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Ifo-Geschäftsklimaindex:Stimmung in der deutschen Wirtschaft kühlt weiter ab

Erst Verunsicherung wegen Griechenland, jetzt die Sorge um Spanien: Die europäische Schuldenkrise schlägt auf die Stimmung in der deutschen Wirtschaft durch. Der Ifo-Geschäftsklimaindex hat sich im Juni weiter verschlechtert. Zum zweiten Mal in Folge.

Die verschärfte Schuldenkrise setzt der Stimmung in der deutschen Wirtschaft immer stärker zu. Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel im Juni auf 105,3 Punkte von 106,9 Zählern im Mai, wie das Münchner Ifo-Institut am Freitag mitteilte. Damit sank das an den Märkten stark beachtete Barometer den zweiten Monat in Folge. Es ist zugleich der niedrigste Wert seit März 2010. Experten hatten mit einem geringeren Rückgang gerechnet. "Die deutsche Wirtschaft befürchtet zunehmende Beeinträchtigungen durch die Eurokrise", sagte der Präsident des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn.

Die 7000 befragten Manager schätzten auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate schlechter ein als zuletzt. Das Barometer fiel auf 97,3 Zähler von 100,8 Punkten. Experten hatten hier einen Rückgang auf 99,8 Zähler vorausgesagt. Die Geschäftslage wurde indes besser beurteilt. Dieser Index stieg auf 113,9 Punkte von 113,2 Zählern. Hier waren 112,3 Punkte erwartet worden.

Die Sorgen um einen Euro-Austritt Griechenlands hatten sich nach dem Sieg des Reformlagers zuletzt zwar gelegt. Die eskalierende Schuldenkrise um Spanien und Italien macht jedoch zunehmend auch deutschen Firmen zu schaffen: Die Privatwirtschaft ist hierzulande im Juni so stark geschrumpft wie während der weltweiten Finanzkrise vor drei Jahren nicht mehr, wie aus dem Markit-Einkaufsmanagerindex hervorgeht.

Der Dax reagierte auf die schlechten Zahlen und baute nach Veröffentlichung der Daten seine Anfangsverluste aus. Um kurz nach zehn Uhr lag der Leitindex mit 1,3 Prozent im Minus bei 6261 Punkten. Im Vormonat war der Ifo-Index bereits um drei Punkte gefallen, nachdem er zuvor sechs Monate in Folge gestiegen war.

Auch der Konjunkturindikator des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) war diese Woche zurückgegangen. Er fiel im Vergleich zum Vormonat deutlich um 27,7 Punkte auf minus 16,9 Punkte. Die nach wie vor instabile Lage im Euro-Raum verunsichert Finanzmarktanalysten und Anleger.

© Süddeutsche.de/Reuters/dpa/infu/luk
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