Satellitennavigation:Abgehängt

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Drei Galileo-Satelliten in einem Reinraum des Herstellers OHB in Bremen. Das börsennotierte Unternehmen hat bislang Aufträge für 34 Navigationssatelliten bekommen.

(Foto: OHB System AG)

Die Europäische Kommission vergibt Aufträge für die nächste Galileo-Generation. Der bisherige Hersteller OHB geht wohl leer aus.

Von Dieter Sürig

Als das Satellitennavigationssystem Galileo im Sommer 2019 sechs Tage lang wegen technischer Probleme ausblieb, war die Aufregung groß, ein sechsstündiger Ausfall Mitte Dezember 2020 fiel dagegen kaum auf. Mehr Aufregung dürfte da die Vergabe der Aufträge für weitere Satelliten entfachen, die die Europäische Kommission Ende Januar bekannt geben will. Aus Brüssel ist nun zu hören, dass der Hersteller gewechselt werden soll. Das Bremer Raumfahrtunternehmen OHB, das bereits 22 Satelliten gebaut hat und gerade zwölf weitere fertigt, soll leer ausgehen.

Es geht um die zweite Galileo-Generation. Ihre Satelliten sollen, mit neuen Antennen und Uhren ausgestattet, besser zu empfangen sein und präziser funktionieren. Sie sollen aber auch größer und teurer werden. Erstmals will die Kommission die Aufträge im dreistelligen Millionenbereich an zwei Hersteller vergeben, um den Wettbewerb zu befeuern und unabhängiger zu sein. OHB hat bisher die größte Expertise, was Galileo-Satelliten betrifft. Nur vier Einheiten entstanden vor rund zehn Jahren bei Astrium, heute Airbus.

Nach SZ-Informationen soll der Zuschlag aber an Airbus und Thales-Alenia gehen. Zuletzt war geplant, dass zwei der drei Bewerber den Zuschlag für je zwei Satelliten zu Entwicklungszwecken erhalten sollen, mit der Option, zwölf weitere Satelliten bauen zu dürfen. Einem Insider zufolge wird die Vergabe nach einer zehntägigen Einspruchsfrist Ende des Monats veröffentlicht.

Warum sich die Kommission gegen den dritten Bewerber OHB entschieden hat, ist unklar. In Brüssel wird jedoch dementiert, dass der französische EU-Binnenmarkt-Kommissar Thierry Breton darauf hingewirkt habe, dass etwa der mehrheitlich französische Thales-Konzern von dem Galileo-Auftrag profitiert. Zumal vor allem die Raumfahrtagentur Esa die Bewertungen vornehme, in denen OHBs Offerte am schlechtesten abgeschnitten haben soll.

Beton hatte forciert, die zweite Generation schon jetzt und nicht erst in zwei Jahren zu bauen. Dies hatten Experten kritisiert, zumal die Konstellation noch nicht komplett ist. "Jetzt auch noch den Hersteller zu wechseln, wäre der Stabilität des Galileo-Systems nicht zuträglich", sagt Thomas Pany, Professor für Satellitennavigation an der Bundeswehr-Universität München. Die drei Bewerber haben sich am Dienstag nicht zu der Vergabe geäußert, die Esa verweist auf den vertraulichen Vergabeprozess. Die OHB-Aktie verlor bis Börsenschluss 10,06 Prozent auf 43,35 Euro.

Nachtrag: Am Erscheinungstag des Artikels (20.1.2021) gab die Europäische Kommission bekannt, dass sie zwei Aufträge über jeweils sechs Galileo-Satelliten im Gesamtwert von 1,47 Milliarden Euro an Thales-Alenia Space und Airbus Defence & Space vergeben hat.

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