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Fintechs:Finanzfirmen in Aufruhr

Die technischen Einzelheiten einer neuen Richtlinie entfachen einen Streit zwischen Banken und jungen Finanzdienstleistern. Die Bankenaufsicht (EBA) will von 2018 an das Auslesen von Texten aus Internetseiten verbieten.

Von Nils Wischmeyer, Köln

Die technischen Einzelheiten einer neuen Richtlinie entfachen einen Streit zwischen Banken und jungen Finanzdienstleistern. Die Europäische Bankenaufsicht (EBA) will von 2018 an das sogenannte Screen Scraping verbieten. Dabei handelt es sich um einen Zugang zum Bankkonto über Drittanbieter, etwa Finanz-Start-Ups. Banken wollen den Zugang schon lange abschaffen. Sie sehen ihn als Sicherheitsbedrohung. Fintechs hingegen kämpfen seit Monaten für seinen Erhalt. Sie befürchten, dass sie ohne ihn nur noch schwer an die Kontodaten der Kunden kommen. Auch die Europäische Kommission hat sich auf die Seite der Fintechs gestellt. Im Zweifelsfall solle der Zugang immerhin als Notlösung erhalten bleiben, so die Kommission.

Die meisten Menschen kennen Screen Scraping aus dem Alltag. Der Kunde gibt dafür die Login-Daten für das Online-Banking seiner Hausbank an einen Drittanbieter. Im Hintergrund loggt sich das Finanz-Start-up in das Konto des Kunden ein, liest die Daten aus und zeigt diese in der App an.

Die Anstrengungen der Fintech-Lobbyisten waren offensichtlich vergeblich. In einem Schreiben an die EU-Kommission hat sich die Europäische Bankenaufsicht nun endgültig gegen den Erhalt des Screen Scrapings ausgesprochen. Dieser hätte negative Auswirkungen auf die Kompromisse, die bisher gemacht wurden, heißt es darin kryptisch. Mit dieser Entscheidung unterstützt sie die Position der Banken.

Die Fintech-Szene ist in Aufruhr. Die "Future of European Fintech Alliance", ein Zusammenschluss von mehr als 70 europäischen Finanz-Start-ups, sagt: "Die Position der EBA untergräbt das Geschäftsmodell europäischer Fintechs so grundlegend, dass es die Überlebensfähigkeit der Branche in Frage stellt." Bereits zuvor hatte die Gruppe in einem Manifest die Abschaffung als existenzgefährdend dargestellt.

Gänzlich abgeschnitten von den Kontodaten werden die Fintechs trotz des Verbots aber nicht. Die neue Richtlinie regelt, dass sie einen Zugang über eine einheitliche Schnittstelle, also eine Art Hintertür, bekommen sollen. Welche Daten die Banken darüber aber an Drittanbieter weitergeben müssen, ist nicht geregelt. Fintechs befürchten, künftig weniger Daten zu bekommen als bisher. Eine klare Regelung durch die Bankenaufsicht fehlt noch.

© SZ vom 14.07.2017
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