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Flugzeughersteller:Notfalls einmotten

Ein Airbus vom Typ A 350 landet in Frankfurt. Die USA monierten die Investitionshilfen für das Modell - und verhängten Strafzölle gegen die EU.

(Foto: Michael Probst/AP)

Airbus wird seine Flugzeuge wegen der Corona-Krise nicht los, will aber vorerst keine direkten Staatshilfen beantragen.

Von Jens Flottau, Frankfurt

Der europäische Flugzeughersteller Airbus hat sich Zugang zu weiteren liquiden Mitteln besorgt, um die Coronavirus-Krise zu überstehen, beantragt aber im Gegensatz zum US-Konkurrenten Boeing bis auf Weiteres keine direkten Staatshilfen. Die Dividende soll gestrichen werden. Die Airbus-Aktie legte am Montag erst leicht zu und war etwas mehr als 64 Euro wert, rutschte dann aber deutlich um 13 Prozent auf etwa 55 Euro ab.

Innerhalb eines Monats verlor sie mehr als die Hälfte. Airbus hat nach eigenen Angaben nun Zugang zu rund 30 Milliarden Euro an Liquidität, das sind fast fünf Milliarden Euro mehr als Ende 2019. Eine bestehende Kreditlinie wurde von fünf auf 15 Milliarden Euro erhöht, zugleich aber hatte Airbus seit Jahresbeginn außerordentliche Kosten von rund vier Milliarden Euro zu decken: 3,6 Milliarden entfallen alleine auf Strafzahlungen an Behörden im Zusammenhang mit dem jüngst beigelegten Korruptionsskandal sowie eine halbe Milliarde für den Bombardier-Anteil am A 220-Programm. "Wir bitten heute nicht um direkte Staatshilfen für Airbus, aber wir sind für starke Unterstützung des ganzen Systems, vor allem der Fluggesellschaften, aber auch der Lieferkette, wenn diese in finanzielle Schwierigkeiten gerät", sagte Airbus-Chef Guillaume Faury.

Derzeit will angesichts des lahmgelegten Luftverkehrs kaum eine Fluggesellschaft neue Flugzeuge übernehmen, die meisten können sich die Investitionen derzeit nicht leisten. Airbus sieht sich mit einer Fülle von Anfragen konfrontiert, Liefertermine zu verschieben oder ganz zu stornieren. Faury sieht ein "erhebliches Überangebot" bei den Langstreckenflugzeugen. Airbus hatte bereits vor Ausbruch der Covid-19-Krise die Produktion der A330neo und auch für das neue Modell A350 leicht gedrosselt. Doch die bisherigen Schritte werden laut Faury nun bei weitem nicht ausreichen.

Der Airbus-Chef sieht das Unternehmen bei den Kurz- und Mittelstreckenflugzeugen der A320neo-Reihe besser abgesichert. Der Auftragsbestand (6756 Maschinen Ende Februar) sei sehr stark, die Produktion auch in erheblichem Maße überbucht. Airbus kommen nun - eine Art Ironie der Geschichte - die massiven Verspätungen zugute, die der Konzern vor allem beim A321neo-Programm in Hamburg einsammelte. Viele Flugzeuge hätten eigentlich längst ausgeliefert sein müssen und sind nun immer noch in der Produktionsplanung. Dennoch richtet sich Airbus laut Faury auch darauf ein, fertiggestellte Maschinen erst einmal einzumotten, bevor die Kunden sie übernehmen können. "Wir versuchen nicht, zu glauben, dass die Dinge so sein werden, wie sie früher waren", sagte Faury. "Es gibt kurzfristig große Unsicherheiten und auch längerfristig viele offene Fragen."

© SZ vom 24.03.2020
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