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Geldanlage:Wenn Sparer Bank spielen

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Ob für Handwerksbetriebe oder Fußballvereine, Anleger können sich an vielen Projekten finanziell beteiligen. Es gibt hohe Zinsen, aber auch Risiken.

(Foto: imago)

Wer über Internetplattformen Geld verleiht, muss einiges beachten.

Der finanziell strauchelnde Fußballklub 1. FC Kaiserslautern brauchte Geld - und er bekam es. Über die Kreditplattform Kapilendo haben die Fans dem Unternehmen vor Kurzem mehr als eine Million Euro geliehen, die der 1. FCK jetzt über eine Laufzeit von drei Jahren und mit fünf Prozent Zinsen pro Jahr zurückzahlen will. Um das Geld der Anhänger warb der kaufmännische Direktor des Klubs mit Erinnerungen an bessere Zeiten, von Fritz Walter bis zur Meisterschaft 1998.

Das Prinzip von solchen sogenannten Crowdlending- oder P2P-Plattformen funktioniert immer ähnlich. Bei Kapilendo oder Funding Circle leiht man kleinen oder mittelständischen Unternehmen Geld, über P2P-Plattformen wie Mintos, Bondora oder Auxmoney greifen Anleger einem anderen Menschen finanziell unter die Arme. Im Gegenzug erhalten sie einen vergleichsweise hohen Zinssatz: Die Portale werben mit Renditen von durchschnittlich fünf bis mehr als zehn Prozent. Dabei finanziert nicht ein einzelner Anleger das gesamte Vorhaben des Kreditnehmers, sondern ein ganzer Schwarm an Investorinnen und Investoren trägt jeweils einen Teil dazu bei.

Wer über Funding Circle oder Kapilendo einen Kredit vergibt, finanziert meist ein konkretes Vorhaben. Das fühlt sich weniger anonym an, als wenn man Anleihen eines beliebigen Konzerns kauft. Wer sich auf den Plattformen sympathisch präsentiert, steigert die Chancen, genug Geld einzusammeln - wie beim 1. FCK. Doch Gefühle sind bei der Geldanlage eigentlich ein schlechter Ratgeber, können sie den Verstand doch ganz schön eintrüben.

Einige Plattformen wie Auxmoney, Mintos oder Bondora haben eine Funktion, mit der Anleger automatisch in verschiedene Projekte investieren können. Ganz anonym, ohne Gefühle. Auch Kapilendo arbeitet an einer solchen Funktion. Lars Wrobbel verdient als Blogger Geld mit Verlinkungen auf P2P-Plattformen, kennt sich als Buchautor und P2P-Investor mit dem Thema aber auch so gut aus wie wenige in Deutschland. Er empfiehlt eine solche Autofunktion. "Die Zinserträge lassen sich darüber direkt reinvestieren", sagt Wrobbel. Als Investor legt man lediglich Kriterien fest, nach denen das Geld angelegt werden soll. Dazu gehört etwa die eigene Risikobereitschaft.

Es gilt: Je höher der Zinssatz, desto höher das Risiko. Zwar durchlaufen auch Unternehmen, die sich über die Plattformen Geld leihen, in der Regel eine Kreditwürdigkeitsprüfung. Im Fall des 1. FCK, bei dem Kapilendo die Kreditvergabe nur technisch abwickelte, war das nicht der Fall, ansonsten aber schon, wie Gründer Christopher Grätz betont. "Bei uns schaffen es nur 0,5 Prozent der Projekte auf die Website", sagt Grätz. Viele Unternehmen nutzten die Portale nicht aus der Not heraus, weil sie von der Bank keinen Kredit bekommen, sondern weil sie über die Plattformen schneller an Geld kämen.

Dennoch spricht ein Projekt, das mit mehr als fünf Prozent verzinst ist, für ein hohes Risiko. Verringern lässt es sich, indem man kleinere Summen an viele Kreditnehmer verleiht. Blogger Lars Wrobbel empfiehlt, auf P2P-Plattformen maximal ein Prozent des eingesetzten Kapitals in jeden einzelnen Kredit zu stecken. Bei einem Einsatz von 1000 Euro wären das zehn Euro pro Darlehen, damit wäre das investierte Geld auf 100 Kreditprojekte verteilt.

Da es nicht bei allen Anbietern möglich ist, schon kleine zweistellige Summen in einzelne Projekte zu investieren, sollten Interessierte außerdem den Mindestanlagebetrag prüfen. Je niedriger er angesetzt ist, desto einfacher können Anleger ohne allzu großen Kapitaleinsatz in unterschiedliche Projekte investieren - und damit ihr Risiko streuen. Auch die Höhe der Gebühren ist bei den verschiedenen Anbietern unterschiedlich. Dennoch sind auch 1000 Euro für die meisten Menschen kein Spielgeld. Das erschwert den gut gestreuten Einstieg in die P2P-Geldanlage.

Wer nicht Privatkredite vergibt, sondern mittelständischen Unternehmen Geld leiht, sollte sich nicht auf einzelne Branchen konzentrieren. "Wir empfehlen außerdem, verschiedene Laufzeiten, Risikoklassen und Kreditarten ins Portofolio zu nehmen", sagt Gründer Grätz. Neben klassischen Krediten bietet Kapilendo auch Nachrangdarlehen an. Sie sind höher verzinst, aber auch sehr riskant, da die Gläubiger im Fall einer Insolvenz erst nach den anderen Kreditgebern bedient werden. Bei Kapilendo gab es Grätz zufolge bisher bei 15 von 160 Projekten Zahlungsstörungen. In einigen Fällen hätten die Anleger ihr Geld mit Verspätung und Verzugszinsen bekommen, in manchen nur noch zum Teil oder gar nicht. Trotzdem sei eine jährliche Rendite von 5,5 Prozent drin.

Manche Anbieter wie die Plattform Mintos werben mit einer sogenannten Rückkaufgarantie. Dabei kaufen die Darlehensanbahner, eine bankähnliche Institution zwischen Kreditnehmern und Kreditgebern, gefährdete Kredite wieder zurück. Die Renditen für Anleger sind wegen des eingebauten Schutzes geringer, das Risiko allerdings auch. Verzug oder Ausfall droht nur dann, falls der Darlehensanbahner in finanzielle Probleme geraten sollte.

Geht eine Plattform pleite, laufen die Kredite weiter und werden meist über einen Dritten abgewickelt, sagt Lars Wrobbel. Er verweist auf Fälle aus Großbritannien, bei denen Anleger ihr Geld zurückerhielten, sich aber länger gedulden müssten. In Gefahr ist das Geld hingegen, wenn man es bereits in die Plattform gesteckt hat, es dort aber noch "herumliegt", weil es mangels ausreichend vorhandener Kreditprojekte noch nicht investiert werden konnte. "Dafür gibt es keine Einlagensicherung", sagt Wrobbel.

Und einen weiteren faden Beigeschmack haben die Kredite: Bei ausländischen Portalen wie Mintos oder Bondora, die ihren Sitz im Baltikum haben, können Anleger auch Interessenten aus anderen Ländern einen Kredit gewähren. Darunter sind Staaten, in denen horrend hohe Zinssätze von mehr als 20 Prozent, mitunter sogar von mehr als 200 Prozent gängig sind. Darauf hat die Autorin Natascha Wegelin in ihrem Blog "Madame Moneypenny" aufmerksam gemacht.

Unterschiedliche Kreditkulturen in anderen Ländern hin oder her: Ob sie für deutsche Maßstäbe Wucherzinsen nehmen möchten, müssen Anleger selbst entscheiden.