Glyphosat:Gefährliche Verbindungen

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Mais, frisch geerntet. Viele Bauern spritzen auf ihren Feldern Herbizide mit dem Wirkstoff Glyphosat.

(Foto: Bloomberg)

Ein Gerichtsverfahren bringt die US-Umweltbehörde EPA in Bedrängnis. Es laufen neue Ermittlungen. Auch in Europa gibt es offene Fragen.

Von Silvia Liebrich

Der Streit um mögliche Risiken des Pflanzenvernichters Glyphosat entwickelt sich in den USA zu einem Politikum. Im Zentrum steht die amerikanische Umweltbehörde EPA, die den Dieselskandal ans Licht gebracht hat. Ein früherer Direktor der Pestizid-Abteilung dort steht im Verdacht, die Risikobewertung von Glyphosat beeinflusst zu haben - und zwar zugunsten des US-Herstellers Monsanto. Dies legen zumindest interne E-Mails aus dem Konzern nahe, die vor Kurzem im Zuge eines Gerichtsverfahrens in den USA publik wurden.

Die Regierung in Washington will diesen Vorwürfen nun nachgehen. Eine unabhängige Ermittlungsabteilung der EPA sei damit beauftragt, die Umstände der Risikobewertung von Glyphosat genau zu prüfen, heißt es in einem Schreiben an einen Kongressabgeordneten. Unterzeichnet ist es von Arthur Elkins, Generalinspekteur der EPA sowie der unabhängigen Regierungsstelle CBS, die Industrieunfälle untersucht. Es bestehe ein beträchtliches öffentliches Interesse, die Vorwürfe aufzuklären.

Die EPA war bei ihrer jüngsten Prüfung zu dem Ergebnis gekommen, dass Glyphosat bei Menschen weder krebserregend sei, noch das Erbgut schädige. Eine Einschätzung, die auch europäische Behörden teilen. Aber auch deren Urteil ist umstritten. Spätestens bis Ende des Jahres muss in Europa über eine weitere Zulassung von Glyphosat entschieden werden.

Elkins Brief ist die Reaktion auf die Anfrage eines Demokraten aus dem US-Repräsentantenhaus, der "ernsthafte Zweifel an der Glyphosat-Einschätzung der Umweltbehörde" äußerte. Er fordert auch Aufklärung darüber, ob der frühere EPA-Direktor Jess Rowland im Sinne von Monsanto eine geplante Glyphosat-Untersuchung des US-Gesundheitsministeriums verhindert habe. Möglicherweise mit Erfolg, denn die Untersuchung fand nicht statt. Der ehemalige Direktor ließ die Vorwürfe inzwischen durch seinen Anwalt zurückweisen. Rowland habe der Behörde 26 Jahre "ehrenvoll gedient", sagte sein Anwalt der Huffington Post. Er sei ein Mann "höchster Integrität", der nichts Falsches getan habe. Rowland war im vergangenen Jahr in den Ruhestand gegangen. Auch Monsanto bestreitet alle Vorwürfe.

Die Ermittlungen in den USA könnten sich auch auf das laufende Zulassungsverfahren in Europa auswirken. Rowland hatte unter anderem Kontakt zur Lebensmittelbehörde Efsa. Auch deren Risikobewertung ist umstritten. Vergangene Woche wurde eine neue Analyse vorgelegt, die zeigen soll, dass Krebsrisiken in Industriestudien möglicherweise ignoriert wurden. Dabei wurden erstmals Daten ausgewertet, die lange Zeit nur für Behörden zugänglich waren. Zuletzt konnten EU-Parlamentarier jedoch einen Teil der Studien einsehen. Professor Christopher Portier hat sie auf deren Bitte analysiert. Der Amerikaner war jahrzehntelang für US-Regierungsstellen tätig und fungierte auch als Berater der Krebsforschungsagentur bei der WHO.

EU-Behörden reagierten zurückhaltend auf Portiers Analyse. So auch das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), das die wesentliche Vorarbeit bei der Glyphosat-Bewertung auf EU-Ebene geleistet hat. Dort sieht man keinen Anlass, Portiers Angaben zu prüfen. Solange seine Ergebnisse nicht in einem Fachblatt publiziert seien, sei eine wissenschaftliche Bewertung seriös nicht möglich, heißt es. Eine solche Veröffentlichung wäre jedoch rein rechtlich gar nicht zulässig. "Industriedaten durften ausdrücklich nur eingesehen, aber keinesfalls publiziert werden. Das weiß auch das BfR", so der Grünen-Abgeordnete Harald Ebner. Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) könnte auf eine Prüfung drängen, doch sein Ministerium fühlt sich nicht zuständig. Das BfR sei eine unabhängige wissenschaftliche Einrichtung im Geschäftsbereich des Ministeriums, heißt es dort.

Ebner widerspricht: "Die Dienstaufsicht liegt ganz klar beim Landwirtschaftsministerium, so steht es im BfR-Gesetz." Schmidt müsse durchzusetzen, dass Hinweisen auf mögliche Fehler bei der Glyphosat-Einschätzung nachgegangen werde.

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