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Interview:"Wir verkaufen in einem unglaublichen Tempo."

Dieter Döpfer gehört zu den Pionieren der Synthesizer-Szene und hat auch mit der Band Kraftwerk zusammengearbeitet.

(Foto: OH)

Der Münchner Dieter Döpfer baut seit fast 40 Jahren Synthesizer - und wundert sich über den jüngsten Boom.

Dieter Döpfer ist so etwas wie ein Pionier der internationalen Synthesizer-Szene. Bereits 1978 reüssierte der Münchner Diplom-Physiker mit einem eigenen Modul für den "Formant", einen Synthesizer zum Selberbauen der Elektronikzeitung Elektor. Danach folgten komplette Eigenentwicklungen, die Musikszene wurde auf den Tüftler aufmerksam. Seine Firma "Doepfer Elektronik" existiert in ihrer jetzigen Form seit Anfang der 1990er-Jahre. Verkaufsschlager ist das A-100-Modulsynthesizer-System. Wer Dieter Döpfers Kreationen ausprobieren möchte, kann das nur im Musikalienhandel tun. Einen eigenen Laden betreibt die Firma nicht, sie hat lediglich vier Mitarbeiter.

SZ: Herr Döpfer, wie läuft das Geschäft?

Dieter Döpfer: Hier ist gerade die Hölle los. Es fehlen Leute, und der Chef muss wieder alles selber machen. Sogar den Mülleimer raustragen.

Es läuft also gut?

Das kann man sagen. Ich habe manchmal den Eindruck, es gibt momentan nichts Wichtigeres als analoge Synthesizer. Wir verkaufen in einem Tempo, das ist unglaublich.

Können Sie das beziffern?

Wir hatten eigentlich immer einen stetigen Anstieg zu verzeichnen, etwa fünf bis zehn Prozent pro Jahr. Im vorigen Jahr ging es exponentiell nach oben. Genaue Zahlen kann ich noch gar nicht nennen.

Wie erklären Sie sich das? Ist der Modulsynthesizer das neue Lifestyle-Produkt für Musiker?

Ich glaube schon. Wir haben vor zwei Jahren den Dark Energy herausgebracht, einen kleinen, sehr handlichen Synthesizer. In der Entwicklungsphase hat mich meine Freundin ermahnt, doch etwas mehr auf die Optik zu achten. Also haben wir ihm ein schickes, schwarzes Gehäuse und Seitenteile aus Holz spendiert. Auf der Messe wurde ich dann ständig angesprochen, wie süß der aussieht, während ich mich abgemüht habe zu erklären, wie er technisch aufgebaut ist. Ein bisschen frustrierend für einen Physiker.

Ein Synthesizer als Hingucker?

So sieht es aus. Wir haben kürzlich auch ein Filtermodul, das wir schon länger verkaufen, in einer neuen Optik herausgebracht. Es ist jetzt schwarz und hat gelbe Knöpfe, vorher war es grau in grau. Die Erstauflage war dann innerhalb von 24 Stunden ausverkauft. Das hatten wir noch nie.

Sie sind bekennender "Kraftwerk"-Fan. Es heißt, einige Produkte seien in direkter Zusammenarbeit mit den deutschen Elektronik-Pionieren der 1970er-Jahre entstanden.

Ja, das stimmt. Unseren MIDI/Analogsequenzer MAQ16/3 haben wir zum Beispiel speziell für Band-Mitgründer Florian Schneider gebaut und dann ins normale Lieferprogramm übernommen. Auch wenn Florian mittlerweile nicht mehr bei Kraftwerk ist, der Kontakt zur Band besteht nach wie vor, und gelegentlich entwickeln wir Sonderlösungen, zum Beispiel eine spezielle Robotersteuerung für die Live-Konzerte.

Es gibt ein Foto von Ihnen mit Hans Zimmer, dem berühmten Komponisten von Hollywood-Filmmusik. Nutzt der auch Ihre Synthesizer?

Ja, das Verhältnis zu Hans Zimmer ist sehr entspannt. Aber ganz ehrlich: Zimmer kauft ohnehin fast alles, was es auf dem Markt gibt. Und so findet man in seiner Kompositionsfabrik in Santa Monica auch den einen oder anderen Synthesizer von uns. Für den Hollywood-Film "Gladiator" haben wir einen sehr speziellen Klangverbieger nur für Zimmer gebaut. So ein Gerät gab's nicht einfach im Laden.

Werden Sie gelegentlich von Kunden überrascht?

Oh ja, kürzlich war ich völlig verblüfft, dass die Musikband La Brass Banda eines unserer Modulsysteme gekauft hat. Obwohl die ja überwiegend mit Blechblasinstrumenten unterwegs sind, wollen sie jetzt auch mit einem Synthesizer auf Tour gehen. Verrückt!

Bei all dem Erfolg: Haben Sie je erwogen, Ihre Firma zu vergrößern?

Nein, das war nie eine Option für mich. Dafür habe ich schon viel zu viele Firmen den Bach runtergehen sehen.

© SZ vom 12.08.2015
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