Immobilien:Erst Evergrande, jetzt Fantasia

Immobilien: Nicht nur Evergrande hat Zahlungsfristen für Anleihezinsen gerissen, auch der kleinere Rivale Fantasia ließ jetzt eine Frist dafür verstreichen.

Nicht nur Evergrande hat Zahlungsfristen für Anleihezinsen gerissen, auch der kleinere Rivale Fantasia ließ jetzt eine Frist dafür verstreichen.

(Foto: AP)

Wieder hat ein Baukonzern Probleme, Anleihezinsen zu zahlen.

Von Christoph Giesen, Peking

Die Krise der chinesischen Immobilienunternehmen weitet sich aus. Nachdem der schuldenbeladene Konzern Evergrande Zahlungsfristen für Anleihezinsen gerissen hat und die Aktie Anfang der Woche vom Handel in Hongkong ausgesetzt wurde, ließ auch der kleinere Rivale Fantasia, der ebenfalls in der ehemaligen britischen Kronkolonie gelistet ist, eine Frist für Zinszahlungen verstreichen. Zudem stuften Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit des Immobilienentwicklers Sinic zurück und warnten vor Zahlungsausfällen. Die Kurse von etlichen Immobilienunternehmen gaben am Mittwoch in Hongkong nach, auch Anleihen wurden abgestoßen.

Fantasia zahlte am Montag fällige Anleihezinsen in Höhe von 206 Millionen Dollar nicht aus, wie das Unternehmen in einer Pflichtmitteilung erklärte. Zudem konnte eine Fantasia-Tochter einen Kredit über 108 Millionen Dollar an den Immobilienmanager Country Garden Services nicht bedienen. Fitch senkte daraufhin das Rating von Fantasia um mehrere Stufen. Das Rating des Wettbewerbers Sinic wurde von Fitch und S&P Global nach unten gestuft. Sinic befinde sich in einer ernsten Liquiditätskrise und die Fähigkeit zur Schuldenbedienung sei fast erschöpft, begründeten die Experten von S&P ihre Rating-Senkung. Mitte Oktober werden bei Sinic Anleihezinsen über 246 Millionen Dollar fällig.

Die Immobilienfirmen Sinic und Fantasia sind zwar deutlich kleiner als Evergrande, ihre Probleme befeuern aber die Sorgen von Anlegern, dass die Blase am chinesischen Immobilienmarkt vor dem Platzen steht und andere Branchen erfasst. "Es ist ein Teufelskreis für die Immobilienentwickler, die nicht stark genug sind, denn es gibt nicht genügend Liquidität auf dem Markt für alle", warnt etwa Thomas Kwok, Leiter des Aktiengeschäfts beim Brokerhaus Chief Securities.

Viele Immobilienfirmen in China bekommen derzeit keine Kredite mehr zur Refinanzierung, und die Möglichkeit, Kapital durch Immobilienverkäufe zu generieren, ist zuletzt deutlich gesunken. Viele Investoren gehen inzwischen davon aus, dass die Führung in Peking zwar chinesische Käufer stützen wird, die Geld an Evergrande für den Bau einer Wohnung vorab bezahlt haben, institutionelle Anleger, die Bonds gezeichnet haben, könnten hingegen leer ausgehen.

Evergrande ist der zweitgrößte chinesische Immobilienentwickler und hat Schulden von mehr als 300 Milliarden Dollar. Mit fünf Milliarden Dollar könnte das Unternehmen theoretisch in den kommenden sechs Monaten seinen Verpflichtungen gegenüber Gläubigern nachkommen. Bis Ende 2021 werden rund 500 Millionen Dollar Zinsen für Anleihen fällig. Im März steht zudem die Rückzahlung für eine zwei Milliarden Dollar schwere Anleihe an.

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