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Finanzmarkt:Vorsicht, Weichmacher

Mehr als Nachkommastellen: Für US-Präsident Donald Trump geht es bei Währungskursen ums Ganze.

(Foto: Philippe Lopez/AFP)

Donald Trump hat den Dollar zu einer Waffe im Handelsstreit gemacht. Nun will er den Wert der Leitwährung drücken. Das könnte die Welt an den Rand eines Währungs­kriegs treiben.

Eigentlich ging es um eine Petitesse, als US-Präsident Donald Trump in den frühen Morgenstunden des 3. Juli mit dem Krieg drohte. Es ging nicht um einen militärischen Einsatz, nicht um Waffensysteme, nicht um Zölle. Es ging, könnte man sagen, bloß um ein paar Nachkommastellen im Kurs des Dollar. Peanuts für viele Privatleute, Centbeträge allenfalls.

Für den Präsidenten allerdings ging es um das große Ganze. "China und Europa spielen ein großes Spiel der Währungsmanipulation", schrieb der Präsident. Die USA könnten wie die Dümmlinge weiter zuschauen. Oder aber: sich mit den anderen messen.

Seitdem der Präsident diese Drohung in die Welt gesetzt hat, macht ein düsteres Wort wieder die Runde in Finanzkreisen: das Wort vom Währungskrieg. Nach den internationalen Handelsströmen könnten die USA nun auch den Devisenmarkt angreifen, den größten Finanzmarkt der Welt. Die Sorge vieler Experten: Trump könnte den harten Dollar ein Stück weicher machen - und andere Nationen könnten es ihm gleichtun. "Eine Eskalation in Richtung eines ausgewachsenen Währungskriegs", schreibt Joachim Fels vom Vermögensverwalter Pimco, "ist nicht länger auszuschließen."

Kaum ein anderes Thema beschäftigte die Anleger in den vergangenen Tagen so sehr wie das Geraune von Devisenunruhen und Abwertungswettläufen. Die Kunden der Citibank hat das Thema so sehr beunruhigt, dass sie die Experten der Bank gar offen aufforderten: Erklärt uns das endlich. Denn wer in der Diskussion durchsteigen will, muss verstehen, wie Währungen zur Waffe werden können.

Währungen als Munitionspulver

Die Logik einer weicheren Währung ist einfach zu verstehen: Würde US-Präsident Trump den Kurs des Dollar in die Tiefe drücken lassen, könnten Menschen hierzulande für einen Euro plötzlich mehr Dollar bekommen. Unternehmen in der Eurozone könnten für einen Euro also auf einmal mehr amerikanische Produkte kaufen. "Die Konjunktur in den USA bekäme einen kräftigen Schub", schreibt Martin Hüfner vom Vermögensverwalter Assenagon. Je schwächer also die US-Währung ist, desto eher können die amerikanischen Unternehmen ihre Konkurrenten auf dem Weltmarkt ausstechen.

Stellschraub en der Weichmacherei

Die Macht für Devisenoperationen liegt in dem langen Bau des US-Finanzministeriums an der 15. Straße in Washington. Hier, wo klassizistische, weiße Säulen um die Wette strahlen. Wo Mitarbeiter, wie es Bilder zeigen, meist die schweren Vorhänge an den Fenstern zugezogen haben, um ja keine Informationen nach außen dringen zu lassen. Irgendwo in diesem Gebäudekoloss sitzt der Exchange Stabilization Fund, der Staatliche Börsenstabilisierungsfonds. Auf nur drei Seiten listet der Fonds Monat für Monat auf, wie er theoretisch den Lauf des Dollar beeinflussen könnte. Unter einem Summenstrich offenbart sich das Ausmaß der finanziellen Munition: US-Staatstitel im Gegenwert von derzeit genau 22,6 Milliarden Dollar. Diese in Dollar notierten Staatstitel könnten die USA verkaufen, zu harten Dollars machen und diese dann am Währungsmarkt verkaufen - im Tausch gegen Euro, Yen oder Franken. Der Effekt: Der Kurs des Dollar würde tendenziell sinken, jene der ausländischen Währungen würden steigen.

Wie stark der Effekt dieser Manipulation allerdings tatsächlich wäre, ist umstritten. Knapp 23 Milliarden Dollar abzuverkaufen, klingt für Privatleute nach einem großen Betrag, ist in den Dimensionen von Finanzprofis aber eine überschaubare Summe. Zum Vergleich: Am weltweiten Devisenmarkt setzen die Händler fünf Billionen Dollar um. Jeden Tag, wohlgemerkt. "Die Feuerkraft des Finanzministeriums ist daher begrenzt", sagt Devisenexpertin Sonja Marten von der DZ-Bank.

Manipulation ohne Dollar

Viel mehr Angst haben die Devisenhändler vor einem anderen Szenario, dem sie den klingenden Namen "Verbalintervention" verliehen haben. Hinter dem gedrechselten Begriff verbirgt sich jedoch etwas denkbar Profanes: Dass der US-Präsident mit einer Twitternachricht den Dollar herunterredet. "Viel zu teuer", "stranguliert die Wirtschaft" - so etwas.

Ohne auch nur einen Dollar aus dem Schatz des Finanzministeriums tatsächlich anzurühren, könnte der Präsident damit dem Dollar zusetzen. "Allein die Drohkulisse reicht wahrscheinlich schon, um den Dollar zu schwächen", sagt Devisenexpertin Marten. Könnte ja schließlich sein, dass der unberechenbare Staatsmann irgendwann ernst macht. "Dollar talk" nennen die Devisenexperten solche Einlassungen des Präsidenten inzwischen.

Wettlauf der Währungen

Wie gefährlich das Gerede von Devisenmanipulation ist, zeigte sich vor wenigen Wochen am Fuße eines Hügels im portugiesischen Örtchen Sintra. Dort waren die europäischen Notenbanker zu einer Konferenz zusammengekommen. Hier offenbarte sich, wie schnell andere Währungshüter unfreiwillig zu Teilnehmern eines Währungswettlaufs werden könnten. "Niemand sollte einen Währungskrieg anfachen", sagte der finnische Notenbankgouverneur Olli Rehn im Interview mit dem Börsensender Bloomberg. Im Gespräch stand Rehn der Schweiß im Gesicht, so zeigen es die Bilder. Denn unter Notenbank-Beobachtern mehren sich die Sorgen: Was passiert, wenn Trump den Dollar herunterreden sollte? Dann würde der Euro aufwerten, den europäischen Unternehmen die Exportbilanz vermiesen, das Wirtschaftswachstum hemmen und damit auch die Inflation. Dann könnten die Notenbanker am Ende gezwungen sein, die Geldschleusen weiter zu öffnen. "Wenn die Vereinigten Staaten den Dollar aktiv schwächen sollten, wäre das fast unweigerlich der Startschuss für einen Währungskrieg", sagt DZ-Devisenexpertin Marten. Ob die Zentralbanker wollen - oder nicht.