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IAA:Die Milliarden-Wette

Wenn IT-Firmen den Autoherstellern beim Vernetzen ihrer Autos zur Hand gehen, hilft das beim Verkaufen der Fahrzeuge. Google & Co. nutzen ihre Chance.

Wenn der Ford-Europachef mit dem Fahrrad auf die Bühne kommt und lange erklärt, warum einer der größten Autokonzerne der Welt jetzt auch Fahrräder in Köln und Düsseldorf vermietet, dann ist das schon ein schweres Indiz dafür, dass in dieser Industrie einiges anders läuft als sonst. Denn normalerweise fahren Menschen wie Steven Armstrong ja zur Frankfurter IAA, um Autos vorzustellen und nicht, um zu radeln. Aber Ford setzt nun auf Mobilitätsdienstleistungen, auf neue Plattformen, auf Partnerschaften mit der Deutschen Bahn, und deswegen wirbt Armstrong hier und heute für seinen "FordPass Bike". "There is a brave new world ahead of us", sagt Armstrong. Die schöne neue Welt, sie liegt vor uns. Und sie besteht zwar aus Autos, aber eben nicht nur.

Fahrräder gehören jetzt auch dazu.

Armstrong hatte seinen Fahrrad-Auftritt bei einer Veranstaltung der "New Mobility World" gut gewählt, denn die ist eine Art Unterausstellung der Frankfurter IAA, bei der es nur indirekt um Autos geht. Eigentlich geht es um vernetzte Fahrzeuge, autonomes Fahren, Elektromobilität, Mobilitäts-Dienstleistungen, solche Dinge. Also im Grunde um die große Frage, wie man mit Autos auch dann noch Geld verdienen kann, wenn man sie schon längst an den Kunden verkauft hat. Und wie man als Unternehmen, das keine Autos herstellt, rein kommt in diese Autos. Denn wo Menschen viel Zeit verbringen, lässt sich mit Dienstleistungen viel verdienen.

Wenn Autos autonom fahren, haben die Menschen Zeit für andere Dinge

Die Autohersteller brauchen Partner, und wenn ihnen die populären IT-Firmen beim Vernetzen ihrer Autos zur Hand gehen, hilft ihnen das beim Verkaufen ihrer Autos. Die Partner, sie heißen Google, Facebook oder Apple, wissen, dass man sie braucht, und sie nutzen ihre Chance. Denn Autofahrer sind gute Kunden. Und, klar: Je teurer das Auto ist, das sie fahren, desto bessere Kunden sind sie wahrscheinlich.

Die Frage ist nur: Wollen die Menschen das alles wirklich? Eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey kommt nun zu dem Ergebnis: 47 Prozent der Kunden hätten "keine Bedenken, ihre Familie von einem selbstfahrenden Auto chauffieren zu lassen". Und mehr als die Hälfte der Befragten sei überzeugt, dass künstliche Intelligenz die Art und Weise, wie wir fahren, künftig massiv verändern wird. Es verändern sich aber auch die Unternehmen selbst: Seit 2010 haben Auto- und IT-Konzerne insgesamt 51,1 Milliarden Dollar für Übernahmen ausgegeben, bei denen es um künstliche Intelligenz ging - also zum Beispiel Anwendungen, die für selbstfahrende Autos gebraucht werden. Es geht um Geld, das nicht einfach so investiert wurde - es soll sich am Ende auch lohnen.

"Auffällig ist, dass die Verbraucher wesentlich aufgeschlossener für neue Technologien sind, als vielfach vermutet", sagt Matthias Kässer, McKinsey-Partner in München und einer der Autoren der Studie. Allerdings ist auch ein Viertel der Befragten der Meinung, dass die Risiken der neuen Mobilität die Vorteile überwiegen.

Neue Partnerschaften, neue Geschäftsmodelle - die "New Mobility World" bei der IAA ist eine Art Zukunftsbörse innerhalb der Messe. Weder Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg noch Google noch SAP oder Qualcomm sind hier, um Autos zu zeigen. Aber sie wollen der Welt schon einmal mitteilen, was künstliche Intelligenz und automatisiertes Lernen künftig mit den Autos machen werden. Wer also die Autos der Zukunft sehen will, muss sich diese Sonderschau in Halle drei der Messe anschauen - und sich die Fahrzeuge dann einfach dazu denken.

Einer, der keine Autos bauen, aber unbedingt hinein will, ist Christoph Stadeler von Facebook. Der Manager sagt, dass nicht unbedingt das Auto, sondern das Smartphone im Zentrum stehe. Menschen, so viel ist klar, verbringen mehr Zeit vor ihrem Facebook-Account, als fahrend im Auto. Das schafft für die neuen Spieler neue Einkommensquellen: Denn wenn Autos autonom fahren, haben die Menschen mehr Zeit für andere Dinge. Deshalb, sagt der Facebook-Manager Stadeler, sei das autonome Fahren der Zukunft so interessant. Klar: Wer nicht mehr selbst fährt, der hat endlich noch mehr Zeit, ein Facebook-Kunde zu sein, zu twittern oder zu googeln.

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