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Fusion in der Reisebranche:Tui wird zum weltgrößten Tourismuskonzern

Fritz Joussen

Der Tui-Vorstandsvorsitzende Friedrich Joussen bei der Hauptversammlung im Februar in Hannover.

(Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

Der Reisekonzern will seine britische Veranstaltungstochter Tui Travel komplett übernehmen. Vorstandschef Joussen möchte damit 65 Millionen Euro einsparen - pro Jahr. Ganz am Ziel ist er allerdings noch nicht.

Der Weg zu dieser Fusion war nicht einfach: "Nach vielen hektischen Wochen bin ich froh, dass wir heute den Abschluss der Verhandlungen bekanntgeben konnten", sagte Fritz Joussen, der Vorstandschef des Reisekonzerns Tui, am Montag in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Das Unternehmen aus Hannover wird seine britische Tochter Tui Travel komplett übernehmen, bislang gehören dem MDax-Mitglied nur 54 Prozent. Dadurch entstünde der größte Touristikkonzern der Welt mit 74 000 Beschäftigten und einem Börsenwert von 6,5 Milliarden Euro.

Ganz am Ziel ist Joussen, der frühere Deutschland-Chef von Vodafone, allerdings noch nicht. Ende Oktober müssen zunächst die Aktionäre auf zwei außerordentlichen Hauptversammlungen zustimmen - sowohl die Anteilseigner der deutschen Tui AG als auch die von Tui Travel, einer Gruppe mit Sitz in Crawley in der Nähe des Flughafens London-Gatwick. "Wir sind noch nicht zu Hause, die nächsten Wochen und Monate werden wichtig", sagte Joussen. Der letzte Anlauf zu einem Zusammenschluss war vor anderthalb Jahren gescheitert; damit diesmal nicht die Aktionäre das Projekt auf den letzten Metern kippen, warben Joussen und Peter Long, der Chef von Tui Travel, am Montag vor Investoren in London für ihre Pläne.

Unruhige Zeiten schaden dem Tourismus

Die Fusion soll überflüssige Doppel-Strukturen beseitigen - diese waren Ergebnis einer nur halb erfolgreichen Übernahme vor sieben Jahren. Und sie soll den lange vor sich hin dümpelnden Tui-Konzern profitabler und schlagkräftiger machen in einem schwierigen Markt. Denn unruhige Zeiten wie diese, Schlagzeilen über Bürgerkriege und Terroranschläge, sind schlecht für Touristik-Unternehmen.

Bereits Ende Juni hatte Tui über die Fusionspläne berichtet, nun haben die Verhandlungen zu einem Ergebnis geführt. Im Vergleich zu den Angaben von Juni gibt es keine Änderungen: Die Minderheitsaktionäre der britischen Firma Tui Travel erhalten für jeden Anteilsschein 0,399 neue Tui-Aktien, der Sitz von Tui bleibt in Hannover, die Aktien werden an der Londoner Börse gehandelt und in den Index FTSE 100 aufgenommen. Die zwei Firmenchefs Joussen und Long führen das zusammengeschlossene Unternehmen bis Februar 2016 gemeinsam, danach löst Long Tui-Aufsichtsratschef Klaus Mangold ab und Joussen ist alleiniger Vorstandsvorsitzender.

"Wir fokussieren uns auf den Kern"

Im August hatte Joussen für den Fall einer Fusion mit Tui Travel angekündigt, dass mehr als hundert der etwa 650 Tochterfirmen der Tui AG zum Verkauf gestellt, geschlossen oder in andere Gesellschaften integriert würden. "Wir fokussieren uns auf den Kern". Die Konzernteile, die auf den Prüfstand kommen sollen, machen nach seinen Angaben etwa 15 Prozent des Umsatzes aus.

Während die Tui AG weltweit 230 Hotels und sieben Kreuzfahrtschiffe betreibt, ist Tui Travel ein Reiseveranstalter mit etwa 30 Millionen Kunden. Durch den Zusammenschluss erhoffen sich die Unternehmen eine höhere Auslastung von Hotels und Kreuzfahrtschiffen, Synergieeffekte und Kosteneinsparungen von mindestens 65 Millionen Euro pro Jahr. Auch die Steuerlast soll durch die Fusion sinken. Von Stellenstreichungen war zunächst nicht die Rede.

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