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Fischstäbchen-Konzern:Käpt'n Iglo wird Amerikaner

In Großbritannien und Irland heißt Iglo "Birds Eye": Der Konzern aus London gehört einem Finanzinvestor. Der verkaufte ihn nun an zwei Amerikaner.

(Foto: Barclay/Bloomberg)
  • Die Traditionsfirma Iglo wird weitergereicht. Der britische Finanzinvestor Permira verkauft den Tiefkühlkosthersteller für etwa 2,6 Milliarden Euro an die Investmentgesellschaft Nomad.
  • Nomad strebt nach der Übernahme einen Börsengang an, will sich in "Nomad Foods" umbennen und durch weitere Zukäufe ein Schwergewicht im internationalen Lebensmittelmarkt werden.
  • Für den bärtigen Werbeträger Käpt'n Iglo hat der Verkauf ebenfalls Konsequenzen: Nicht er, sondern das Essen soll im Vordergrund der Reklame stehen.

Von Björn Finke, London

Bald fährt Käpt'n Iglo unter US-Flagge. Auch wenn sein Heimathafen weiter in Großbritannien ist - in einem Gewerbegebiet nahe des Flughafens Heathrow. Dort hat der Tiefkühl-Konzern Iglo, der bislang dem Londoner Finanzinvestor Permira gehört, seinen Sitz. Doch Permira hat den Hersteller von Fischstäbchen und Rahmspinat nun an die Investmentgesellschaft zweier Amerikaner verkauft: für 2,6 Milliarden Euro, wie Permira und der neue Eigner, Nomad Holdings, am Montag bekannt gaben. Permira steigt allerdings nicht komplett aus, sondern erhält einen Anteil von neun Prozent an Nomad.

Dem Londoner Finanzinvestor gehört unter anderem der kultige Schuhfabrikant Dr. Martens, und im vergangenen Monat trennte sich Permira für viel Geld von seinem Aktienpaket am Modekonzern Hugo Boss. Iglo hatte der Investor 2006 von der Konsumgütergruppe Unilever gekauft - und bereits vor drei Jahren versucht, die profitable Firma mit 2800 Beschäftigten und 1,5 Milliarden Euro Umsatz wieder loszuwerden. Das war damals mangels attraktiver Offerten gescheitert.

Der Käpt'n ist nicht mehr zeitgemäß. Geworben wird jetzt ohne ihn

Jetzt fanden sich Interessenten. Das dürfte auch mit den ehrgeizigen Plänen eines Italieners zusammenhängen: Elio Leoni Sceti wurde vor zwei Jahren als Chef eingesetzt, und er verordnete dem Unternehmen eine andere Strategie und ambitionierte Ziele. So will er bis 2020 den Umsatz verdoppeln. So etwas hört jeder Investor gerne. Dabei sinkt der Umsatz seit 2011 Jahr für Jahr leicht. Und 85 Prozent der Erlöse stammen aus Deutschland, Österreich, Italien und Großbritannien - Ländern, wo Iglo bereits die größte Tiefkühlmarke ist, was rasantes Wachstum schwierig macht. "Ehrgeizig, aber erreichbar" nannte der 48-Jährige seine Vorgaben im Herbst in einem Gespräch mit der SZ: "Sie brauchen dafür das richtige Team und die richtige Firmenkultur."

Iglos frühere Deutschland-Chefin wollte nicht mehr zum Team gehören; Martina Sandrock ging im vergangenen Jahr - dem Vernehmen nach, weil sie die Pläne für unrealistisch hielt. Iglo verkauft seine frostigen Gerichte in zwölf europäischen Staaten; in Italien nutzen die Londoner den Markennamen Findus, in Großbritannien und Irland Birds Eye. In vielen Ländern des Kontinents läuft die Wirtschaft schlecht, die Bürger müssen sparen, statt zu den Iglo-Tüten und -Kartons greifen sie lieber zu Billigmarken vom Discounter. Die Umsätze der gesamten Tiefkühl-Branche schrumpfen.

Im laufenden Jahr bleibe das Umfeld auf den Märkten "schwierig", sagt Leoni Sceti. Doch spiegele sich die neue Strategie bereits in besseren Zahlen in einigen Ländern wieder. Der Italiener, der bis 2010 den Musikkonzern EMI geführt hatte, steckte mehr Geld in Werbung und Produktentwicklung. Die Tüftler sollen sich Gerichte für Mahlzeiten ausdenken, bei denen bislang nichts Tiefgekühltes existiert - vom Frühstück bis zum Mitternachtssnack. Der Manager möchte mit vielen neuen Angeboten Verbraucher, die bisher nie oder selten ins Tiefkühlregal greifen, zu regelmäßigen Kunden machen.

Außerdem änderte er den Fokus der Werbung. In den Fernseh-Spots fährt nun kein bärtiger Käpt'n Iglo mit seiner minderjährigen Crew übers Meer, sondern Iglos Gerichte stehen im Vordergrund. Die Reklame müsse transportieren, dass die Marke für Geschmack, Inspiration, Lebensfreude stehe, sagt Leoni Sceti.

Er ist bei Käpt'n Iglos neuestem Abenteuer nicht mehr an Bord. Die Übernahme soll bis Ende Juni abgeschlossen sein, und dann verlässt der Manager das Unternehmen, um in New York Chef des Kosmetikkonzerns Coty zu werden, den die deutsche Milliardärsfamilie Reimann kontrolliert. "Ich gehe zu einem Zeitpunkt, an dem der strategische Umbau von Iglo größtenteils abgeschlossen ist", sagt er. Leoni Sceti wird aber zugleich Aufsichtsrat bei Nomad, der Holding, die Iglo kauft.

Wer hinter Nomad Holdings steckt

Nomad Holdings wurde im vergangenen Jahr von zwei reichen US-Investoren gegründet, Martin Franklin und Noam Gottesman. Daseinszweck der Gesellschaft war es, mit dem Geld der Eigner eine Firma zu erwerben - was nun geschehen ist. Verschiedene Kandidaten für eine Übernahme seien genau geprüft worden, sagt Nomad-Gründer Franklin. Es sei "mehr als klar" gewesen, dass Iglo sehr gut passe.

Franklin hat den US-Konsumgüterkonzern Jarden aufgebaut. Noam Gottesman arbeitete früher als Hedge-Fonds-Manager und ist Gründer und Chef der Investmentgesellschaft Toms Capital in New York. Das Duo kündigte an, mit Nomad noch andere Unternehmen zu kaufen. Nach dem Erwerb von Iglo ändern die beiden passenderweise den Namen ihrer Gesellschaft von Nomad Holdings zu Nomad Foods. Käpt'n Iglo ist also dann Amerikaner.

Ursprünglich ist die Werbefigur ein Brite - und heißt Captain Birds Eye. Unter dem Namen verkauft Iglo ja Tiefgekühltes in Großbritannien, und schon in den Sechzigerjahren wurde dort der bärtige Reklame-Onkel auf hohe See geschickt. Erst zwanzig Jahre später feierte Käpt'n Iglo Premiere im deutschen Fernsehen. Wegen der neuen Strategie nimmt er da nun eine Auszeit, sein Kopf prangt nur noch auf den Packungen. Eine harsche Degradierung.

© SZ vom 21.04.2015
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