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Hypotheken:US-Regierung fordert Rekordbuße von der Deutschen Bank

Deutsche Bank

In den Türmen der Deutschen Bank in Frankfurt dürften die Verhandlungen mit dem US-Justizministerium mit Sorge beobachtet werden. Es droht eine milliardenschwere Strafe.

(Foto: AP)
  • Die US-Justiz fordert in den Vergleichsverhandlungen mit der Deutschen Bank 14 Milliarden Dollar Geldbuße.
  • Bei den Gesprächen geht es um die Strafe, die das Institut für windige Geschäfte am US-Hypothekenmarkt vor und während der Finanzkrise zahlen soll.
  • Die Bank lehnt die Forderung ab und will die Summe noch deutlich nach unten verhandeln - die Aktie bricht dennoch ein.

Die US-Regierung will die Deutsche Bank wegen Tricksereien auf dem amerikanischen Immobilienmarkt auf 14 Milliarden Dollar verklagen. Diese Summe habe das Justizministerium in den Verhandlungen über einen Vergleich aufgerufen, teilte Deutschlands größtes Geldhaus in der Nacht mit. Zahlen will das Institut am Ende aber deutlich weniger: "Die Verhandlungen stehen erst am Anfang", heißt es. "Die Deutsche Bank erwartet ein Verhandlungsergebnis, das im Bereich ihrer Wettbewerber liegt, die sich mit dem US-Justizministerium bereits auf deutlich niedrigere Beträge geeinigt haben."

Ginge die Summe so durch, es wäre die höchste jemals in den USA gegen eine ausländische Bank verhängte Geldbuße. Im nächsten Schritt ist nun aber erst einmal die Deutsche Bank aufgerufen, einen Gegenvorschlag vorzulegen.

Milliardenstrafen für windige Geschäfte mit Hypotheken

Der Deutschen Bank werden windige Geschäfte am Markt für mit Hypotheken besicherte Wertpapiere vorgeworfen, die zum Kollaps des US-Häusermarktes im Jahr 2008 beigetragen haben. Viele Großbanken hatten dort über Jahre hinweg fette Gewinne eingefahren, indem sie Immobilienhypotheken an eigentlich mittellose Familien ausgaben und damit ihr Kreditgeschäft aufblähten. Die Risiken aus diesen Geschäften wurden anschließend an Investoren weitergereicht - in Form von hochkomplexen Derivaten, die den Banken ebenfalls hohe Gewinne bescherten. Als der Markt 2007 kollabierte, erwiesen sich diese Bonds als wertlos.

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Viele Investoren fühlten sich über den Tisch gezogen und klagten erfolgreich. Erst im Frühjahr hatte beispielsweise die US-Investmentbank Goldman Sachs einen Vergleich mit dem Justizministerium in Washington geschlossen - über rund fünf Milliarden Dollar, 2,4 Milliarden davon für Hypotheken-Deals. Auch andere Banken akzeptierten im Rahmen von Vergleichen mit der US-Justiz bereits hohe Strafen in solchen Fällen. Die bislang höchste wurde 2014 der Bank of America 2014 mit 16,65 Milliarden Dollar aufgebrummt.

Deutsche-Bank-Aktie bricht ein

Die Deutsche Bank hatte sich in der Sache schon länger auf eine hohe Strafe eingestellt. Die nun geforderten 14 Milliarden Dollar übertreffen aber selbst die schlimmsten Erwartungen der Frankfurter bei weitem: Die gesamten Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten beliefen sich im Konzern auf zuletzt 5,5 Milliarden Euro. Eine weitere Kapitalerhöhung hat Vorstandschef John Cryan mehrfach ausgeschlossen. Entsprechend kämpferisch gab sich das Geldhaus und erklärte, man beabsichtige "auf keinen Fall, diese möglichen zivilrechtlichen Ansprüche in einer Höhe zu vergleichen, die auch nur annähernd der genannten Zahl entspricht".

Trotzdem sackten die in den USA gelisteten Aktien der Deutschen Bank nach Börsenschluss an der Wall Street ab. Viele große Investoren, die mit ihren Deutsche-Bank-Anteilen in den vergangenen Jahren bereits viel Geld verloren haben, wollen ein Ende der Ungewissheit. Denn neben dem Hypotheken-Streit ist unter anderem auch der der Geldwäsche-Skandal in Russland noch nicht abschließend bezahlt.

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