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Kontogebühren:Zwischenlösung: Stiftung Warentest

Seit Jahren scheitert der Staat daran, seinen Bürgern ein geeignetes Vergleichsportal für Girokonten bereitzustellen. Jetzt gibt es eine Übergangslösung.

Von Benjamin Emonts, München

Es wirkt fast wie ein Meilenstein in einer von Pleiten geprägten Geschichte: Seit vergangenem Donnerstag bietet die Stiftung Warentest auf Geheiß der Bundesregierung einen kostenlosen Girokontenvergleich an. Nach wenigen Klicks gelangt man auf der Website zu einem Vergleich von 316 Girokontomodellen von rund 130 Banken, Testberichte inklusive. Der Staat hat lange gebraucht, um ein solches Angebot zu organisieren.

Es ist ein lange gehegtes Vorhaben, die Suche nach dem richtigen Girokonto zu erleichtern - die Bundesregierung hat sich dazu verpflichtet. Die europäische Zahlungskontenrichtlinie verlangt seit Ende Oktober 2018, dass Verbraucher aller EU-Mitgliedstaaten Zugang zu mindestens einer kostenfreien Vergleichswebsite für Girokonten bekommen sollen. Bekannt ist die Vorgabe bereits seit 2014, doch die Umsetzung gestaltete sich holprig. Während Verbraucherschützer nicht-kommerzielle Anbieter forderten, setzte der damalige Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) durch, private Plattformen damit zu beauftragen. Sein Plan ging schief.

Der vom zuständigen TÜV Saarland zertifizierte Anbieter Check 24 sah sich nach der Freischaltung seines Kontenvergleichs im August 2020 heftiger Kritik von Verbraucherschützern ausgesetzt. Im November reichte der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) Klage gegen das Unternehmen ein. Die Kontenvergleiche, so der Vorwurf, entsprächen nicht den gesetzlichen Vorgaben, sie seien unzureichend und lückenhaft. Zudem sei der Kontenvergleich zu stark an andere, kommerzielle Angebote von Check 24 angelehnt gewesen. Das Münchner Unternehmen nahm sein Angebot im Januar 2021 aus dem Netz, um sich vor einem Imageschaden zu bewahren. Check 24 betonte jedoch, die staatlichen Vorgaben eingehalten zu haben.

Ein Gesetz erleichtert den Bankenwechsel

Inzwischen hat sich die Bundesregierung entschieden, künftig eine staatliche Vergleichsplattform ins Leben zu rufen. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, kurz Bafin, soll das Portal aufbauen und im zweiten Quartal 2022 online stellen. Der kostenlose Kontenvergleich der Stiftung Warentest soll bis dahin als Interimslösung dienen. Um die Kontokosten vergleich­bar zu machen, geht die Stiftung Warentest von einem Modell­kunden aus, der regelmäßig Gehalt oder Rente bekommt und sein Konto lediglich online nutzt. Denn dies ist laut der Stiftung die güns­tigste Art der Konto­führung. Er nutzt eine Girocard, macht im Jahr 36 Überweisungen, hebt 48 Mal Geld ab und empfängt 274 Lastschriften. Anhand dieser Daten wird der jährliche Preis für das jeweilige Konto errechnet. Kritik gibt es indes, weil Stiftung Warentest lediglich knapp 130 Banken untersucht. Bei anderen, kommerziellen Anbietern ist diese Zahl weitaus größer (siehe Artikel: "Wer suchet, der findet").

Die Verbraucherzentralen sind mit dieser Zwischenlösung dennoch zufrieden. "Dass nun die Stiftung Warentest ein wirklich unabhängiges und kostenloses Kontovergleichsportal anbietet, ist für Verbraucher eine gute Nachricht", sagt Klaus Müller, Chef des VZBV. Er hält es aber auch für richtig, dass in Zukunft die Bafin das Angebot übernehmen soll. "Der VZBV hat von Beginn an eine unabhängige und objektive Lösung gefordert."

Eine gesetzlich garantierte Unterstützung beim Wechsel der Bank bietet zudem die gesetzliche Kontowechselhilfe. Die bisherige Bank ist danach verpflichtet, binnen fünf Geschäftstagen alle Daueraufträge und bekannten Informationen über Lastschriftmandate der neuen Bank zu übermitteln. Das neue Institut wiederum richtet die gewünschten Daueraufträge ein und teilt Zahlungspartnern die neue Kontoverbindung mit. Beide Banken haften für Schäden, die aus einem fehl­geschlagenen Konto­wechsel entstehen.

© SZ/tö
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