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Gewässerschutz:Gemeinsam für sauberes Wasser

Zwei Beispiele zeigen, wie Bauern und Versorger erfolgreich an einem Strang ziehen können. Sie zeigen jedoch auch, dass dafür ein langer Atem und finanzielle Anreize nötig sind.

Auf deutschen Äckern wird zu viel gedüngt und gespritzt. Für Wasserversorger wird das immer mehr zum Problem. Durch die neue, strengere Düngeverordnung spitzt sich der Konflikt mit den Landwirten zu, die Bundesregierung ringt mit allen Beteiligten um eine Lösung. Dabei gibt es durchaus Beispiele, die zeigen, wie sich der Konflikt entschärfen lässt. Im nördliche Ruhrgebiet hat Gelsenwasser, einer der größten Versorger Deutschlands, vor einigen Jahren ein Projekt gestartet, in Bayern engagieren sich die Münchner Stadtwerke seit vielen Jahrzehnten für eine umweltschonende Landwirtschaft. Zwei Projekte, die kaum unterschiedlicher sein könnten und trotzdem dasselbe Ziel haben: sauberes Trinkwasser für Millionen von Haushalten und Unternehmen zu liefern und gleichzeitig das Auskommen der Bauern in ihrer Region zu sichern.

Zu den kritischen Regionen für Gelsenwasser zählt das Einzugsgebiet um den Halterner Stausee, der Trinkwasser für gut eine Million Menschen liefert. Zugleich wird hier intensive Landwirtschaft mit viel Tierhaltung betrieben. Viele Messstellen zeigen überhöhte Nitratwerte. Seit ein paar Jahren unterstützt Gelsenwasser deshalb die Landwirte mit Beratung für umweltschonende Methoden. Es gibt Zuschüsse für weniger schädliche Spritzmittel und moderne Dünger-Ausbringungstechnik sowie Investitionshilfen. Das Unternehmen sammelt zudem kostenlos überschüssige Pflanzenschutzmittel ein und entsorgt sie.

"37 Prozent der im Gebiet ansässigen Betriebe beteiligen sich an der Kooperation, wir decken damit inzwischen 63 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche ab", sagt Ulrich Peterwitz, der die Abteilung Wasserwirtschaft leitet. Gelsenwasser gibt dafür pro Jahr eine Million Euro aus. Insgesamt ist Peterwitz mit den ersten Erfolgen zufrieden, der Eintrag an Pflanzenschutzmittel und Nitrat sei an einigen, aber nicht allen Messstellen zurückgegangen. Das Angebot gegen Prämien auf Biolandbau umzusteigen, werde dagegen kaum angenommen, obwohl der Versorger pro Hektar und Jahr bis zu 780 Euro anbietet.

Burkhard Kleinhölting gehört zu den Landwirten, die mit Gelsenwasser zusammenarbeiten. Er betreibt eine Schweinezucht mit 230 Sauen und bewirtschaftet 43 Hektar Land. Unter dem Stich fällt bei ihm etwas mehr Gülle an, als er auf seinen Feldern ausbringen darf. Ein Betrieb, wie er typisch ist für die Region. Kleinhölting schätzt die Hilfe des Versorgers. Ein Umstieg auf Ökolandbau kommt für ihn trotzdem nicht in Frage. "Für meinen Betrieb passt das nicht, ich müsste sehr viel in Umbauten der Ställe investieren", sagt er. Der letzte Umbau liege noch nicht lange zurück und die Kredite seien längst nicht abbezahlt. Geholfen habe ihm aber etwa der Zuschuss für einen Waschplatz zur Spritzenreinigung. "Diese Förderung hat uns die Entscheidung für die Investition leichter gemacht", sagt er.

Die Münchner Stadtwerke sind da schon viel weiter. Eine Ökoförderung gibt es für die Landwirte im Wassereinzugsgebiet im Mangfalltal und der Schotterebene vor den Toren der Landeshauptstadt seit 1992. Seit mehr als hundert Jahren kauft der Versorger gezielt Land auf, um eine gewässerschonende Landwirtschaft zu etablieren. Mit Erfolg: Die Nitratbelastung ist im Vergleich zum restlichen Bundesgebiet deutlich geringer "Die SWM wendet für die Initiative Ökobauern mehr als eine Million Euro auf", erklärt eine Sprecherin. Die 180 Biobauernhöfe im Gebiet erhalten Prämien von bis zu 310 Euro je Hektar und Jahr. Gelsenwasser-Manager Peterwitz weiß, dass es für so einen Erfolg noch einen langen Atem braucht: "Wir werben weiterhin dafür, dass Landwirte auf Ökolandbau umsteigen."