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Haarrisse in Tragflächen:EU-Behörde ordnet Sicherheitscheck für alle A380 an

Die Haarrisse in den Tragflächen des Airbus A380 betreffen immer mehr Fluglinien. Jetzt reagiert die EU-Flugsicherheitsbehörde und ordnet eine Untersuchung aller Maschinen dieses Typs an. Zuvor hatte bereits die australische Fluggesellschaft Qantas erklärt, einen ihrer A380 vorerst am Boden zu lassen.

Es sind nicht gerade die Nachrichten, die man sich als Flugzeughersteller wünscht. Die australische Qantas Airways hat wegen kleiner Risse im Inneren des Flügels einen Airbus A380 aus dem Verkehr gezogen und rechnet damit, dass die Maschine länger ausfallen wird. Am Mittwoch veröffentlichte die europäische Flugsicherheitsagentur EASA eine weitere sogenannte Lufttüchtigkeitsdirektive, in der sie schärfere Kontrollen der betreffenden Teile anordnet.

Schon im Januar waren bei einigen Maschinen kleine Risse entdeckt worden, die jetzt auch Qantas wieder vorgefunden hat. Genauere Untersuchungen haben größere Mängel zutage gefördert. Wenn diese nicht behoben werden, dann könnte dies zu einer geringeren "strukturellen Integrität" des Flugzeuges führen, so EASA. Der Unterschied zwischen der ersten Anweisung vom Januar und der vom Mittwoch: Die Flugzeuge müssen ein bisschen früher und ein bisschen schneller untersucht werden.

Das Problem sind L-förmige Teile aus Aluminium, die die Außenhaut des Flügels mit der inneren Struktur verbinden. Wie sich herausgestellt hat, werden diese schon bei der Montage überlastet. Die kleinen Schäden verschlimmern sich durch die Lasten im Flugbetrieb. Früher oder später werden alle bisher gebauten A380, auch die derzeit acht Maschinen der Lufthansa, betroffen sein.

Airbus muss Produktionsverfahren überarbeiten

Gefährlich sind die Schäden aber wohl nicht. Denn pro Flügel gibt es rund 2000 der Verbindungsteile, selbst wenn einige tatsächlich abbrechen würden, wäre dies wohl kurzfristig kein Problem. Allerdings müssen sich die derzeitigen Betreiber auf Reparaturen und ungeplante Bodenzeiten einstellen. Airbus muss zudem das Produktionsverfahren überarbeiten und sicherstellen, dass sich dabei die Lasten verringern.

Die A380-Flotte von derzeit 68 Flugzeugen ist dabei sowieso schon nicht so zuverlässig wie erhofft. Der Anteil pünktlicher Abflüge liegt insgesamt bei rund 98 Prozent. Das klingt nach viel, ist aber im Vergleich zu anderen Typen nicht gut genug. Erste Werte deutlich jenseits von 99 Prozent gelten in der Branche als akzeptabel.

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