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Flixbus:Aber Hellö

Der Fernbus-Marktführer Flixbus kauft seinen Konkurrenten Hellö und damit die Fernbussparte der Österreichischen Bundesbahnen.

Flixbus übernimmt Hellö, die Fernbussparte der Österreichischen Bundesbahnen. Mit den ÖBB zieht sich nach der Deutschen Post und der Deutschen Bahn der dritte finanzstarke Großkonzern aus dem Fernbusmarkt zurück. Diese früheren oder immer noch Staatsunternehmen konnten sich auf dem 2013 liberalisierten Markt gegen das Start-up Flixbus nicht behaupten. Die ÖBB verbanden mit ihrer Oktober 2015 gegründeten Busmarke Hellö auf zehn grenzüberschreitenden Linien Nachbarländer von Österreich, vor allem Deutschland und Italien. Hello fährt seit Juli vorigen Jahres auch nach Deutschland, im April 2017 lag der Marktanteil hier bei 0,7 Prozent. Flixbus dominiert das Geschäft in Deutschland. Der Marktanteil von Flixbus dürfte nun über 92 Prozent liegen, wobei immer die im Fahrplan angebotenen Strecken zugrunde gelegt werden.

Die hellgrünen Fernbusse von Flixbus befördern mit 150 000 täglichen Verbindungen zu über tausend Zielen europaweit mehr als 30 Millionen Menschen pro Jahr. Nationale Netze betreibt das Start-up in Deutschland, Frankreich, Italien und den Niederlanden, demnächst auch in Kroatien. Die Expansion von Flixbus in München begann mit der Fusion mit dem Berliner Konkurrenten Mein Fernbus. Übernommen wurde nicht nur das Busnetz der Post, das diese zunächst mit dem ADAC betrieb. Auch dem britischen Niedrigpreis-Wettbewerber Megabus kaufte Flixbus sein europäisches Netz ab. Nun also Hellö.

Von August an werden die Fernbusse der Hellö-Flotte in das europaweite Flixbus-Netz integriert. Fahren sollen auf den Strecken die Busse des Wiener Partners Blaguss, mit dem Flixbus seit drei Jahren auf dem österreichischen Markt unterwegs ist. Dort soll das Angebot ausgebaut werden. "Statt Parallelverkehren schaffen wir durch die Netzintegration mehr Reisemöglichkeiten", sagt Flixbus-Gründer und Geschäftsführer Jochen Engert. Auch die Österreicher entdecken den Fernbus: 2016 waren mit ihm 2,7 Millionen Reisende unterwegs, binnen eines Jahres verdoppelte sich die Zahl der Fahrgäste.

Über den Kaufpreis für Hellö wurden keine Angaben gemacht. Anders als bei Flixbus konnte man bei der ÖBB-Fernbussparte seinen Sitzplatz reservieren und zwar ohne Aufpreis. Auch der sogenannte Hellö-Snäckömat für die Verpflegung unterwegs dürfte nun Geschichte sein - jedenfalls unter diesem Namen.

Die Einstiegshürde in den Fernbusmarkt ist niedrig, wird beim Marktführer immer wieder versichert. Und so wird sich Flixbus bald eines neuen mächtigen Konkurrenten erwehren müssen. Die italienische Staatsbahn Trenitalia hat erst kürzlich verkündet, mit der Marke Bus-Italia in den europäischen Fernbusmarkt einsteigen zu wollen.