Automobilindustrie Ford streicht 12 000 Jobs und schließt sechs Werke

Ein Ford-Arbeiter in einem südfranzösischen Werk. Der Konzern schließt sechs Werke in Europa - nur in den USA macht er derzeit noch Gewinne.

(Foto: AFP)
  • Ford muss massiv sparen und streicht in Europa 12 000 Arbeitsplätze.
  • Außerdem sollen sechs Werke wegfallen - jedoch keines davon in Deutschland.

Der US-Autobauer Ford will im Zuge der laufenden Umstrukturierung insgesamt 12 000 Arbeitsplätze in Europa abbauen. Das teilte der Konzern am Donnerstag mit. Außerdem würde in sechs Fabriken bis Ende kommenden Jahres der Betrieb eingestellt: Das betreffe drei Werke in Russland sowie Fabriken in Frankreich und Wales. Auch in der Slowakei wurde ein Werk verkauft. Die Zahl der Ford-Standorte in Europa sinkt damit auf 18.

Der Konzern will die Personalkosten nach eigenen Angaben so weit wie möglich durch freiwillige Auflösung von Arbeitsverhältnissen senken. Sich von Mitarbeitern zu trennen und Fabriken zu schließen, seien die härtesten Entscheidungen, die der Autobauer treffen müsse, sagte Stuart Rowley, Präsident von Ford Europa. Den Mitarbeitern werde Unterstützung angeboten, um die Auswirkungen des Stellenabbaus abzumildern.

Ford beschäftigt in Europa mehr als 50 000 Menschen, knapp die Hälfte davon in Deutschland. Allein in Köln arbeiten rund 18 000 Menschen. In dem Werk wird der Fiesta hergestellt. In Saarlouis sind es etwa 6000 Mitarbeiter. Hinzu kommt ein Forschungszentrum in Aachen mit einigen Hundert Mitarbeitern.

Bereits im März war bekannt geworden, dass Ford hierzulande 5400 Stellen abbauen werde. Das Management hatte dies den etwa 24 000 Beschäftigen per Rundschreiben mitgeteilt - nach einem halben Jahr voller Spekulationen. Mittlerweile sind Konzernangaben zufolge bereits mehr als 3200 Mitarbeiter ausgeschieden oder wollen dies tun, etwa weil sie Abfindungen angenommen haben. Die Maßnahmen seien nötig, um Ford in Deutschland langfristig eine Perspektive zu geben, hieß es damals in dem Schreiben.

Geld verdient Ford zurzeit nur in den USA

Der US-Autohersteller hat 2018 in Europa 400 Millionen Dollar Verlust eingefahren, ein Jahr zuvor erwirtschaftete er noch ein Betriebsgewinn von 367 Millionen Dollar. Die Firma begründete die roten Zahlen vor einigen Wochen unter anderem mit höheren Kosten und ungünstigen Wechselkurs-Entwicklungen. Zudem sank die Zahl der Ford-Fahrzeuge, die in Europa in den Handel kamen, um rund drei Prozent auf 1,5 Millionen.

Die einzige Region, wo Ford zuletzt Geld verdiente, ist Nordamerika. Der zweitgrößte und einer der ältesten Autohersteller der USA hat auch vor dem Hintergrund dieser Krise erst im Januar eine umfangreiche Zusammenarbeit mit dem Volkswagen-Konzern erklärt. So will man unter anderem bei Kleintransportern und bei Fahrassistenzsystemen zusammenwirken.

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