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Grauer Kapitalmarkt:Investmentfirma P&R insolvent: Zehntausende müssen um ihr Geld zittern

Containerhafen Bremen

Containerhafen in Bremen.

(Foto: dpa)
  • Die Grünwalder Anlagefirma P&R ist insolvent. Die Gruppe hatte rund 3,5 Milliarden Euro von ihren Anlegern eingesammelt.
  • Etwa 50 000 Kunden müssen nun um ihr Geld bangen. Beobachter sehen Anzeichen für ein Schneeballsystem.

Ein riesiger Finanzskandal erschüttert Deutschland: Die Grünwalder Anlagefirma P&R ist zahlungsunfähig. Das Amtsgericht München hat die vorläufige Insolvenzverwaltung für das Unternehmen angeordnet. Betroffen seien die drei Firmen Container Vertriebs GmbH, die Gebraucht-Container und Container Leasing, teilte das zuständige Amtsgericht auf Anfrage von SZ und WDR mit.

Die P&R Gruppe hat rund 3,5 Milliarden Euro von etwa 50 000 Anlegern eingesammelt. Das Geld fließt in den Ankauf von Schiffscontainern, die an Reeder vermietet werden. Die P&R ist seit 40 Jahren im Geschäft. Rechtsanwalt Michael Jaffé und ein Kollege aus der Kanzlei seien zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestimmt worden. Der Münchner Jurist hat bereits prominente Insolvenzen wie die des Medienkonzerns Kirchmedia und des Plüschtiereherstellers Nici verwaltet.

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Das P&R-Geschäftsmodell lief in etwa so ab: Das Unternehmen verkaufte Anlegern Schiffscontainer und mietete sie zu fest vereinbarten Preisen zurück. Die Anleger kassierten die Mieten. Nach ein paar Jahren kaufte P&R den Anlegern die gebrauchten Container zum anfänglich berechneten Restwert zurück. Erste Hinweise auf finanzielle Schwierigkeiten von P&R hatte es bereits in den vergangenen Wochen gegeben. P&R teilte mit, dass sich ein Container-Rückkauf verzögere, ein Geschäftspartner sei abgesprungen, hieß es. Die Gerüchte um die Finanzfirma verdichteten sich, als P&R auch den Vertrieb stoppte.

P&R war einer der größten Spieler des sogenannten grauen Kapitalmarktes. Im Gegensatz zu den regulierten Märkten, wie die Börsen in Frankfurt oder New York, war der Graumarkt lange Zeit kaum kontrolliert. Vor allem deshalb kam es in den vergangenen Jahren zu zahlreichen spektakulären Pleiten in diesem Bereich: Bei der Insolvenz des Windanlagenbauers Prokon etwa standen 1,4 Milliarden Euro auf dem Spiel, die Anleger in Genussscheine gesteckt hatten.

Juristen halten das System für kriminell

"Die deutsche P&R-Gruppe hat ihre Geschäfte zur Verschleierung über die P&R Equipment & Finance Corp. im schweizerischen Zug abgewickelt", erzählt der Fachjournalist Stefan Loipfinger, der die Firma seit Jahren beobachtet. Der ehemalige Banker und Betriebswirt kann Bilanzen lesen. Er beschreibt in seinem neuen Buch "Achtung Anlegerfallen", dass die Investmentfirma den Anlegern über lange Zeit zu hohe Mieten und zu hohe Rückkaufpreise für die Container bezahlt habe. So sollten hohe Renditen erzeugt werden, mit denen die Vertriebsleute dann Werbung machen konnten. Ein solches System funktioniere aber nur so lange, wie genügend neues Anlegergeld nachkommt.

Doch P&R konnte in den vergangenen Jahren immer weniger Container verkaufen. "Das führte bei der P&R Equipment & Finance Corp zu Engpässen. Von 2014 bis 2016 kam es zu über einer halbe Milliarde Euro Verlust aus der Vermietung", sagt Loipfinger. "Da diese Unterdeckung nur durch Gewinne aus dem Neugeschäft ausgeglichen werden konnte, ist die Frage nach einer Form von Schneeballsystem durchaus berechtigt."

Nun melden sich auch Juristen zu dem Fall. "Die Unterdeckung bei P&R ist strafrechtlich relevant", sagt Peter Mattil, Fachanwalt für Kapitalmarktrecht . "Wenn eine Anlagefirma zur Deckung der laufenden Ausgaben und zur Auszahlung der Erträge an die Anleger darauf angewiesen ist, immer neue Kunden zu gewinnen, dann liegt Kapitalanlagebetrug und Insolvenzverschleppung vor."

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