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Zivilklage:Nissan fordert 83 Millionen Euro von Ghosn

FILE PHOTO: Carlos Ghosn, chairman and CEO of the Renault-Nissan-Mitsubishi Alliance, attends a press conference on the second press day of the Paris auto show, in Paris

Carlos Ghosn war gegen eine Kaution auf freiem Fuß, als er im vergangenen Dezember die Flucht in den Libanon ergriff.

(Foto: REUTERS)

Der Autobauer verklagt nun seinen Ex-Chef. Mit dem Geld sollen finanzielle Schäden wie der Privatgebrauch von Firmen-Jets ausgeglichen werden.

Der japanische Renault-Partner Nissan hat seinen in den Libanon geflohenen Ex-Chef Carlos Ghosn auf Schadenersatz in Millionenhöhe verklagt. Wie das Unternehmen am Mittwoch bekanntgab, wurde beim Bezirksgericht in Yokohama eine Zivilklage über 10 Milliarden Yen, also umgerechnet 83 Mio Euro eingereicht.

Damit solle laut Nissan ein Teil der finanziellen Schäden ausgeglichen werden, die Ghosn dem Unternehmen durch sein jahrelanges "betrügerisches" und "korruptes" Verhalten zugefügt habe. Dazu gehörten der Privatgebrauch von Firmen-Jets, Gelder an Ghosns Schwester, Zahlungen an seinen privaten Anwalt im Libanon und der Gebrauch von Immobilien im Ausland ohne Zahlung von Miete. Hinzu kämen Kosten für die internen Ermittlungen gegen ihn, hieß es.

Am 29. Dezember flüchtete Ghosn in den Libanon

Der ehemalige Vorstandschef des französisch-japanischen Autobündnisses Renault-Nissan-Mitsubishi wurde am 19. November 2018 in Tokio festgenommen und angeklagt. Er wird beschuldigt, als Nissan-Verwaltungsratschef Finanzdokumente gefälscht und Untreue begangen zu haben. Ihm wird vorgeworfen, seine Vergütung nicht in der tatsächlichen Höhe gemeldet zu haben.

Im April 2019 wurde er dann unter strengen Auflagen auf Kaution aus der Untersuchungshaft in Japan entlassen. Unter anderem wurde ihm verboten, das Land zu verlassen. Doch am 29. Dezember flüchtete er in den Libanon. Dabei soll der 65-Jährige sich in einer Kiste versteckt haben, wie japanische Medien unter Berufung auf Ermittlerkreise berichteten. Zu der Flucht mit einem Privatjet hätten ihm zwei Amerikaner verholfen. Japan bezeichnet die Ausreise als illegal. Ghosn hat die französische, die brasilianische und die libanesische Staatsangehörigkeit.

© SZ.de/dpa/vit
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