Interview mit Aufräumerin Iris Amini:Steuererklärung? Zehn Minuten!

Arbeitsagenturen schaffen Papierakten ab

Symbolbild eines Aktenberges - Mit dem Papierkram anderer Leute verdient Iris Amini ihr Geld.

(Foto: picture alliance / dpa)

Iris Amini räumt den Papierkram anderer Leute auf, das ist ihr Job. An ihre Grenzen stößt sie dabei selten - nicht einmal bei 120 Kilogramm Papier.

Von Guido Bohsem und Angelika Slavik

Papierkram ist die Geißel des modernen Menschen: Da sind die Belege für die Steuererklärung, die gesammelt und sortiert werden wollen, außerdem Rechnungen, Unterlagen für die Krankenkasse, Garantien, Kontoauszüge, Versicherungspolicen.

Die Wenigsten kümmern sich gern um diese Dinge. Und dann sind da noch Menschen wie Iris Amini. "Ich liebe Ordnung", sagt sie. Mit ihrer Firma Family Office hat sie das Chaos anderer Leute zu ihrem Beruf gemacht. Sie verdient ihr Geld damit, zu Leuten nach Hause oder ins Büro zu kommen und ihren Papierkram zu bewältigen: Sie öffnet die Post, zahlt Rechnungen, sortiert Unterlagen und entsorgt das Altpapier.

Das Chaos, das die vorfindet, kann dabei unterschiedliche Dimensionen annehmen: Aus einem Arztbüro etwa habe sie mal 120 Kilo überflüssiges Papier entsorgt, erzählt Amini im Interview. Dass sie eine Tätigkeit, die bei anderen so unbeliebt ist, zu ihrem Beruf gemacht hat, habe sich früh abgezeichnet. Schließlich sei sie ob ihrer Begeisterung für Ordnung schon in Kindertagen geneckt worden: "Ich habe alle meine Kleider nach Farben sortiert."

Unter Aminis Kunden sind Ärzte, Professoren, Unternehmer, Pensionäre und auch Journalisten. Über die Jahre hat sie verschiedene Gründe für deren Sortier-Abneigung identifiziert. Ärzte beispielsweise bekämen einfach zu viele Fachzeitschriften, Studien und Vorträge zugeschickt. Das sei neben dem eigentlichen Job kaum zu bewältigen. Den meisten anderen ist die Organisation aber, um ehrlich zu sein, schlicht und einfach zu mühsam und zu nervig, weiß Amini. Sie nutzen ihre Zeit einfach lieber für andere Dinge. Und auch Platzmangel ist meist nur ein vorgeschobener Grund, sagt sie. "Viele Menschen besitzen einfach zu viel, sie sammeln, und dieser Besitz überwältigt sie dann."

Doch auch privat hat Aminis Sinn für Ordnung - den sie selbst nicht als Ordnungsfimmel bezeichnet wissen will - deutliche Vorteile. Wie lange sie für ihre Steuererklärung braucht? "Zehn Minuten, schätze ich. Ein bisschen weniger vielleicht." Wie sie das macht, ob reiche Menschen schlampiger sind als arme und ob Ordnung und Erfolg zusammenhängen, erzählt Iris Amini im SZ-Interview.

© SZ.de/vit
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