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Chipindustrie:Infineon im Glück

Infineon

Der Name von Infineon auf der Platine eines Mikrocontrollers: Die Geschäfte laufen gut.

(Foto: Matthias Balk/dpa)

Die Deutschen profitieren von der weltweit hohen Nachfrage nach Halbleitern. Viele Konkurrenten investieren jetzt in neue Werke, Infineon ist da schon weiter.

Von Caspar Busse, München

Die schlechte Nachricht kam pünktlich zum Jubiläum: Vor genau 90 Jahren lief in Köln das erste in Deutschland gebaute Ford-Modell vom Band. Zum Feiern ist bei dem Unternehmen aber kaum jemand zumute, denn Ford musste gleichzeitig mitteilen, dass die Produktion jetzt vorläufig eingestellt werden wird. Der Grund: Auch dem US-Konzern fehlen wichtige Halbleiter für das deutsche Werk. Ford ist kein Einzelfall, Autohersteller in aller Welt können derzeit nicht produzieren, weil die Chiphersteller nicht liefern können. Daimler etwa schickt deswegen tausende Mitarbeiter in Kurzarbeit, vor allem in den Mercedes-Werken in Rastatt und Bremen. Auch andere wichtige Industrien, etwa die Hersteller von Elektronikartikeln, sind von der Chipkrise betroffen.

Schnelle Abhilfe ist dabei nicht in Sicht. "Wir erwarten, dass das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage noch einige Zeit bestehen bleibt - mit dem Risiko, dass es bis 2022 anhält", sagte am Dienstag Reinhard Ploss. Der Vorstandsvorsitzende von Infineon macht für den Engpass in erster Linie Zulieferer verantwortlich. Große Auftragshersteller, die wiederum Infineon beliefern, hätten nicht ausreichend investiert, um der Nachfrage nachzukommen. Infineon, größter Chipanbieter in Europa, produziert etwa sogenannte Leistungshalbleiter und Logik-Chips selbst, bei Microcontrollern sei man aber auch von Lieferanten abhängig.

Das neue Werk in Villach soll drei Monate früher in Betrieb gehen

Derzeit haben bereits einige Halbleiterunternehmen massive Investitionen angekündigt. Einer der ganz Großen, TSMC aus Taiwan, plant bereits weitere Fabriken im US-Bundesstaat Arizona und hatte angekündigt, in den kommenden drei Jahren 100 Milliarden Dollar in den Ausbau der Kapazitäten zu investieren. Intel steckt weitere Milliarden in den Ausbau seiner Produktion in den USA und brachte auch Deutschland als möglichen Standort ins Gespräch. In Europa soll die Produktion von Chips ohnehin ausgebaut werden, darauf drängt auch der zuständige EU-Kommissar Thierry Breton. Infineon baut derzeit eine Produktion in Villach in Österreich auf, diese werde nun drei Monate früher als geplant in Betrieb genommen, kündigte Ploss an. Auch am Produktionsstandort Dresden könne noch mehr produziert werden. Alle Fabriken würden derzeit auf Hochtouren laufen. Ein Problem sei gewesen, dass das Infineon-Werk in Austin im US-Bundesstaat Texas wegen eines Wintersturms und dem folgenden Stromausfall heruntergefahren werden musste. Erst bis Juni könne die Produktion wieder vollständig aufgenommen werden.

Die Engpässe bei Halbleitern resultieren in erster Linie aus der hohen Nachfrage, zudem hatte die Industrie in der Pandemie im vergangenen Jahr die Produktion gedrosselt. Der neue Intel-Chef Pat Gelsinger hatte bereits wiederholt gewarnt, dass die Chip-Engpässe mehrere Jahre andauern könnten, auch weil Investitionen nicht sofort greifen. Infineon-Chef Ploss sagte nun ebenfalls, ein nennenswerter Anstieg der Kapazitäten werde seine Zeit brauchen. Infineon selbst habe aber früher als viele Wettbewerber investiert. Offen ist, ob die Halbleiterindustrie insgesamt nun - wie in der Vergangenheit - in einen neuen Schweinezyklus investiere, also nun massiv in den Aufbau von Werken investiert, so dass in wenigen Jahren ein massives Überangebot am Markt herrscht und die Branche in tiefe Probleme gerät.

Infineon jedenfalls profitiert derzeit von der Krise. Nach einem guten Quartal wurde zum zweiten Mal die Prognose für das laufende Geschäftsjahr bis Ende September angehoben. "Chips sind gefragt wie nie", so Ploss. Das werde auch erstmal so weitergehen. Elektronik für die Energiewende und für die Arbeit und das Leben zuhause blieben gefragt, auch in Autos würden immer mehr Chips verbaut. Die Aktie lag aber im Minus.

© SZ
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