Flugbegleiter-Streik bei der Lufthansa Gewerkschaft droht mit weiteren Streiks

Inzwischen ist der Streik der Flugbegleiter vorbei, doch die Auswirkungen werden in Frankfurt noch stundenlang zu spüren sein: Lange Schlangen vor den Check-In-Schaltern, genervte Passagiere, Verzögerungen und Flugausfälle. Für etwa 90 Minuten gab es sogar ein Startverbot für alle europäischen Maschinen nach Frankfurt. Die Gewerkschaft spricht von einem "Riesenerfolg" und droht mit weiteren Maßnahmen.

Die Gewerkschaft Ufo hat den ersten Streiktag der Flugbegleiter der Lufthansa wie angekündigt um 13 Uhr beendet. Der achtstündige Arbeitskampf kurz vor dem Wochenende sorgte für erhebliche Behinderungen an Deutschlands größten Flughafen.

Ein Ufo-Sprecher sagte: "Das war ein Riesenerfolg, auch wenn es uns für die Passagiere und die Kollegen am Boden leidtut. Aber das muss jetzt sein." Bei der Lufthansa fielen nach Unternehmensangaben ein Großteil der Kurz- und Mittelstreckenflüge sowie vereinzelt Langstreckenflüge aus.

In den acht Stunden des Streiks waren am größten deutschen Flughafen 360 Flüge geplant. Ein Großteil davon müsse ausfallen, sagte ein Sprecher der Lufthansa. Die Lufthansa-Tochterfirmen Eurowings, Cityline, Germanwings, Swiss und Austrian waren vom Streik nicht betroffen, sagte ein Sprecher der Fluggesellschaft.

Wegen des Streiks konnten am späten Vormittag für etwa 90 Minuten keine Flieger aus Europa mehr in Frankfurt landen. "Momentan werden keine Startgenehmigungen erteilt mit Ziel Frankfurt", sagte ein Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport. Eine Sprecherin der Deutschen Flugsicherung bestätigte, dass eine entsprechende Anweisung an die europäische Flug-Koordinationsstelle Eurocontrol in Brüssel ergangen sei. Damit wirkte sich der Streik der Lufthansa-Flugbegleiter auch auf andere Airlines aus.

Standplätze für Maschinen wurden knapp

Betroffen waren nach Angaben des Flughafenbetreibers aber nur Flugzeuge, die aus Europa und aus Deutschland kommen sollten. Maschinen, die aus Übersee in Richtung Frankfurt unterwegs waren, durften weiterhin landen, ebenso solche Flugzeuge aus Europa, die zum Zeitpunkt des Startverbots bereits in der Luft gewesen waren.

Grund für das vorläufige Startverbot war ein Mangel an Parkplätzen für ankommende Flugzeuge: Weil wegen des Streiks viele Lufthansa-Maschinen in Frankfurt am Boden geblieben waren, wurden dort die Stellplätze knapp.

Im Terminal bildeten sich am späten Vormittag lange Schlangen an den Check-In-Schaltern der Lufthansa, die bis in andere Abfertigungshallen reichten. Tausende Passagiere saßen fest. "Es trifft die, die überhaupt nichts dafür können. Schließlich zahlen wir mit den Ticketpreisen die Gehälter der Lufthansa-Stewardessen", zitierte die Nachrichntenagentur Reuters einen genervten Passagier.

Das Unternehmen hatte im Internet eine Übersicht der gestrichenen Flüge veröffentlicht. Informationen zur Lage an den Flughäfen und welche Auswirkungen der Streik derzeit noch hat, sind außerdem unter der Telefonnummer 01805-805805 zu bekommen.

Innerdeutsch reisende Passagiere sollen auf die Bahn ausweichen

Ufo hatte am Dienstag die Verhandlungen mit der Lufthansa für gescheitert erklärt und einen unbefristeten Arbeitskampf des Kabinenpersonals angekündigt. Mit ihren Streiks will die Gewerkschaft bei der Lufthansa den "größtmöglichen wirtschaftlichen Schaden" anrichten. Das sagte Gewerkschaftschef Nicoley Baublies in der Freitagsausgabe des Nordkurier. "Es geht uns nicht darum, den Fluggästen zu schaden. Wäre es nach uns gegangen, hätte es zu diesem Arbeitskampf erst gar nicht kommen müssen."

Auch wenn die Flugbegleiter ihre Arbeit nur kurze Zeit niedergelegt haben, werde es auch in den kommenden Tagen Verzögerungen in Frankfurt geben. "Es dauert, bis der Flughafen wieder ganz normal ist", so Baublies. Womöglich kommt es am Wochenende zu weiteren Streiks, Gewerkschaftschef Baublies wollte dies nicht ausschließen.

Lufthansa versucht Auswirkungen gering zu halten

Der Ufo-Chef appellierte an die Lufthansa, ein neues Angebot in dem Tarifstreit zu machen. "Unsere Mitglieder sind sehr entschlossen. In den nächsten Wochen wird der Druck weiter erhöht", so Baublies. Bevor es wieder zu Gesprächen kommen könne, müsse die Lufthansa ihr Forderungspaket vom Tisch nehmen. "Wenn das Management daran festhält, werden wir monatelang nicht aus dem Arbeitskampf herauskommen."

Der Streik ist für die Lufthansa besonders schmerzhaft, weil er ihre Heimatbasis trifft. Am Lufthansa-Drehkreuz Frankfurt starten und landen jeden Tag 840 Maschinen der Fluggesellschaft.

Der dicht gestaffelte Flugplan ist empfindlich für Störungen - eine Arbeitsniederlegung von nur wenigen Stunden reicht aus, um den Verkehr den ganzen Tag lang aus dem Takt zu bringen. Von den 19.000 Stewardessen und Stewards der Lufthansa sind nach Schätzungen aus der Branche etwa zwei Drittel in der Gewerkschaft Ufo organisiert.

Ufo hat in den seit 13 Monaten andauernden Verhandlungen - nach drei Jahren Nullrunde - neben fünf Prozent höheren Entgelten unter anderem das Ende der Leiharbeit und Schutz gegen die Auslagerung von Jobs verlangt. Lufthansa plant hingegen mittelfristige Einsparungen bei den Personalkosten und will dafür unter anderem die Beförderungsstufen strecken.

Linktipp: Welche Rechte Passagiere bei einem Streik haben, hat Süddeutsche.de hier zusammengefasst.