HSH Nordbank "Da steht keiner Schlange"

Das Kreditinstitut steht bald zum Verkauf. Das lockt nun auch Finanzinvestoren an. Ob sie zum Zuge kommen, ist jedoch höchst ungewiss.

Von Meike Schreiber, Frankfurt

Eines kann man Stefan Ermisch nicht vorwerfen: Dass er die Lage beschönigen würde. "Der Markt für Banken ist in einer ganz üblen Verfassung", sagte der Chef der zum Verkauf stehenden HSH Nordbank unlängst. Da stehe "keiner Schlange". Die Eigentümer - das sind die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein - müssten ihre Landesbank aber verkaufen, "ob sie wollten oder nicht". Zeit haben die Länder dafür bis 2018. Das von der EU-Kommission vorgeschriebene Verkaufsverfahren beginnt daher erst Anfang 2017.

Ermischs Pessimismus zum Trotz zeichnen sich jetzt aber erste Interessenten für das Institut ab. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung haben sich jeweils zwei Finanzinvestoren erkundigt, ob sie sich bei einem Bieterverfahren Chancen ausrechnen dürfen. "Finanzinvestoren werden auf jeden Fall bieten", sagte ein Insider. Wer die Interessenten sind, blieb unklar; in Frankfurter Bankkreisen wurden jedoch die beiden US-Fonds Apollo und Cerberus als mögliche Kandidaten genannt. Weder die HSH Nordbank, noch ein Sprecher der Hamburger Finanzbehörde wollten sich zu der Information äußern.

Die EU-Kommission will, dass die Länder ihre Bank spätestens bis 2018 verkaufen

In der Regel fällt es diesen Investoren jedoch schwer, Banken zu kaufen. Anders als bei normalen Industrieunternehmen achten zum Beispiel die Finanzaufseher genau darauf, dass Private-Equity-Fonds eine Bank ausreichend mit Kapital ausstatten, damit sie das Institut bei einer drohenden Schieflage nicht gleich dem Steuerzahler zur Rettung überlassen. Weil Finanzinvestoren auf höhere Renditen schielen als andere Investoren, lohnt sich eine Bank-Übernahme daher nur selten. Hinzu kommt, dass im Bankgeschäft derzeit ohnehin nicht viel zu holen ist. Die HSH Nordbank leidet nach wie vor unter ihrer starken Abhängigkeit von der globalen Schifffahrt, die wiederum seit vielen Jahren in einer nicht enden wollenden Krise steckt.

Da die Landesbank in den vergangenen Jahren daher gleich zwei Mal vom Steuerzahler gestützt werden musste - in der Finanzkrise zunächst durch frisches Eigenkapital und später durch die Erhöhung einer Ländergarantie - hatte die EU-Wettbewerbsbehörde im vergangenen Jahr den Verkauf der Bank durchgesetzt. Damit will Brüssel die unterstellte Wettbewerbsverzerrung durch die Staatshilfe wieder ausgleichen. Ähnliches hatte die EU-Kommission vor wenigen Jahren bei der WestLB vorexerziert. Da das Land Nordrhein-Westfalen in der vorgegebenen Frist keinen Käufer für die Landesbank fand, wurde das Geldhaus schließlich abgewickelt.

Ein solches Schicksal will Ermisch freilich abwenden. Er setzt nun vor allem darauf, von einem Konkurrenten geschluckt zu werden. "Ich glaube nicht, dass die Bank für einen Finanzinvestor eine Perspektive bietet", sagte er unlängst der Zeit. Weil andere Landesbanken aber zumindest hinter vorgehaltener Hand abgewunken haben, können sich die Finanzinvestoren womöglich doch auf ein Schnäppchen freuen. Im Jahr 2006 hatte darauf auch der US-Investor Flowers gehofft. Er kaufte seinerzeit 27 Prozent an der HSH, büßte sein Investment in der Krise aber weitgehend ein. Heute hält der Fonds nur noch 5,1 Prozent an der Bank.