Fonds Abgehängt vom Markt

Fast alle Fondsmanager verlieren gegen Aktienindezes.

(Foto: Frank Rumpenhorst/dpa)

Der Zufall ist mächtiger: Kaum ein Fondsmanager schneidet über längere Zeiträume besser ab als der Markt. Wenn das nur die Sparer wüssten.

Von Jan Willmroth

Man kauft also dieses Versprechen bei der Bank: Gib uns dein Geld, wir kaufen davon Anteile an Fonds, auf dass sich Profis darum kümmern. Menschen, die viel vom Investieren verstehen und Tag für Tag nichts anderes machen, als das ihnen anvertraute Vermögen so gut es geht zu vermehren. Diesen Service gibt es nicht umsonst, mal nehmen sie eineinhalb Prozent der Anlagesumme an jährlichen Gebühren, mal ist es viel mehr.

Die meisten dieser Fondsmanager sind ihr Geld aber nicht wert. Sie schneiden überwiegend schlechter ab als der Markt, in dem sie sich bewegen. Das hat die Ratingagentur Standard & Poor's gerade ausgerechnet. Aktienfonds mit Fokus auf deutsche Unternehmen liegen nach einem Jahr zu 64 Prozent unter dem Vergleichsmaßstab, nach fünf Jahren sind es schon drei Viertel, im Zehn-Jahres-Zeitraum verfehlen mehr als 80 Prozent die Marktentwicklung. Fonds, die in amerikanische Aktien investieren, laufen noch einmal deutlich schlechter. Nach einem Jahr lagen demnach 84 Prozent von ihnen unter dem S&P-500-Index, nach zehn Jahren sind es 98 Prozent. Also fast alle. Ob Aktienfonds mit asiatischem, europäischem oder weltweitem Fokus: Die Ergebnisse ähneln sich sehr, und sie sollten einmal mehr ernüchternd sein für die Fondsbranche.

Es kommt nämlich nicht zum ersten Mal vor, dass jemand herausfindet, wie selten Investment-Profis dauerhaft den Markt schlagen. Man kann zum Beispiel auf die noch immer umstrittenen Ergebnisse des Wirtschaftsnobelpreisträgers von 2013, Eugene Fama, zurückgreifen. Seine bekannteste Hypothese besagt, dass in Preisen am Finanzmarkt immer sämtliche verfügbaren Informationen gleich berücksichtigt sind, sobald sie bekannt werden. Folglich könne niemand dauerhaft gegen die Effizienz des Marktes bestehen, auch kein Fondsmanager. Die empirische Finanzmarktforschung der vergangenen Jahrzehnte hat viele Ergebnisse gesammelt, die alle in die gleiche Richtung gehen: Unbedarfte Laien haben selbst gegen erfahrene Fondsmanager in Versuchen eine Chance.

Die S&P-Berechnungen sind also besonders eindeutig, aber für Branchenbeobachter nicht gerade überraschend. Bisweilen lassen zwar nur die Gebühren einen Fonds schlechter abschneiden als der Markt, viele verfehlen ihn nur knapp. Doch selbst das heißt für Sparer: Es gibt kaum mehr gute Gründe, in aktiv verwaltete Fonds zu investieren. Längst lohnen sich börsengehandelte Fonds, ETFs, deutlich mehr. Denn sie folgen mehr oder weniger exakt der Entwicklung eines bestimmten Index. Denn die ist auch über lange Zeiträume tendenziell positiv. Und ETFs kosten verglichen mit ihren aktiv gemanagten Konkurrenzprodukten fast nichts.

Der Fondsindustrie macht das nichts aus, sie wächst. Im laufenden Jahr flossen etwa 55 Milliarden Euro in Publikumsfonds. Vor allem Mischfonds boomen. Die kommen zwar in der S&P-Analyse nicht vor, dürften aber nicht besser abschneiden als reine Aktienprodukte. Das Versprechen, sich nicht selbst kümmern zu müssen, verfängt offenkundig. Interessant wäre zu sehen, wie es aussähe, wenn Banken und Berater immer die ganze Wahrheit erzählten.