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Interview:"Unser Geschäft fällt in sich zusammen"

Dirk Iserlohe

Dirk Iserlohe ist zuversichtlich: "Mit Solidarität und der richtigen Hilfe der Politik können wir die Krise überwinden".

(Foto: oh)

Hotel-Manager Dirk Iserlohe beschreibt die prekäre Lage der Dorint-Kette.

Dirk Iserlohe ist Chef von Honestis, dem Mutterkonzern der Kette Dorint mit 63 Hotels in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Am Telefon erklärt der 55-Jährige, wie er die Hotels mit etwa 4500 Beschäftigten durch die Krise führen will.

SZ: Herr Iserlohe, wie stark treffen die Folgen des Corona-Virus Dorint?

Dirk Iserlohe: Sehr massiv. Wir haben bereits acht Dorint-Hotels geschlossen. Es begann in Salzburg, auf Sylt und Rügen, danach auf Usedom und Wustrow wegen der jeweiligen Einreiseverbote der Länder. Nun kommt eine Schließungsverfügung des Hotels in Weimar auf uns zu. Ich rechne noch mit einer weiteren Steigerung der Eskalationskette - durch Ausgehverbote und weitere Hotelschließungen bundesweit.

Was passiert mit den Beschäftigten?

Wir sind bereits im Antragsprozess für die Kurzarbeit. Der Gesamtbetriebsrat hat solidarisch, konstruktiv und rasch mitgewirkt. Es wird also den größten Teil unserer Belegschaft bezüglich der Kurzarbeit treffen. Doch wir werden niemanden entlassen müssen.

Seit wann spüren Sie die Folgen?

Es begann mit der Absage der Internationalen Tourismus-Börse in Berlin Anfang März. Seitdem folgen immer mehr solcher Empfehlungen und Verbote. In der Folge haben viele Firmen auch künftige Reservierungen storniert. Unser Geschäft fällt in sich zusammen. Wir haben schon bis zum Jahresende massive Stornierungen auch von privaten Reisenden erhalten.

Ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr müssen Sie also verwerfen.

Wenn wir jetzt noch von Wachstum reden wollten, wäre das mehr als naiv. Wenn das so weitergeht, verlieren wir pro Monat achtstellige Beträge an Umsatz. Man muss konstatieren, dass dieses Jahr für die Tourismusbranche vorbei sein wird.

Dorint wird wieder Verlust einfahren?

Ja, leider, sicherlich. Wir versuchen gegenzusteuern, zum Beispiel mit Kurzarbeit, stark reduziertem Wareneinkauf sowie Pachtreduzierungen. Wie bereits von mir am Samstag über die Verbände IHA und Dehoga gefordert, reagierte das Bundesjustizministerium am Montag mit einem Erlass, die Insolvenzantragspflicht für Unternehmen mit Belastungen aus der Corona-Krise bis 30. September aufzuheben. Besteht für Dorint denn Insolvenzgefahr? Wenn wir ein ganzes Jahr schließen müssten, kann ich das zwar nicht ausschließen. Zum Glück haben wir im vergangenen Jahr zusätzliches Eigenkapital von zehn Millionen Euro aufgenommen, so dass wir ein Eigenkapital von 77 Millionen Euro in der Bilanz haben und somit nicht überschuldet sein werden. Wir werden aber mit Verpächtern unserer Hotels über den Verzicht von Pachtzahlungen reden müssen und dabei vielleicht einzelne Stillstände nutzen, um zu renovieren.

Bieten Sie Betten als Krankenbetten an?

Die Entscheidung obliegt letztlich den Gesundheitsbehörden. Grundsätzlich stehen wir dafür zur Verfügung. Zum Beispiel ist Dorint in Hamburg baulich an das Universitätsklinikum Eppendorf angebunden. Da haben wir schon ein entsprechendes Angebot ausgesprochen, es laufen aber noch keine Gespräche.

Darüber hinaus bieten wir neuerdings an, dass Menschen unsere Hotelzimmer zu ihrem Home-Office machen können, mit Schreibtisch und Wlan.

Sie sind krisenerprobt. Wie fühlt sich die Lage im Vergleich zur Finanzkrise an?

Es gibt zum Glück einen Unterschied: Diese Krise ist von außen gekommen, nicht wegen Fehlern von innen. Bis Ende Februar liefen unsere Geschäfte über Plan. Wir hatten die Aussicht auf einen steigenden Gewinn in diesem Jahr. Deshalb glaube ich: Mit Solidarität und der richtigen Hilfe der Politik können wir die Krise überwinden.

Wie kann der Staat den Hotels helfen?

Über Kredite allein werden sich Hotelbetriebe in dieser Situation nicht finanzieren können. Ich glaube, unsere Branche wird auch überproportional viele verlorene Zuschüsse brauchen, weil wir unsere fehlenden Umsätze nicht nachholen können. Kredite muss man zurückzahlen. Doch mit welchen zusätzlichen Gewinnen sollen wir in Zukunft diese Kredite über welche Laufzeit tilgen? Das ist kein Konzept. Viele Hotelbetriebe werden das über Kredit nicht schaffen!

Wird es Staatshilfe für Dorint geben?

Stand jetzt bekommen wir Kredite der staatlichen KfW nur, wenn sich auch die Hausbank zu 20 Prozent beteiligt. Doch die Banken unterliegen der Regulierung. Ich fürchte, dass viele Banken nicht schnell genug ihre Kreditvergabe ausweiten können. Eine Lösung wäre, dass der Staat Kredite ohne Beteiligungspflicht der Hausbanken vergibt; oder sagen wir 99 Prozent, und für ein Prozent bleibt die Bank in der Pflicht. Das wäre trotz Regulierung machbar. Alles andere wird scheitern. Der Schutzschirm bliebe geschlossen.

© SZ vom 20.03.2020

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