H&M: Neue Produktserie:Schweigsame Schweden

Ohne das übliche Werbe-Brimborium hat H&M eine Kollektion mit Heimtextilien auf den Markt gebracht. Doch die Produkte gibt es nicht in den Filialen - denn das Unternehmen ist vorsichtig geworden.

Wenn der Modekonzern Hennes und Mauritz (H&M) eine neue Kollektion startet, dann ist es normalerweise schwer, sich dieser Nachricht zu entziehen. Auf Plakatwänden, in Werbespots, in Zeitschriften - überall wird der Kunde mit H&M-Werbung penetriert. Meistens geschieht das in Verbindung mit prominenten Werbegesichtern wie Madonna, Stella McCartney oder Kylie Minouge.

H&M

Eine Kollektion mit Heimtextilien hat der Modekonzern H&M herausgebracht - allerdings ohne das übliche Werbe-Brimborium.

(Foto: Screenshot: H&M)

Nun hat der schwedische Konzern seine erste Kollektion mit Heimtextilien herausgebracht - überraschenderweise jedoch ohne das übliche Werbe-Brimborium. Die Heimtextilien werden seit einigen Wochen vertrieben, doch in den weltweit 1700 H&M-Shops, sucht man die Produkte vergebens. Tischdecken, Kissenbezüge, Gardinen gibt es nur über einen speziellen Katalog und im Internet-Shop. Das bestätigte eine H&M-Sprecherin gegenüber sueddeutsche.de.

Experten wundern sich: "Es ist ein wenig überraschend, dass H&M diese Serie nicht offensiver vermarktet", sagte Anders Wiklund, Analyst der schwedischen Evli Bank, dem Wall Street Journal.

Zara: Probleme mit Heimtextilien

Eigentlich war die Kollektion bereits für Herbst 2007 geplant, berichtet die Zeitung. Doch der Start verschob sich. Im November 2008 präsentierte der Modekonzern dann die neue Serie relativ lautlos im Rahmen eines Events in Berlin.

Es gibt jedoch auch Experten, die den plötzlichen Sinneswandel von H&M verstehen können. Ein neue Produktgruppe einzuführen sei immer mit einem gewissen Risiko verbunden, sagt Anne Chritchlow von der französischen Bank Société Générale. Die Werbestrategie von H&M sei eine Möglichkeit, ohne Druck zu testen, wie die Kollektion ankommt und die Serie langsam aufzubauen.

Möglicherweise sind die Schweden auch durch die Erfahrungen des spanischen Mitbewerbers Inditex (Zara) abgeschreckt. Der Modekonzern präsentierte seine Heimtextilien-Kollektion bereits im Jahr 2003 - in eigenen Shops. Die Konzernsparte leide derzeit besonders unter dem Wirtschaftsabschwung, berichtete das Wall Street Journal. Inditex hat in ihrem letzten Quartalsbericht die Ergebniss von Zara Home nicht gesondert ausgewiesen. Allerdings, so schreibt die Zeitung, heißt es in dem Bericht, die Sparte entwickle sich unterdurchschnittlich.

H&M verteidigte die defensive Strategie sowie den Vertrieb per Versand. "Das ist ein moderner unkomplizierter Vertriebsweg, der H&M Home für alle Kunden verfügbar macht", sagte eine Konzernsprecherin. Und die Sparten-Verantwortliche Maria Lindholm verriet immerhin: "Wir investieren in diese Serie langfristig."

© sueddeutsche.de/tob/hgn
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