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Handel:In jeder Tasse steckt harte Arbeit

Labourers pluck tea leaves in a tea plantation at Shipaidura village

Arbeiter pflücken Tee auf einer Plantage im Nordosten des indischen Distrikts Darjeeling.

(Foto: Rupak de Chowdhuri/Reuters)

Der Tee-Export schuf viele Jobs. Doch die Pflücker verdienen wenig Geld.

In jeder Tasse Darjeeling steckt harte Arbeit: Etwa 55 000 Menschen leben und arbeiten in den Teegärten am Fuße des Himalaja, hinzukommen Saisonkräfte. Traditionell pflücken vor allem Frauen den schwarzen Darjeeling - von Hand, da die Hänge zu steil für Maschinen sind. Doch die Löhne sind niedrig, da sind sich alle einig, der Preisdruck weltweiter Importeure lastet auf den Plantagen.

So verbleiben im Schnitt nur 30 Prozent des Ladenpreises für Tee auch tatsächlich vor Ort in Indien, rechnet die Linken-nahe Rosa-Luxemburg-Stiftung vor. Die Pflückerinnen verdienen der Studie zufolge umgerechnet 2,25 Euro am Tag; weniger als das existenzsichernde Niveau. Die Stiftung kritisiert, dass der Teeexport nach Deutschland nicht dazu beitrage, die Armut auf den Plantagen zu überwinden.

Der Teeverband betont, das Exportgeschäft gebe vielen Indern Arbeit

Die Autoren haben sowohl Beschäftigte von Teegärten in Darjeeling ohne Voranmeldung befragt als auch Vertreter von Gewerkschaften, Herstellern und Händlern.

Der Deutsche Teeverband bestätigt zwar das Grundproblem: Die in dem Verband vertretenen Importeure "sehen eindeutig die Notwendigkeit" höherer Löhne auf indischen Plantagen, sagt Geschäftsführer Maximilian Wittig. Doch hätten Teehändler "kaum Einfluss auf die Löhne für die Pflücker oder Arbeiter" in Indien. Entscheidend seien da Vorgaben wie der Mindestlohn vor Ort. Nach Deutschland verschiffe Indien ohnehin nur gut ein Prozent seiner Teeproduktion.

Der Teeimport sei "noch immer ein sehr persönliches Geschäft", sagt Wittig: Die vielen inhabergeführten Firmen seien sich ihrer Verantwortung bewusst und wollten zur Entwicklung der Anbauregionen beitragen. Man wolle die Verantwortung auch nicht völlig weiterreichen, so Wittig, aber letztlich gehe der Preisdruck von den Verbrauchern aus. Wenn Tee teurer werde, seien Kunden jedenfalls "schnell dabei, auf ein anderes Produkt auszuweichen".

Der Verband kommt zu einem anderen Schluss als die Rosa-Luxemburg-Stiftung: Auch wenn die Pflückerinnen mehr verdienen müssten, sicherten Exporte nach Deutschland in Darjeeling doch "ganz vielen Menschen ihren Lebensunterhalt". Die Teegärten stellen den Beschäftigten etwa auch Unterkünfte, Lebensmittel und Medizin zur Verfügung. Millionen von Menschen in Indien gehe es jedenfalls deutlich schlechter, so Wittig.

Auch Deutschlands größter Teefachhändler Gschwendner betont, dass noch in den Achtzigerjahren jeder fünfte Teegarten in Darjeeling brachgelegen habe. Erst die Nachfrage aus dem Ausland habe vielen Menschen in der Gegend "eine neue Lebensgrundlage und Perspektive" geschaffen, heißt es von der Firma. Gschwendner zahle für die gewünschten Qualitäten zigfach höhere Preise als der Markt. "So versetzen wir die Teegartenbesitzer in die Lage, ihrerseits faire Löhne zu bezahlen."

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung fordert, dass alle Importeure ihren Einfluss geltend machen sollten, damit die Plantagen in Darjeeling existenzsichernde Löhne zahlen. Freiwillige Selbstverpflichtungen reichten da nicht aus, kritisieren die Autoren. "Die Bundesregierung sollte ein nationales Lieferkettengesetz verabschieden." Damit hätten Importeure strengere Sorgfaltspflichten entlang ihrer Lieferketten. Die Bundesregierung prüft derzeit, ob sie weiter auf Freiwilligkeit setzt - oder doch auf ein Gesetz.

© SZ vom 07.08.2019
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