Hewlett-Packard Léo Apotheker tritt ab

Léo Apotheker wollte Hewlett-Packard grundlegend erneuern - doch das gelang ihm nicht. Jetzt steigen zwar die Kurse des Unternehmens. Grund dafür waren aber ausgerechnet Gerüchte um seinen Rauswurf. Jetzt ist es soweit, Apotheker muss gehen und eine Nachfolgerin gibt es auch schon.

Von Varinia Bernau

Seit Léo Apotheker vor knapp elf Monaten als Chef von Hewlett-Packard (HP) angetreten ist, hat die Aktie des größten Computerherstellers weltweit fast die Hälfte ihres Werts verloren. So schlecht hat sich zuletzt an der Wall Street kaum ein anderes Papier entwickelt. Etwa 48 Milliarden Dollar des Börsenwerts gingen verloren. Dass der Kurs nun doch einen leichten Sprung machte, dürfte Apotheker dennoch geärgert haben. Denn für die gute Stimmung unter den Anlegern sorgte ausgerechnet das Gerücht, der 58-jährige Manager stehe vor seinem Rauswurf. Nun ist es soweit: Apotheker muss gehen, wie das Unternehmen am Donnerstag im kalifornischen Palo Alto mitteilte. Nachfolgerin wird die ehemalige Ebay-Chefin Meg Whitman. Der Führungswechsel trete sofort in Kraft, hieß es. "Wir befinden uns in einer kritischen Phase und wir brauchen eine erneuerte Führung, um unsere Strategie erfolgreich umzusetzen und unsere Marktchancen in der Zukunft zu nutzen", sagte nach der Entscheidung der Verwaltungsratsvorsitzende Ray Lane, der selbst eine aktivere Rolle im Management übernehmen soll.

Léo Apotheker hat für einen steigenden Kurs des Hewlett-Packard-Papiers gesorgt. Allerdings nur wegen der Spekulationen um dessen bevorstehenden Rauswurf.

(Foto: REUTERS)

Apotheker, der einst den Softwareanbieter SAP führte, war mit einem Versprechen zu HP gekommen: Er wollte den Konzern grundlegend ändern. Weg von den launigen und knauserigen Privatkunden, hin zu den verlässlicheren und großzügigeren Geschäftskunden. Weg vom Computerbauer, bei dem nur wenig vom Umsatz hängen bleibt, hin zum lukrativen Geschäft mit Computerprogrammen. Ob Apotheker dieses Versprechen wirklich eingelöst hat? Im Verwaltungsrat von HP waren die Zweifel immer größer geworden, auch außerhalb mehrten sich die kritischen Stimmen.

Viele der Manager, denen die Aufsicht über den Konzern obliegt, seien besorgt über den bisherigen Kurs, sagte ein Vertrauter der Agentur Bloomberg. Als Apotheker Mitte August die Quartalsbilanz vorlegte, hatte er fast beiläufig angemerkt, dass HP überlege, seine Computersparte auszugliedern oder abzustoßen. Die Aktie rauschte daraufhin um 20 Prozent nach unten. Apotheker, ein erfahrener Manager, hatte ein Tabu gebrochen: Über solche Deals wird erst gesprochen, wenn sie in trockenen Tüchern sind. Alles andere verunsichert Investoren und drückt den Preis. Die Gewinnmargen im Geschäft mit den Geräten sind zwar recht niedrig, aber die Computersparte ist die wichtigste Stütze des Konzerns: Im vergangenen Jahr trug sie ein Drittel zum Umsatz bei - und spülte immerhin etwa zwei Milliarden Dollar in die Kasse. Dem Vernehmen nach überlegt man nun im Verwaltungsrat, ob HP seine Computersparte nicht doch behalten sollte.

Der Branchenbeobachter Andreas Zilch glaubt ohnehin, dass der von Apotheker eingeleitete Schwenk falsch ist: Der Softwaremarkt sei im Umbruch. In Zukunft seien eher Dienstleistungen gefragt, etwa das Verwalten von riesigen Datenmengen oder das Vermieten von Speicherplätzen in der digitalen Wolke. "Das, was man heute im Softwaregeschäft macht, nämlich einmal produzieren und dann hundertfach verteilen, das wird in fünf Jahren nicht mehr gehen", sagt Zilch. Aus seiner Sicht steckt HP viel zu viel Geld in einen Bereich, der langfristig weniger abwerfen wird, als sich Apotheker erhoffte. Immerhin zehn Milliarden Dollar will er in die Hand nehmen, um den Datenbankspezialisten Autonomy zu übernehmen. Auch im Verwaltungsrat hält mancher das für einen zu hohen Preis. "Es wäre sicherlich klüger gewesen, sich ein Softwareunternehmen zu sichern, mit dem HP ein breiteres Spektrum abdecken kann", sagt Zilch.

Dabei steht HP auch im Dienstleistungsgeschäft bislang nicht schlecht da. Verteidigen, ausbauen gar kann der Konzern seine Position bei den Wartungs- und Speicherdiensten aber nur, wenn er investiert. "Das ist für HP eine enorme Herausforderung, und die Konkurrenz auf dem Gebiet ist hart", sagt die IDC-Analystin Jane Doorly. Es ist nicht unmöglich, aber sicherlich eine schwierige Aufgabe für HP, in wenigen Monaten das zu schaffen, wofür IBM mehrere Jahre gebraucht hat.

Wie Apotheker kommt seine Nachfolgerin Whitman nicht aus dem Hardware-Geschäft. Sie hatte das Online-Auktionshaus Ebay groß gemacht.