Gefährliche Börsentipps:Dubiose Whatsapp-Gruppe verleitet Nutzer zum Zocken

Gefährliche Börsentipps: Finanzgeschäfte per WhatsApp - der Verbraucherschutz warnt vor den Risiken.

Finanzgeschäfte per WhatsApp - der Verbraucherschutz warnt vor den Risiken.

(Foto: Jessy Asmus/SZ)
  • Mit einem Whatsapp-Service sollen Nutzer zum Zocken mit hochspekulativen Finanzprodukten gebracht werden.
  • Die Macher geben sich viel Mühe, anonym zu bleiben. Verbraucherschützer wittern Betrug.

Von Lukas Zdrzalek und Valentin Dornis

Sie sind reich geworden, ganz schnell und einfach. Stolz posieren die Männer im Youtube-Video vor einem neuen Auto, öffnen eine Flasche Schampus. Wem sie das zu verdanken haben, verkünden sie auch: "Danke, Daniel." Dieser Daniel, der sie mit seinen Börsentipps angeblich reich gemacht hat, meldet sich am Ende des Videos zu Wort. Wer ebenfalls so viel Geld verdienen möchte, müsse lediglich über den Messenger Whatsapp die beiden Wörter "Hey Daniel" an eine bestimmte Telefonnummer schicken - und schon bekomme man die besten Börsentipps aufs Handy.

Doch so schön die Versprechungen zunächst klingen mögen, so gefährlich sind sie auch. Denn der "Hey Daniel"-Service empfiehlt an der Börse zu zocken. Es geht um sogenannte CFDs. Hinter dieser Abkürzung steht der englische Begriff Contracts for Difference, zu Deutsch: Differenzkontrakte. Damit können Investoren auf alle möglichen Kursbewegungen wetten: Aktien, Rohstoffe, Währungen. CFDs sind Hebelprodukte, bei denen Anleger besonders hohe Gewinne einstreichen, aber auch auf einen Schlag alles verlieren können.

Über Whatsapp versuchen die Macher, Anleger zu dieser Zockerei zu animieren. Sie verschicken einen Link zu einer App, mit der Anleger CFDs handeln können. Dazu kommen täglich neue Nachrichten mit Anweisungen, auf was Anleger wetten sollen. Zum Beispiel darauf, dass der Ölpreis fällt. "Die Hey-Daniel-Gruppe schürt die Erwartung, jeder Privatanleger könne bei den Zockereien der Profis mitspielen und schnell reich werden", sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. "Das ist Betrug, nichts anderes. Die Profis sind den Kleinen immer einen Schritt voraus." Neue Informationen würden binnen Sekunden in die Börsenpreise einfließen. Bis sie die Whatsapp-Gruppe erreichen, seien sie längst von Profis verarbeitet worden.

Doch die Macher geben sich harmlos. Sie verschicken bunte Bilder mit Kursverläufen - und erinnern immer wieder daran, wie grandios ihre Tipps doch seien. Als Belege dienen angebliche Chatverläufe mit Nutzern. Einmal kommt ein Foto von einer Rolex-Uhr, die sich der Nutzer vermeintlich nur leisten konnte, weil er erfolgreich gezockt habe. Oder wie Daniel schreibt: "Echt geil mitgetradet." Ein paar Tage später kommt ein Bild, auf dem jemand Hunderteuroscheine aufgefächert in den Händen hält. Die Zocker-Mentalität, die "Hey Daniel" propagiere, erinnere an ein Kasino, sagt Nauhauser. "Wobei sich die Spieler im Kasino am Roulettetisch wenigstens ausrechnen können, mit welcher Wahrscheinlichkeit sie gewinnen oder verlieren".

Auf Anfragen, wie das Geschäftsmodell hinter den kostenlosen Börsentipps funktioniert, haben die Macher nicht reagiert. Die öffentlich einsehbaren Profile und Nachrichten legen nahe, dass über die Empfehlungen bestimmter Apps und Anbieter Geld verdient wird. So findet sich auf dem Youtube-Profil der Hinweis, der Betreiber erhalte "unter bestimmten Voraussetzungen eine einmalige Provision".

Aber nicht nur das Geschäftsmodell bleibt unklar - auch, wer dahinter steckt. Bis vor Kurzem gab es eine Internetseite, auf der die Macher für "Hey Daniel" warben und bestimmte Apps empfahlen. Mittlerweile ist die Seite nicht mehr aufrufbar, ein Webservice hat sie allerdings bis August 2016 archiviert. Im Impressum stand damals eine Medienagentur mit Adresse in Zypern. Außerdem lässt sich nachvollziehen, welche Daten bei der Registrierung der Seite hinterlegt wurden. Wieder taucht die Agentur auf, zudem ist eine deutsche Handynummer hinterlegt. Ruft man an, meldet sich die Mailbox. "Hinterlassen Sie eine Nachricht für . . .". Pause. Dann sagt eine blecherne Männerstimme: "Baron von Münchhausen."

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