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Glyphosat:Letzter Versuch

Glyphosat

Fluch oder Segen? Glyphosat.

(Foto: Patrick Pleul/dpa)

Die EU will Glyphosat nur noch für kurze Zeit zulassen. In einem neuen Vorschlag ist von 12 bis 18 Monaten die Rede. Die Risiken sollen in dieser Zeit erneut geprüft werden.

Der Unkrautvernichter Glyphosat wird in Europa wahrscheinlich vorerst erlaubt bleiben. Die neue Zulassung für das Pestizid solle jedoch auf zwölf bis 18 Monate eingegrenzt werden, sagte EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis am Mittwoch in Brüssel. Anfangs waren noch 15 Jahre im Gespräch. Ziel sei es, die Ergebnisse der Europäischen Chemikalienagentur abzuwarten, die den Stoff derzeit noch prüft. Die Behörde soll klären, ob das Mittel bei Menschen Krebs auslösen kann oder andere Risiken birgt. Die Gefahren, die von dem weltweit am häufigsten eingesetzten Pestizid ausgehen, sind umstritten.

Mit ihrem dritten Vorschlag hofft die EU-Kommission nun auf die Zustimmung der Mitgliedsländer, die am kommenden Montag erneut über Glyphosat beraten wollen. Zwei geplante Abstimmungen waren in den vergangenen Wochen gescheitert, weil frühere Vorschläge nicht auf breite Zustimmung stießen.

In ihrem neuen Papier empfiehlt die Kommission ihren Mitgliedsländern, den Einsatz des Mittels in öffentlichen Parks, Spielplätzen und Gärten zu minimieren. Auch das Aussprühen auf Nutzpflanzen direkt vor der Ernte soll eingeschränkt werden. Ein EU-weites Verbot ist für die sogenannten Tallowamine vorgesehen, das sind schädliche Hilfsstoffe, die in einigen Glyphosat-Präparaten enthalten sind.

Länder sollen selbst entscheiden, ob sie das umstrittene Pestizid verbieten wollen

Martin Häusling, Agrarexperte der Grünen im EU-Parlament, lobt den Vorschlag. "Wenn man die Situation mit der vor einem halben Jahr vergleicht, ist das ein großer Schritt nach vorn", findet er. Schließlich sei noch vor einem halben Jahr von einer uneingeschränkten Zulassung für 15 Jahre die Rede gewesen. Kritik kommt dagegen von den Umweltschutzorganisationen Greenpeace und BUND, sie fordern ein sofortiges Verbot des Unkrautvernichters. Unverständnis zeigt auch die Industrie, allerdings aus anderen Gründen. Es gebe keine fundierten wissenschaftlichen oder formellen Gründe, um dem Mittel die Zulassung für weitere 15 Jahre zu verwehren, moniert der Herstellerverband Glyphosat Task Force (GTF) in einem Schreiben an die Kommission. Produzenten wie der US-Agrarkonzern Monsanto berufen sich auf das Urteil der europäischen Lebensmittelbehörde Efsa, die das Pestizid bei richtiger Anwendung für unbedenklich hält. Krebsforscher der Weltgesundheitsorganisation WHO halten das Mittel dagegen für bedenklich.

Der Streit über Risiken hat auch einen Krach in der Bundesregierung ausgelöst. Agrarminister Christian Schmidt (CSU) plädiert für eine umfassende Neuzulassung, Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) will dem nicht zustimmen. Der Zwist ist Grund dafür, dass sich Deutschland bei einer Abstimmung auf EU-Ebene enthalten müsste. An dieser Ausgangslage habe sich nichts geändert, hieß es am Mittwoch im Agrarministerium.

Frankreichs Regierung hat bereits ein Verbot angekündigt. "Mitgliedstaaten, die kein Glyphosat wollen, müssen es nicht zulassen. Sie brauchen sich nicht hinter der EU verstecken", stellte ein Sprecher von Andriukaitis klar. Sollte der neue Vorschlag wider Erwarten am kommenden Montag beim Treffen der Länder durchfallen, dann läuft die Genehmigung in der EU Ende Juni aus. Das Mittel dürfte dann nur noch ein halbes Jahr verkauft und ein ganzes Jahr eingesetzt werden.