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Glücksspiel:Das Firmengeflecht enthält weitere Ungereimtheiten

Das Firmengeflecht hinter Lapalingo enthält weitere Ungereimtheiten. Der offizielle Eigentümer des Kasinos residiert in einem unscheinbaren Reihenhaus am Hafen von Gżira. Auf den Briefkasten hat jemand einen Zettel geklebt, wonach gleich drei Firmen diese Adresse nutzen: neben einer Rabbit Entertainment auch eine Rabbit Bettertainment und eine United Remote. Alle drei teilen sich anscheinend ein kleines Büro, und sie sind auch geschäftlich eng verknüpft: Rabbit Entertainment betreibt das Online-Kasino Lapalingo, United Remote stellt die Software bereit. All das nährt den Verdacht, dass die Firmen zusammengehören. Und tatsächlich: Hinter ihnen steckt derselbe Treuhänder.

Der wirkliche Eigentümer des Offshore-Konstrukts bleibt wie üblich im Dunkeln, wofür es meist gute Gründe gibt. In der Branche geht es um hohe Eurobeträge, Geldwäsche ist ein Dauerthema. "Ein solches Firmenkonstrukt kostet viel Geld. So etwas setzt man nur auf, wenn man etwas verschleiern will", sagt der Geldwäsche-Experte Andreas Frank.

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Doch offenbar haben die Offshore-Anwälte unsauber gearbeitet. Denn bis vor kurzem fand sich an anderer Stelle ein Hinweis auf die wahren Eigentumsverhältnisse: In elektronischen Dokumenten der maltesischen Aufsicht gab United Remote bis vor wenigen Monaten die Webseite von Lionline als die ihrige an. Eine schriftliche Anfrage der SZ an die maltesische Behörde, was Lionline mit United Remote zu tun hat, blieb unbeantwortet. Kurz nach dieser Anfrage verschwand die Webseite von Lionline aber aus dem Register.

Lapalingo hatte auf seiner Seite außerdem ganz offen damit geworben, eine "Schwestergesellschaft" der Lionline zu sein. Hat das deutsche Unternehmen Löwen Play also unter dem Deckmantel maltesischer Firmen etwas mit Online-Kasinos für den deutschen Markt zu tun? Auf Anfrage bestreitet Löwen Play dies. Man habe Lapalingo erfolgreich aufgefordert, den "unzutreffenden Zusatz" der Schwestergesellschaft zu löschen, heißt es schriftlich.

Was Löwen Play aber bestätigt, sind geschäftliche Beziehungen zum Mannheimer Glücksspielunternehmer Bülent K. Dieser hat sowohl Kontakte zu Löwen Play als auch zu Lapalingo, er ist ein ausgewiesener Experte mit offenbar guten Verbindungen nach Malta. Zahlreiche Online-Kasinos benutzten Software der Firma KGR Entertainment, als deren Chef K. fungierte. Im Herbst 2014 trägt der Mannheimer Unternehmer auch die Markenrechte für das Online-Kasino Lapalingo auf Malta ein. Im Zusammenhang mit United Remote taucht der Name von Bülent K. ebenfalls auf, die Webseite der Firma läuft auf ihn.

Mitarbeiter von K. wechselten zu Lionline

Bülent K. möchte seine geschäftlichen Unternehmungen nicht kommentieren. Löwen Play ist da auskunftsfreudiger: Man habe von K. Software gekauft, teilt der Konzern schriftlich mit, darunter Spiele, die K. entwickelt hat und die Lapalingo jetzt anbietet. Offenbar hängen viele Akteure im Umfeld von Lapalingo also zusammen.

Mindestens zwei Mitarbeiter, die für K. gearbeitet hatten, wechselten zu Lionline. Einer von ihnen ist laut der Karriereplattform Linkedin inzwischen Entwicklungschef bei Lionline. Eine gewisse Sara K. attestiert diesem Mitarbeiter auf Linkedin Kenntnisse im Online-Glücksspiel. Sara K. wiederum arbeitet für Rabbit Entertainment, den Betreiber des Online-Kasinos Lapalingo.

An einem Montag im Sommer empfängt sie in den Büroräumen der Firma auf Malta. Anscheinend ist Sara K. an dem Tag die einzige Mitarbeiterin. Von hier aus soll sie sich um mindestens 300 000 Spielerkonten kümmern, die auf Lapalingo angemeldet sind. Viel braucht sie dafür nicht: einen Computer samt Drucker, einen Tisch und ein Sofa. Mehr ist nicht zu sehen. Wie viele Mitarbeiter die Firma habe? Ob sie Bülent K. oder Löwen Play kenne? Keine Antwort. Auf spätere schriftliche Anfragen reagiert K. nicht.

Ihr Chef Philippe W. ist an diesem Nachmittag nirgends zu sehen. Er hat früher für die maltesische Glücksspielaufsicht gearbeitet und ist ein gefragter Mann: Laut maltesischem Handelsregister ist W. für mehr als 80 Firmen auf Malta tätig, viele davon in der Glücksspielbranche. Alleine sechs Firmen, bei denen Phillippe W. als Geschäftsführer eingetragen ist, laufen auch auf die Adresse von Rabbit Entertainment. Sie alle gehören zu einem undurchschaubaren Firmenkonstrukt.

Löwen Play will mit alldem nichts zu tun haben. Im Konzern scheint sich Malta allerdings als lukrativer Standort herumgesprochen zu haben: Der Geschäftsführer der Lionline Entertainment hat gemeinsam mit einem seiner Mitarbeiter erst im Februar zwei Firmen auf der Insel eröffnet.

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