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Heckler & Koch:Neuanfang

Neuer Eigner schafft Fakten bei Heckler & Koch

Das Unternehmen Heckler & Koch aus Oberndorf kann sich wieder auf das Geschäft mit Waffen wie dem Sturmgewehr G36 konzentrieren.

(Foto: Patrick Seeger/dpa)

Der Waffenhersteller leidet unter seiner Schuldenlast, will mit neuem Eigentümer aber die Wende schaffen.

Von Stefan Mayr, Stuttgart

Der Machtkampf beim Waffenhersteller Heckler & Koch ist vorerst beendet. Die neue Haupteigentümerin, die Luxemburger Finanzholding CDE, hat auf der virtuellen Hauptversammlung am Donnerstag ihren Willen durchgedrückt, nun braucht das hochverschuldete Unternehmen aus Oberndorf am Neckar zwei neue Aufsichtsräte und eine Anschlussfinanzierung, um das Jahr 2022 zu überleben.

Der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende Harald Kujat, General a.D. ist nach nur einem Jahr im Amt zurückgetreten. Er war ein Mann des bisherigen Mehrheitsaktionärs Andreas Heeschen, der seine Anteile an die CDE verkaufen musste. Die CDE hatte Kujat mangelnde Wirtschaftskenntnisse vorgeworfen. Hinter der CDE stehen der Franzose Nicholas Walewski und die auf Barbados ansässige Firma Sofi Kapital Ltd. "Sofi beherrscht CDE", sagte Heckler & Koch-Vorstandschef Jens Bodo Koch am Donnerstag. Das ist eine bemerkenswerte Konstellation für einen deutschen Waffenhersteller. Aber trotz des Einflusses aus der Karibik hatte die Bundesregierung im Juli die Übernahme genehmigt. Am Donnerstag war Kujat schon nicht mehr anwesend, er beauftragte einen Anwalt mit der Leitung der Hauptversammlung. Vorstandschef Koch bleibt dagegen im Amt, er verkündete überraschend gute Geschäftszahlen: Im ersten Halbjahr erwirtschaftete Heckler & Koch bei einem Umsatz von 139,5 Millionen Euro einen operativen Gewinn von 7,6 Millionen. Koch sprach vom "erfolgreichsten Geschäftsjahr seit langem". Allerdings ist der Schuldenstand nach wie vor alarmierend hoch, wie das Unternehmen einräumt. Im Lagebericht heißt es, die 2022 und 2023 fällig werdenden Tilgungen von Darlehen und Anleihen können aus eigenen Mittel nicht geleistet werden. Deshalb hänge der Fortbestand des Konzerns davon ab, ob eine Anschlussfinanzierung gelingt. Die Verhandlungen beginnen in diesem Quartal. Ein Scheitern stelle eine "wesentliche Unsicherheit" in Bezug auf die Fortführung dar.

Heckler & Koch hat 900 Beschäftigte. Um die Firma zu retten, erklärten sie sich 2019 bereit, pro Woche zweieinhalb Stunden mehr zu arbeiten - ohne Lohnausgleich. Dies und weitere Sparmaßnahmen sowie Investitionen in Millionenhöhe ermöglichten die Rückkehr in die Gewinnzone, betonte Vorstandschef Koch. "Wir sind nicht von der Pleite bedroht", beteuerte er. Vielmehr gehe er davon aus, dass der positive Trend fortgesetzt werden kann.

Nach dem Rücktritt von Harald Kujat wird wohl Nicolaus Bocklandt neuer Aufsichtsratschef. Der Vertreter des neuen Hauptaktionärs CDE wurde von der Hauptversammlung in das Gremium wiedergewählt. Die zwei weiteren Aufseher-Posten blieben unbesetzt.

© SZ vom 28.08.2020
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