten Unna und Essen-Vogelheim sind laut Insidern 800 bis 1000 Menschen beschäftigt - je nach Saison. Sie sind allerdings nicht bei Karstadt angestellt, sondern sie arbeiten für DHL, die Logistiktochter der Deutschen Post, die diese Lager für Karstadt betreibt. Sollte ein Standort geschlossen werden, bliebe den Beschäftigten die Hoffnung, dass die Post ihnen einen Arbeitsplatz an einem anderen Standort bietet. Die Post wollte sich zu dem Thema nicht äußern.

Karstadt-Chef Fanderl hat sich derweil noch ein weiteres Projekt vorgeknöpft, um die Verluste der Kaufhauskette einzudämmen: den Onlinehandel. Anders als die meisten Konkurrenten fährt der Essener Konzern sein Angebot im Internet fürs Erste zurück: "Wir wollen online Geld verdienen. Der weit überwiegende Teil der Online-Händler tut das nicht - leider geht dieser wirtschaftlich entscheidende Sachverhalt im derzeitigen Online-Hype unter", teilte Klaus Haensch, E-Commerce-Chef bei Karstadt, auf Anfrage mit.

Mit Kinderbekleidung, Büchern oder Spielwaren kann Karstadt im Internet kaum Geld verdienen

Zu den Artikeln, die Karstadt im Internet profitabel verkaufen kann, zählt Haensch Matratzen, Heimtextilien, Waschmaschinen und andere Haushaltsgeräte. Aber auch Gesundheitsprodukte, die zwischen Wellness und Sanitätshaus angesiedelt seien. Mit Spielwaren, Kinderbekleidung oder Büchern hingegen lassen sich dem Manager zufolge auf karstadt.de kaum Gewinne erzielen. "Wir konzentrieren uns jetzt im ersten Schritt auf die Warenbereiche, die wir mit unseren vorhandenen Systemen sehr gut anbieten können, um das Kundenvertrauen zu rechtfertigen und wollen nicht überall mit durchschnittlicher Leistung alles mitbesetzen", erläuterte Haensch.

Mit der neuen Strategie widersetzt sich Karstadt dem allgemeinen Branchentrend. Die meisten Konkurrenten bauen ihr Angebot im Internet trotz Verlusten aus, um sich in diesem Zukunftsmarkt entscheidende Marktanteile zu sichern. Laut Einzelhandelsverband HDE wird in der Branche abgesehen von Lebensmitteln schon heute jeder fünfte Umsatz-Euro im Internet erwirtschaftet.

Auch der neue Eigentümer des Karstadt-Konkurrenten Kaufhof, die kanadische Hudson's Bay-Gruppe, hatte angekündigt, in den Internethandel zu investieren, um auf allen Verkaufskanälen präsent zu sein. Um diese Pläne umzusetzen, will Hudson's Bay nach eigenem Bekunden die Kaufhof-Filialen künftig besser miteinander und mit der Zentrale vernetzen, damit Kunden überall auch online shoppen können.

Karstadt hingegen steckt noch mitten in der Sanierung, vier Filialen werden in Kürze schließen. Und es ist vor allem den daraus resultierenden Einsparungen zu verdanken, wenn der Konzern wie geplant im nächsten Geschäftsjahr wieder Gewinne schreibt.

© SZ vom 08.09.2015

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