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Grundeinkommen:Die Hoffnung auf Glück

Mehr als zwei Millionen Menschen bewerben sich für ein Grundeinkommen. Aber nur wenige von ihnen werden am Versuch teilnehmen können.

Von Lea Hampel, München

Mehr als zwei Millionen Deutsche hoffen derzeit darauf, vom nächsten Sommer an ein paar Sorgen weniger zu haben. So viele Menschen haben sich bis Mitte dieser Woche für das "Pilotprojekt Grundeinkommen" gemeldet, wie die Initiatoren bekannt gaben. Bei dem Versuch sollen zunächst 122 Teilnehmer drei Jahre lang je 1200 Euro monatlich erhalten. "Ursprünglich haben wir eine Million Teilnehmer angestrebt", sagt Michael Bohmeyer, der diesen ersten größeren und wissenschaftlich begleiteten Versuch in Deutschland mit erdacht hat. Er ist bekannt dafür, seit mehreren Jahren in einer Art Lotterie in Berlin einjährige Grundeinkommen von je 1000 Euro monatlich zu verlosen. Dass mehr als doppelt so viele Menschen Interesse bekunden, findet Bohmeyer, "krass und überwältigend".

Bis jetzt haben weder die Aktivisten noch die Forscher des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), die das Projekt wissenschaftlich begleiten, einen genaueren Blick auf die Zusammensetzung der Bewerber geworfen. Klar ist aber, dass sich ein Großteil der potenziellen Teilnehmer in den ersten zwei Wochen gemeldet hat, die angestrebte Million war bereits nach drei Tagen erreicht. Was Bohmeyer auch schon wusste: Es sind keinesfalls nur Geringverdiener, die sich interessieren.

Den Initiatoren dürften zwei Faktoren geholfen haben: Die Folgen der Corona-Pandemie haben viele Menschen in wirtschaftliche Notlagen gebracht und dürften bei manchem das Bewusstsein für die Tücken sozialer Absicherung im existierenden System geschärft haben. Gleichzeitig hat das Thema derzeit ohnehin wieder Konjunktur. Für das geplante Volksbegehren "Expedition Grundeinkommen" für einen staatlich finanzierten Versuch wurden beispielsweise allein in Berlin vergangene Woche 7000 Unterschriften mehr eingereicht , als nötig gewesen wären. Eine Petition an den Bundestag zum Thema Grundeinkommen ergab ebenfalls Unterschriftenrekorde. Im Fall des jüngsten Versuchs werden die Forscher nun in den kommenden Wochen anhand von Daten des Statistischen Bundesamtes aus den mehr als zwei Millionen Freiwilligen eine Gruppe aus 20 000 Menschen zusammen stellen für eine erste Basisbefragung. Wer von ihnen zu den 122 Empfängern gehören wird, wird Mitte Februar bekannt gegeben.

© SZ/shs
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