Fintech Wirecard verbündet sich mit Japanern

Der japanische Techkonzern Softbank investiert rund 900 Millionen Euro in das Dax-Unternehmen. Ein erneuter kritischer Medienbericht setzt Wirecard jedoch unter Druck.

Von Christoph Neidhart und Nils Wischmeyer, München/Tokio

Die Aktie von Wirecard vollführte am Mittwoch erneut eine Berg- und Talfahrt. Am Morgen verkündete der Zahlungsdienstleister aus Aschheim bei München, dass der japanische Techkonzern Softbank rund 900 Millionen Euro in das Unternehmen investieren will. Daraufhin stieg die Aktie um bis zu 14 Prozent. Am Nachmittag gab es einen neuerlichen kritischen Bericht der Financial Times (FT), der die Aktie unter Druck setzte. Zum Handelsschluss betrug das Plus noch rund acht Prozent. Laut FT resultierten zuletzt rund 50 Prozent der Umsätze und 90 Prozent der Gewinne aus Geschäften mit drei "undurchsichtigen" Partnern in Dubai, Singapur und auf den Philippinen. Markus Braun, der Chef des Zahlungsdienstleisters Wirecard, ist seit Wochen in der Defensive. Berichte über Bilanzmanipulationen in Asien setzten dem Unternehmen zu, der Aktienkurs notierte zwischenzeitlich mehr als 30 Prozent tiefer als noch zu Hochzeiten. Die Nachricht vom Mittwochmorgen wirkte zunächst wie ein Befreiungsschlag: Softbank steigt nicht nur bei Wirecard ein, beide Konzerne verkündeten zudem, eine enge Partnerschaft einzugehen und bei der Vergabe von digitalen Krediten eng zusammenzuarbeiten. Darüber hinaus soll Softbank dem Konzern helfen, nach Südkorea und Japan zu expandieren.

Softbank ist mit 100 Milliarden Dollar an Technologie-Firmen auf der ganzen Welt beteiligt

Softbank hat allerdings nicht direkt Aktien von Wirecard erworben, sondern plant, dem Konzern über eine sogenannte Wandelschuldverschreibung 900 Millionen Euro für eine Laufzeit von fünf Jahren bereitzustellen. Danach hat Softbank die Option, die 900 Millionen Euro in Aktien zu tauschen, rund 6,9 Millionen Aktien für 130 Euro das Stück. Die Anzahl der Aktien entspricht 5,6 Prozent des aktuellen Börsenwerts. Noch müssen aber die Aktionäre auf der Hauptversammlung von Wirecard im Juni den Deal absegnen.

Dadurch wird Softbank mit einem Schlag einer der größten Investoren von Wirecard. Der Konzern wurde in Japan als erster Anbieter schneller Internet-Verbindungen und als drittgrößter, aber schickster Mobilfunk-Anbieter bekannt. Firmengründer Masayoshi Son, ein Selfmade-Mann, konnte vor zwölf Jahren Apple-Chef Steve Jobs überreden, ihm für einige Jahre das Monopol für den Vertrieb des neuen iPhones zu gewähren.

Softbank gilt auch als Roboter-Pionier. Der humaniode Roboter "Pepper", ein Plastik-Männeken von etwa einem Meter Größe, soll Dialoge führen und die Gefühle seiner Gesprächspartner lesen können. Das funktioniert zwar meist nicht, aber weil Pepper der erste solche Roboter war, erhielt Son dafür weltweit Aufmerksamkeit.

Son ist einer der reichsten Japaner, der seinem Biografen erzählte, er habe sich als Student vorgenommen, Erfinder zu werden, weil Erfinder am meisten verdienen. Dazu habe er sich täglich darauf konzentriert, etwas zu erfinden. Das gelang ihm mit dem ersten elektronischen Wörterbuch, das sprechen konnte. Softbank gilt bis heute als Software- und Mischkonzern, obwohl sich der 61-jährige Son inzwischen vor allem als Technologie-Investor betätigt, zuletzt vermehrt auch im Hardware-Sektor. Vor drei Jahren kaufte er den britischen Chip-Hersteller ARM. 2016 schuf Son seinen "Vision"-Anlagefonds, mit 100 Milliarden US-Dollar der größte Technologie-Fonds überhaupt. 45 Milliarden US-Dollar, fast die Hälfte des Fonds, stammen vom saudi-arabischen Staat, dessen Anlagen Kronprinz Mohammad bin Salman (MBS) verwaltet. Der Prinz wird verdächtigt, im vorigen Herbst den Mord am saudischen Journalisten Jamal Khashoggi angeordnet zu haben. Son zeigte sich damals kurz irritiert. Aber seit der öffentliche Aufschrei verhallt ist, kündigt er ständig neue Investitionen an, an denen indirekt auch MBS beteiligt ist. Vorige Woche pumpte er 333 Millionen US-Dollar in die Fahrdienst-App Uber, Toyota und der Autozulieferer Denso schossen ihrerseits je 333 Millionen ein. Mit den beiden Auto-Konzernen will Son die Entwicklung des selbstfahrenden Autos vorantreiben. Die Aktie von Wirecard reagierte deshalb positiv, weil der Konzern mit Softbank einen starken Ankerinvestor gewinnt, noch dazu einen, der Zugang zu wichtigen Start-ups hat. Der nächste wichtige Moment im Krimi um Wirecard dürfte nun die Bilanzpressekonferenz an diesem Donnerstag sein. Dann stellt Chef Markus Braun die Zahlen für 2018 vor. Es ist sein erster Auftritt in der Öffentlichkeit, seit Ende Januar die Turbulenzen begannen.